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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe XIV (1879 / 167)

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Gegenstände im Gebäude des Justizministeriums ausgestellt sind, der zweite 
Termin in die Woche vor Ostern, zu'welcher Zeit die Ausstellung und 
der Verkauf in einem der grossen Schulsäle stattfinden. 
Schliesslich muss ich noch erwähnen, dass die Schule nahezu keine 
Jahresferien kennt. "Die Schülerinnen bedürfen der Aufsicht, des Unter- 
richtes, der Beschäftigungu, sagte die Vorsteherin, nsie kommen gerne und 
wir behalten sie gerne in unserem Schutzex Und somit wird, in dem 
klösterlichen Geiste, welcher die erste dieser Lehranstalten in das Leben 
rief, die Ferialzeit auf zwei Wochen beschränkt. 
Die Schule wird von einer Directrice und deren Stellvertreterin ge- 
leitet und von einem Damencomite und einem Rathe, der aus Damen und 
einigen, aus der Zahl der Gründer gewählten Mitgliedern besteht, beauf- 
sichtigt und verwaltet. Dieser Verwaltungsrath theilt sich in vier Comite's, 
in deren Ressort die Aufnahme, der Unterricht, die Finanzen und die 
Prüfungen fallen. 
Ehe ich den Bericht über die gewerblichen Mädchenschulen von Paris 
schliesse, deren Arbeiten in grosser Zahl Ausstellungsgegenstände von 
eminenter Schönheit boten, deren Räume, mit ihrem halb hausmütterlichen, 
halb weltlichen Gepräge einen eigenthümlichen Eindruck machten und deren 
Zwecke, trotz verschiedengestaltiger Wege, so klar und offen vor uns 
liegen, - ehe ich von diesen Schulen Abschied nehme, muss ich noch 
eines scheinbar geringfügigen Umstandes Erwähnung thun. 
Ich fand nämlich unter den mannigfachen Objecten, die einen Aus- 
stellungsschrank dieser Schulen füllten, unter den Blumen, Kleidern, 
Schüsseln, Fächern, ein Schulheft, in welchem die naturhistorischen Auf- 
gaben von der Hand der Schülerin illustrirt erschienen. nOrdnung der 
Klettervögeln, v-Ordnung der Raubvögelu, u. s. w. hiess es, und zu Anfang 
eines jeden solchen Absatzes war das typische Thier mit der Feder möglichst 
sorgfältig eingezeichnet. 
Durch diese Illustrationen, welche der oberflächlichen Betrachtung 
vielleicht gleichgiltig erscheinen mögen, glaubte ich einen wenigstens theil- 
weisen Einblick in die Methode des allgemeinen und speciellen Unter- 
richtes, wie er an diesen gewerblichen Schulen gepflegt wird, ja vielleicht 
sogar einen der Schlüssel zu dem Geheimnisse zu gewinnen, wie die 
Schülerinnen zu der Macht klarer Vorstellung und Gestaltung gelangen, 
die sich später in ihre_n kunstgewerblichen Arbeiten in so überraschender 
Weise ausspricht. - 
Die Kinder werden daran gewähnt, die Formen, die Contouren, die 
Unterscheidungsmerkmale genau zu erfassen, so genau, dass sie sie wieder- 
geben können; sie werden zu dieser Wiedergabe veranlasst und angeleitet, 
und da die Franzosen und ihre Schulmänner das Zeichnen als das Alphabet 
alles kunstindustriellen und kunstgewerblichen Strebens längst erkannt 
haben, so wird es nach Möglichkeit Allem, hier auch dem naturhistorischen 
Unterrichte, als Mittel zum Zwecke beigegeben.
	        

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