MAK

Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe XIII (1878 / 156)

rischen Styles, der im Gegensatze gegen die anderen nun das Heil bringen 
sollte und allein zu befolgen wäre, dachte Niemand. Es handelte sich darum, 
Jedem sein Recht zukommen zu lassen, die Dinge nach ihrer Art, nach 
ihrer Bestimmung, nach ihrem Materiale gerecht und schön und gut zu 
machen, und da wir sie ja doch einmal gebrauchen sollten, wir modernen 
Menschen mit unseren modernen Bedürfnissen, zugleich auch zweckmässig 
und brauchbar. 
Allein das lässt sich theoretisch sehr wohl sagen und auch im Ein- 
zelnen mit sehr vieler Logik genau und überzeugend ausführen, man 
schafft damit aber keine Kunstformen. Man braucht Vorbilder, welche 
diesen bestimmten theoretischen und praktischen Bedingungen entsprechen 
oder annähernd entsprechen, und wenn die Tradition, die vorhandene 
Weise sie nicht bietet, so bleibt nichts übrig, als sich in fernen Zeiten 
und Ländern nach ihnen umzusehen. 
Das that man denn auch und fand, zwar nirgends in den gegenwär- 
tigen Schöpfungen der modernen europäischen Industrie, der europäischen 
Culturstaaten, wohl aber in der Vergangenheit und auch in fremden, bis- 
her gänzlich ausser Beachtung gelassenen Ländern, vielfach die Befriedi- 
gung dieser Bedingungen und zum Theile in wundervoll gelungener Weise. 
So gelangte man zur Kenntniss und zum Verständnisse der orientalischen 
Flächendecoration; so fand man, dass die griechischen Gefässe unüber- 
trefflich schöne und für uns vielfach verwendbare Formen bieten; so kam 
man zu der Einsicht, dass gar viele Bedingungen vortrefflich bereits vom 
Geräthe der Renaissance erfüllt seien. Die Renaissance steht am Anfange der 
modernen Zeit. viele Bedürfnisse, die wir heute fühlen, waren schon damals 
erwacht und wurden von ihr künstlerisch befriedigt; ihre Sitten und Ideen 
sind den unsrigen die nächsten und verwandtesten; von ihr aus, sie ver- 
lassend, hat sich der moderne Geschmack verirrt - darin kann man mit 
den Gothikern übereinstimmen, nur liegt sie selbst nicht bereits auf dem 
Irrwege. Also weil man in der Renaissance fand, was man suchte, oder 
wenigstens vielfach dasselbe fand, darum ist man auf sie und ihre Formen 
wieder zurückgekommen. 
Das ist wohl etwas ganz Anderes als die Empfehlung der Renaissance 
als des allein seligmachenden Styles der Gegenwart und der Zukunft, wie 
man es mit der Gothik und der griechischen Kunst gemacht hat. Unser 
Weg ist nicht von der Renaissance ausgegangen, sondern hat zu ihr hin- 
geführt. Er ist auch nicht der einzige und ausschliessliche Weg und kann 
es nicht sein, da einerseits die moderne Cultur künstlerische Aufgaben 
stellt, welche die Renaissance noch nicht kannte, also auch nicht lösen 
konnte, andererseits viele Aufgaben und andere Stylarten ebenso glücklich 
oder glücklicher noch und in anderer, nicht minder entsprechender Weise 
erfüllt worden sind. Daher war es bei den neuen Werken, welche die 
österreichische Kunstindustrie mit einigem Erfolge, wie es scheint, ge- 
schaffen hat, niemals darauf abgesehen, Werke der Renaissance zu schaffen
	        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzerin, sehr geehrter Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.