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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe XIII (1878 / 157)

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einem Salon Platz fände, wo jene Theekannen in Verwendung wären; 
selbst in einem Garten würden aber die vielen Spitzen und Ranken des- 
selben eine Annäherung für die Kleider gefährlich machen. 
Von Eisen zu Stein ist der Sprung nicht gar zu gewaltig, im Ganzen 
ist jedoch auf der Ausstellung mehr der Stein als solcher, als viele kunst- 
gerechte Behandlung desselben zu bemerken. Die geschickten Tiroler 
Steinmetzen haben sich der Ausstellung aus unbekannten Gründen zu- 
meist fern gehalten. Der in neuester Zeit so gepriesene, von Fachmän- 
nern dem Parischen an die Seite gesetzte La aser Marmor präsentirt sich 
in der That prächtig in einem Relief von Steinhäuser. Prof. Fuss 
von der lnnsbrucker Zeichen- und Modellirschule hat eine sehr fein aus- 
gearbeitete und auch sehr schön gezeichnete Füllung ausgestellt, wahrhaft 
ein Muster für seine Schüler. Zwei reizende zarte Frauenkörper ragen 
aus Blattwerk hervor; die eine das Haupt traumbeschwert neigend ist als 
Abend, die andere mit einem Spiegel in der Hand als Morgen gedacht. 
Der gleichfalls sehr gelobte Marmor von Taufe rs ist leider gar nicht ver- 
treten und es ist überhaupt fraglich, ob sich Herr Mutschlechner aus 
Innsbruck, dem die dortigen Brüche gehören, zu neuen Opfern an Geld 
verstehen wird, nachdem ihm vor Kurzem das Elementarereigniss im 
Ahrnthale seine Marmorsäge vollständig vernichtet hat. Dafür begegnen 
wir in dieser Abtheilung zum ersten Male Wälschtirolern und es ist 
bei den heutigen politischen Verhältnissen doppelt erfreulich, dass sich 
jene bei dem Feste ihrer deutschen Landesbrüder so zahlreich mit Ein- 
sendungen eingefunden haben. Da sind also die Herren Cesare Scotoni 
und Ranzi 81 Co mp. zu nennen. Beide im Trentino ansässig, haben 
sie eine grosse Sammlung südtiroler buntfarbiger Marmorarten, überdies 
ersterer eine grosse Vase, letzterer ein Tischchen ausgestellt. Nun wider- 
strebt es uns aber fast, auch bezüglich dieser beiden Objecte schon Ge- 
sagtes wiederholen zu müssen. Die Technik zeigt all' die überraschende 
Virtuosität, die wir bei Werken der neueren italienischen Plastik zu sehen 
gewohnt sind, die Vögel und Eichkätzchen, die sich in den Blumen- 
gewinden an der Vase herumtummeln, sind mit einem Naturalismus aus- 
geführt, der bis zu den äussersten Grenzen des Erlaubten geht. Aber die 
sonst zur Anwendung gebrachten Ornamentmotive bekunden schon wieder 
die vollständige Unkenntniss der Sprache, welche die antiken Zierglieder 
reden. Am Fusse der Vase wachsen die Akanthusblätter nach abwärts, 
und an dem Tischchen sind Perlen- oder Kugelschnüre so ganz rund 
ausgearbeitet, dass man deren Herabfallen fürchtet. Was sonst noch von 
Steinwaare vorhanden ist von Gelmo, Zefferini Piccinini, Zanotta 
reicht kaum in das Gebiet der Kunstindustrie, nur Giuliani's fleissige 
und hübsche Arbeiten machen noch eine kleine Ausnahme. 
Ueber einige andere Gruppen der Ausstellung können wir schnell 
hinwegeilen, da sie ziemlich unbedeutend vertreten sind. Auf dem Gebiete 
der Keramik z. B. begegnen uns blos zwei Firmen: Die Oefen der Thon-
	        

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