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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe XIV (1879 / 171)

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Centrum der textilen lndustrie ist der Nishijin zu Kioto und na- 
mentlich kommen alle werthvollen StoEe von dort. An Bedeutung zunächst 
steht Kirin in der Provinz Kozuke. 
Aus den aufgezählten, aber nicht beschriebenen Stotfen, mag der 
Shifu genannte, hervorgehoben werden. Er zeichnet sich dadurch aus, 
dass zur Kette Baumwolle zum Einschlag Papier genommen wird. Letztere 
Mittheilung verliert indess das überraschende, wenn wir uns erinnern, 
dass aus dem japanesischen Papier, Dank der zähen unaufgelösten Pflanzen- 
faser, sogar Packschnüre fabricirt werden. 
Es folgt noch eine ausführliche Beschreibung der in Nisbijin gebräuch- 
lichen Technik der Seidenweberei und endlich eine beachtenswerthe Notiz 
über die Herstellung der Silber- und Goldfäden für die Stoffe von Kinran. 
Nicht ohne lnteresse sind die kurzen Mittheilungen über Fächer. 
Die ersten Faltfächer stammen angeblich aus dem Jahre 670 n. Chr. Sie 
trugen den Namen Kuwahori, Fledermaus, wie denn auch der Anblick 
dieses Thieres einen Bewohner von Tamba zu dieser Erfindung inspirirt 
haben soll. 
Hiogi heisst ein Fächer, der aus den durch Fäden verbundenen 
Blättern von Chamaea cyparis obtusa gemacht wird. Wie die aus Bambus 
gefertigten Chukei (die selbst in gefaltetem Zustand zur Hälfte ausgebreitet 
erscheinen), dienen sie nur bei festlichen Ceremonien. Die allgemeine Be- 
zeichnung für Faltfächer ist Sensu. Die besten stammen aus Tokio. Be- 
sonders grosse und reiche Fächer werden von den Tänzern zum Tact- 
schlagen benützt. 
Uchiwa sind Fächer, die sich nicht zusammenlegen lassen. Sie be- 
stehen meist aus Papier, seltener aus Seide. Um das Jahr 1660 machte 
sich ein kunstsinniger Priester um die Decoration derselben verdient. Nach 
dem Orte ihrer Herstellung hiessen sie Fukakusa Uchiwa und erfreuen 
sich noch heute eines grossen Rufes. Die schönsten dieser Art werden 
jetzt ebenfalls in Tokio gemacht. 
Damit schliesst der eigentlich kunsttechnologische Theil. ln der 
zweiten Hälfte des Bandes folgt eine ausführliche Beschreibung der Natur- 
producte des Landes. Dr. Hugo Tschudi. 
Fluhachulen und iinterrichiaanaiaiten für Textilindustrie. 
Herr Dr. H. Grothe, einer der hervorragendsten Technulogen der Gegenwart, 
hat eine sehr bemerkenswerthe Broschüre über die nFachschulen und Unterrichtsunstalten 
für Textilindustrie- (Berlin 187g) verblfentlicht. Seite 44-46 gibt er die Resultate seiner 
Untersuchung in folgenden Sätzen an: 
l. Für die Lehrlinge der Textilindustrie, besonders für Weberei, ist die Lehr- 
werkstätte die geeignete Bildungsanstalt zur Erlangung eines genügenden Masses von 
Arbeits- und Handwerkskenntniss. 
2. Die Lehrwerkstätte muss für die Industrie direct arbeiten, eine möglichste 
Vielseitigkeit innerhalb der Branche zu entwickeln suchen, und so construirt sein, 
dass der Lernende Gelegenheit hat, einen Theil seines Unterhaltes stets durch Arbeit 
zu verdienen. Die Bemessung des bewilligten Lohnes muss den Leistungen angepasst 
sein; der Lohn soll dabei einen Sporn bilden.
	        

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