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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe XIII (1878 / 152)

Die von der heraldischciiAusstellung eingenommene(Räumlichkeiten bestehen aus 
vier Salen, einem Zimmer und einem Corridor, in welchen auch die Bureau-Localitäten 
des Comitfs münden; sie befinden sich insgesammt im ersten Stockwerke des Museums, 
von dessen Direction sie in liberalster Weise dem Vereine wAdler-r zu gedachtem Zwecke 
zur Verfügung gestellt worden sind. 
Ueber die Hauptstiege heraufgekommen, gelangt man gleich linker Hand in einen 
durch sieben Abtheilungen in acht Logen gegliederten Saal, welcher sowohl gemalte als 
gedruckte heraldische Kunstblätter, Holzschnitte und Gravüren enthält; unter diesen Blät- 
tern sind längs jeder Logenwand glaspultähnliche Kästchen angebracht, worin Stamm- 
bücher, Familienc oniken, Ot-iginal-Wappenbücher, fernen mittelalterliche Sie alabgüsse 
uadßrigiaelgwa man angesetzt. sna. an jedem dann beigegeben: liqlleüc, 
welche den Aussteller, das Object ixnd bei verkäuflichen Gegenständen den Preis angibt, 
macht einen Katalog entbehrlich, der bei dem unregelmäßigen, sich meist bis gegen 
Ende der anberaumten Zeit und über dieselbe hinaus verzögerten Einlaufen der diversen 
Objecte unmöglich zur Erohung der Faposition hatte bereit sein können. Bezüglich der 
Malereien mac en wir vorzugsweise aufmerksam duf die reteiie Serie von modernen Meister- 
stücken aus dem Kriegsalbum vom Jahre 1873 und den darüber befindlichen Proben aus 
einem Privatalbum, beide im Besitze des Geheimen Secretars im Berliner Handelsmini- 
sterium, Herrn Friedrich Warnecke; das sogenannte Kriegsalbum ist noch besonders in- 
tereseaat durch die Autographen der hochatca jetzt lebenden Räumlichkeiten Dmuch- 
lands: der Monarchen, Feldherren und Diplomaten, und zuweilen ist auf einem Stamm- 
blatte das mit vollendetem Geschmack und dennoch streng heraldisch gemalte Wappen, 
daneben ein Wahlspruch mit 'der Namensüntetschrift (Charakter und Datum), und die 
Photographie des Einzeichners ersichtlich. ' 
Die von den tretflichen Arbeiten des Herrn Koopmans in Nymwegen occupirte 
Logenwand enthältunter anderen auch die gelungenen Wappen aleqeien des Herrn Ju- 
lius Henze in Dresden und elne seltene Kunstleistung im anspruc losesten Gewande von 
Herrn Bühler, Maler in Bern (Wappen der v. Wattenwyl, Aquarell, und der Gesellschaft 
-Mittlen Löwenn, Federzeichnung). Die Osterreichischen Landerwappen, ausgeführt vorn 
k. k. Hof-Wappenmaler Herrn C. Krahl, und die gegenüber placirte Reproduction der- 
selben auf chromolithographischem Wege durch die Kunstanstalt von Reiifenstein dahier 
verdienen die vollste Beachtung der Kenner. Die Herren C. Boss senior und junior, 
XVappenmaler am k. k. Ministerium des Innern und Inhaber einer heraldiaehen Anstalt, 
haben zwei grosse Wappenbilder: ltalien und Deutsches Reich, nebst einer Reihe von 
neueren Diplomen ihrer Hand, meist von berühmten Personen, wie Kopal, Hentzi, 
Ettenreich, Graf Anton Auersperg etc. ausgestellt. Die vom Hof-Wappenmaler Nahde in 
Berlin angefertigten zwolf Medaillonwappen des Grafen Buttlar (und Buttlar-Stubenberg) 
zeigen die Behandlung der verschiedenen Stylarten von der ältesten bis auf die neueste 
Zeit, und die Entwürfe von Herrn Graveur Otto ebendort bringen die wieder veriüngte 
Heraldik unserer Tage in schwungvollster Weise zur Geltung. - Die zahlreichen Blätter 
in Holzschnitt und Stich rühren zumeist aus den Sammlungen der Herren Krahl, Grenser 
und an's der Bibliothek des k. k. Oesterr. Museums her. Erwähnung verdienen die 
Farbendrucke aus dem Verlage von Wilhelm Rommel in Frankfurt am Main, die Wappen- 
ÄiPhäbßlß, Entwürfen V0" ACH Herren v. Retberg in München und v. Dachenhausen in 
Wien, und die italienischen Arbeiten dieses Genre's, welche, obgleich noch durchweg im 
nicht regenerirten Styte gehalten, Fleiss und Nettigkeit bekunden. Die Stadtewappen 
Deutschlands und die specicll von Bayern, Baden u. s. w. rcpräsentiren eine besondere 
Gruppe der Wappenkunst. 
Die heimische Photographie wird hauptsächlich durch zwei prachtvolle Copien des 
habsburgischen Stammbaumes, der Eigenthum des Stiftes Klosterneuburg ist, und durch" 
Aufnahmen von Aitmhnsteräichen Grabsteinen durch den Photographen Jagerspacher in 
Gmunden vertreten. Ein Oelbild, Stillleben: Vase mit Rosen und mit dem Lambergischen 
Wappen, hängt zwischen den beiden Klosterneuburger Photographien. 
An der Langseite des Saales rechts erblicken wir in circa 30 Rahmen die bisher 
erschienenen Lieferungen der Monographie über den wHelme von Gustav Frhrn. v. Suttner 
(Wien, bei Gerold), immer ie ein Blatt in Farbendruck und ein Blatt dazu gehöriger Text 
nebeneinander; darüber ist ein Facsimiie der famosen Züricher Wappenrolle, von der 
Hand des Heraldikers Herrn Grenser gemalt, aufgespannt. Auch die von Herrn Professor 
Walz verolfentlichten Salzbur er und Nonnberger Grabsteine, die neue prachti Edition 
des Grtlneberglschen Wappen Ches im Verlage von Starke in Görlitz, die genealogisch- 
heraldischen Arbeiten des Herrn Grafen Kalnocky und Aehnliches haben dort Platz gefun- 
den. An den Logenfenstern vertheilt sind die Arbeiten der Graveure an ebracht; die 
Herren Otto, Hdtzel, Voigt, Held, SchuPPan, Wedel, Tips, Petersen, Haseroti und Andere 
aus Prenssen, Sachsen und Baiern haben Rahmen mit ihren Arbeiten eingeschickt. Von 
den Wiener Graveuren stellten nur drei aus, nämlich der k. k. Hofgraveur Jauner und 
die Herren Schwerdtner und Radnitzky. '
	        

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