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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe XIII (1878 / 159)

2025 
jetzt, wo man den Kunstgewerben wieder eine erhöhte Aufmerksamkeit 
zuwendet, in Tirol eine Reihe von Fachschulen gegründet worden sind, 
die mehr oder weniger schon in der einheimischen Industrie wurzeln und 
deren Aufgabe es ist, diese Industrie zu veredeln und sie dem Weltmarkte 
zuzuführen. In Cles, in Cortina d'Ampezzo, in Tione, in St. Ulrich, in 
Laas, in Predazzo, in Proveis, in Feldkirch, in Irnst existiren solche vom 
Handelsministerium gegründete Schulen. In Innsbruck ist eine grössere 
gewerbliche Zeichen- und Modellirschule vorn Unterrichtsministerium in 
das Leben gerufen worden. Der Tiroler hat auch Sinn für die künst- 
lerische Ausstattung in Haus und Kirche, so dass sich in diesem Alpen- 
lande der Hausbau, insbesondere das Wohnhaus des Landbewohners, 
eigenthümlich gestaltet hat. Die Aufnahme von charakteristischen Bauern- 
häusern älteren Datums, wäre eine schöne Aufgabe für jüngere Architekten. 
Das städtische Wohnhaus und die Kirchen Tirols folgen dem Zeitge- 
schrnacke; die Architektur ist für einen grossen Theil Europa's eine inter- 
nationale Kunst, die nicht nach localen Gesichtspunkten erörtert werden 
kann. Der kirchliche Sinn, der den Tirolern, insbesonders der Landbe- 
völkerung eigen ist, wendet sich mit Vorliebe der Kunst in der Kirche 
zu. Es gibt wohl keine bessere Familie und kein wohlhabenderes Bauern- 
haus, wo nicht ein kirchliches Bild zu finden wäre. Die Malerei hat daher 
ein ausgiebiges Feld. Neben dem peintre artiste gibt es Bauernmaler und 
eine Art Schule für diese Bedürfnisse. Unter den Malern, welche für die 
Kirche arbeiten, nehmen Mader und Plattner eine geachtete Stellung 
ein. Für Kirchenschmuck ist immer Geld vorhanden, und die Kirchen in 
Tirol würden wohl viel reicher an Kunstschätzen sein, wenn sie nicht von 
reisenden Kunsthändlern vom lnlande und Auslande fast systematisch aus- 
geplündert worden wären, und wenn nicht der moderne Unverstand, der 
diese künstlerische Beschäftigung für Kirchen und die künstlerisch-religiöse 
Inspiration geringschätzt, manche Quelle der Künstlerbeschäftigung ver- 
stopft hätte. Rühmt sich doch ein ausländischer Kunsthändler, er habe 
aus Tirol allein 20 schöne gothische Altäre weggeschleppt, und ist nicht 
eine bekannte Kunstanstalt in München bemüht, Tirol mit Werken kirch- 
licher Kunst zu versehen, die früher im Lande selbst erzeugt wurden? 
Wohin man kommt, von Kirche zu Kirche, hört man bei Nachfragen: 
wdas ist aus der M. . .'schen Anstaltß, und so entgeht dem Lande nicht 
blos eine Einnahmsquelle, sondern auch eine Quelle ausgiebiger künst- 
lerischer Beschäftigung. Wie viel an Knnstschätzen trotz den Verschlep- 
pungen noch im Lande vorhanden ist, davon hat die kunstarchäologische 
von Dr. Schönherr einsichtig geleitete Abtheilung auf der Innsbrucker 
Ausstellung beredtes Zeugniss abgelegt. Es wäre leicht gewesen, das Dop- 
pelte und Dreifache auszustellen, wenn der Raum dazu vorhanden gewesen 
wäre; und nicht blosßder reiche und vornehme Bewohner hat das Material 
für diese archäologische Ausstellung geliefert, sondern ein nicht geringer 
Theil stammte von Besitzern aus Gesellschaftskreisen, die in anderen Län-
	        

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