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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe XIV (1879 / 169)

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führt in der Fabrik von Wudia in Graz, welche sich den Besuchern der 
letzten Weihnachtsausstellung im Museum rührnlich bekannt gemacht hat, 
ferner die Arbeiten der Fachschule in l-lallstatt und zwei Möbelstücke von 
Scherb in lschl, einen grossen Wandkasten und eine Wanduhr. Die Ar- 
beiten der Schule, eine Collection reizend geformter und verzierter Gefässe 
aus röthlich grauem Marmor gedreht, ein Cabinetkasten in massvoller 
Renaissance mit geschnitztem Ornament und ein Schlüsselkasten (zum 
Anhängen an die Wand) von Zirbelholz, mit gothischen Reminiscenzen 
aus der Uebergangszeit zur Renaissance, eine Arbeit, die sofort ihren Lieb- 
haber gefunden hat -- diese Arbeiten zeigen, dass die Leitung der Schule 
in vollem Bewusstsein des Weges handelt, den sie zum Besten der Gegend 
zu gehen hat. Das Genre, welches Scherb in seiner Möbeltischlerei ver- 
folgt, ist auch in Wien von der Weihnachtsausstellung her nicht unbekannt. 
Wir sahen eine ganze Schlafzimmereinrichtung etwa in Art des frühen 
Rococo, stark profilirte Bildungen mit gedrehten Säulen, Schnitzereien, 
Marqueterie und Einlagen von gravirtem Metalle. Form und Zeichnung 
hatten etwas Ungefüges, Unfeines. In beiden Beziehungen sind die in 
lschl ausgestellten Gegenstände bei weitem besser; es zeigt sich ein wesent- 
licher Fortschritt. 
Die Eintheilung des Hauptsaales ist einfach und übersichtlich. Rechts 
und links ziehen sich unter den Fenstern breite Tischreihen hin, welche 
vorzugsweise eine reiche Ausstellung von Glas, Porzellan, Fayencen und 
verwandten Gegenständen enthalten; die Mitte nehmen Glaskästen mit 
Metall-, Leder- und Galanteriearbeiten ein, während an den Schmalseiten 
vorn beim Eingange Rahmen und geschnitzte oder sonst verzierte Möbel- 
stücke feinster Art ihren Platz erhalten haben, die entgegengesetzte Rück- 
wand aber gänzlich von Giani's schön arrangirter Collection von Möbel- 
und Decorationsstoffen eingenommen wird. Die Gewebe von Philipp 
Haas und Söhne haben dagegen ihre Aufstellung "gerade inmitten des 
Saales erhalten. Der Saal ist damit reich "gefüllt, aber die Anordnung 
bietet bequeme Circulation, und die Gegenstände sind ausnahmslos gut 
beleuchtet und bequem zu sehen. 
Die Firma Ph. Haas und Söhne hat ihre Auswahl praktisch getroffen. 
Jene kostbaren Prachtstoffe, welche ihr den Ruf der ersten Kunstanstalt 
ihrer Art in der Welt verschafft haben, hat sie zu Hause gelassen. Es 
wäre auch kein Platz zu ihrer Entfaltung vorhanden gewesen, wenn auch 
ein Publicum, das sie zu würdigen verstanden hätte. Dagegen hat sie uns 
eine reiche Auswahl jener Stoffe vorgeführt, welche mit ihrem einfacheren 
und gediegenen Geschmacke für jedes wohlhabende Haus sich empfehlen. 
Reicher in Prachtstoffen von Sammt und Seide, deren Charakter der 
zwanzigjährigen Richtung dieses Hauses treu bleibt, erscheint diesmal 
Giani. Einige schöne Sessel zeigen ihre Anwendung. Die Stickerei an 
denselben ist nicht minder beachtenswerth wie der Behang und Besatz an 
Passementerie, welcher Zweig der Verzierungskunst noch auf der Ausstel-
	        

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