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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe XIV (1879 / 167)

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Eeole nationale de dessln pour las jeunes tllles. 
Diese Schule wurde im Jahre 1802 von einer Gräfin von Montizon 
errichtet, deren Absicht es war die Mädchen durch gründlichen Zeichen- 
unterricht zu allen kunstgewerblichen und industriellen Arbeiten vorzu- 
schulen und dem schwungvollen, kunstindustriellen Talente der Franzö- 
sinnen einen gesunden dauernden Untergrund zu geben. Sie leitete selbst 
die Schule, widmete sich ihr mit Aufopferung und Liebe, und übergab 
sie bei ihrem Tode in die sachkundigen Hände ihrer Töchter. Im Jahre 
1848 übernahm Rosa Bonheur die Direction der Schule, welcher diese 
Künstlerin bis 186i verstand; zu dieser Zeit wurde die Leitung des In- 
stitutes Fräulein Marandon de Montyel übertragen, welche sich mit grosser 
Energie und erfolgreicher Zuversicht ihrer Aufgabe widmet. 
Die Schule zählt durchschnittlich 200 Schülerinnen, die im Alter 
von 12-25 Jahren aufgenommen werden, meist Töchter unbemittelter 
Bürger. Der Schulsaal ist täglich von I0 M3 Uhr oßen; die Schülerinnen 
können in dieser Zeit kommen und gehen wann sie wollen, und weisen 
sich ihren Angehörigen gegenüber, bezüglich der Dauer ihrer Anwesen- 
heit in der Schule, mittels eines Büchelchens aus. 
Diese scheinbare und wirkliche Regellosigkeit des Besuches erwächst 
aus dem Bestreben, den Mädchen, welche durch anderweitige Beschäftigung 
abgehalten werden und sich nicht an eine bestimmte Stunde binden können, 
doch die Möglichkeit zu bieten, jeden freien Augenblick zur Uebung im 
Zeichnen und Malen zu benützen, wobei ihnen die Directrice stets zur 
Seite ist. 
Der Unterricht wurde früher von der Vorsteherin allein ertheilt. Die 
Mädchen sollten Zeichnen lernen und nichts weiter. Für diesen aus- 
schliesslichen Zweck wurde die Schule gegründet, in welcher der Unter- 
richt unentgeltlich ertheilt wird und die bis vor wenigen Jahren in dem 
Budget des Unterrichtsministeriums und der Direction des beaux arts, mit 
12.000 Frcs. eingestellt erschien. - indessen hatten die Fortschritte, die 
sich allenthalben geltend machten, vielleicht auch das Aufblühen der 
gewerblichen Mädchenschulen, vor Allem aber der Wunsch die Schüle- 
rinnen durch die Schule direct zum Erwerbe zu führen, Fräulein Marandon 
bestimmt alle Kraft einzusetzen, um die zweckmässige Erweiterung des 
Programmes der Schule zu erreichen. Sie machte Vorschläge, die seitens 
des Ministeriums Genehmigung fanden, es wurden Fachlehrer engagirt, 
Vorträge eingerichtet, und derzeit hat sich das Programm, dessen Durch- 
führung jährlich 26.000 Frcs. kostet, in folgender Weise gestaltet: 
Zeichnen: Anfangsgründe; Zeichnen nach Gypsahgüssen; Ornamente, 
Figuren; akademisches Zeichnen; Figuren und Blumen nach der 
Natur. 2 Lectionen täglich. 
Gewerbliches Zeichnen: Linear- und geometrisches Zeichnen; Laviren 
nach Zeichnungen und Gypsabgüssen; Aquarell-Malen; Compositions-
	        

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