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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe XIV (1879 / 163)

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fremden Geschmack weniger gewaltig, als gewaltthätig linden, wenn man 
weiss, dass die persische Lyrik den idealisirten Liebreiz im chinesischen 
Götzen mit wassersüchtigem Unterleibe verkörpert sieht 7'). 
Der kräftig naturalistische Zug, welcher aus den chinesischen Werken 
der bildenden Künste hervorsticht, musste natürlich auf den jeder re- 
flexionslosen Begeisterung baren Sinn der Araber von EinHuss sein, und 
denselben in jene Abhängigkeit von den chinesischen Vorbildern bringen, 
welche wir thatsächlich in den muhamrnedanischen Malerschulen des 
Mittelalters bemerken können 7'). Und wenn die arabischen Schriftsteller 
diesen strengen Zug naturalistischer Auffassung bewundernd an Beispielen 
hervorheben"), so finden wir darin doch eigentlich nur den Ausdruck 
eines Lobes, das die Araber, als Nachahmer der Chinesen, ihren eigenen 
iiguralen und decorativen Leistungen unbewusst spendeten 75). 
Genug dem, der Einfluss der chinesischen Kunst in ihren vielfältigen 
Aeusserungen griE mächtig in das sociale Leben der Sarazenen ein, und 
errang sich bei denselben hauptsächlich auf den oben beschriebenen Ver- 
bindungswegen dauernde Absatzgebiete. Auf solche Weise gelangten mit 
den verschiedensten Genüssen des Wohllebens und der verfeinerten Sitte 
insbesondere auch die Seidenprodukte China's selbst dann noch auf 
die vorderasiatischen Märkte, als die Seidenzucht und -lndustrie auch bei 
den Sarazenen schon die höchste Stufe erreicht hatte 7"). 
Nach dem Gesagten wird es daher kaum wie zufällig erscheinen, 
dass eben die Stadt Basra es war, in deren Mauern zuerst ein Araber 
'") Hifis, ed. Rosenzweig-Sehwannu, l, p. 464, 804; ll, p. 4. - Dschämi: 
Jüsuf und Zuleicha, ed. Rosenzweig, p. 91, 214, und an anderen Stellen. Die Ausdrücke 
but Tseltinf und suret-i Tschin für Götze, Idol aus China, werden im Persischen 
rnetonylnisch für Geliebter und Liebchen gebraucht. 
") Karnbncek, Das angebliche Bilderverbol des lsläm, in -Kunst und Gewerbe-i, 
Nürnberg 1876, p. 298 f. Auch des obige Bildchen trügt unverkennbare Spuren dieser 
Anlehnung. 
"J Thfälibi, l. c. - Dimischki, Coslnogrnphie ed. Mehren, p. 265. 
") Von der strengen Kritik, welche in dieser Beziehung geübt wurde, giebt die 
folgende durch Mas'üdi l. c. l, p. 69 überlieferte Erzählung Zeugniss: nEin Chinese 
hatte auf einem Seidenstoif eine Aehre rnit einem Sperling, der sich darauf niedergelassen, 
dargestellt Kein Beschauer hegte irgend einen Zweifel über die täuschend gelungene 
Arbeit. So blieb denn dieser Stoff eine Zeit lang ausgestellt, bis eines Tags ein Buck- 
liger vorübergehend ihn abfällig kritisirtc. Vor den König geführt, wurde er in Gegen- 
wart des Künstlers gefragt, worin sein Tadel bestünde Da sprach er: „Jeder weiss, dass 
ein Sperling sich niemals auf eine Aehre niederlassen kann, ohne dass dieselbe dadurch 
umgebogen würde. Nun hat aber dieser Mnler die Aehre gerade, ohne irgend welche 
Neigung, hingesetzt und obendrauf den aufgerichteten Sperling befestigt." Diese Be- 
merkung des Buckligen wurde treffend befunden, und der Künstler erhielt keine Ent- 
echadigungm 
"') Dieser spare Einfluss tritt deutlich sichtbnr an den decorativen Musterungen der 
sarazenischen Seidengewebe des XIV. und XV. Jahrhunderts und deren europäischen 
Imitationen hervor. Auszunehmen ist hierin das muhnmrnedanische Kleinnsien, welches 
bis in's Xlll. Jahrhundert wenigstens in unverkennbnrer Abhängigkeit von Byzanz stand.
	        

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