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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe XIV (1879 / 162)

zu.) 
 
pflege dankt. Durch tausend sichtbare und unsichtbare Canäle dringt 
das weitverbreitete Element der Kunst in die gewerbliche und industrielle 
Production ein und begründet die Ueherlegenheit französischer Arbeiti 
Diese eigentbümlichen Vorzüge französischer Production waren es 
nun, von denen Preussen in den letzten Jahren einen starken Eindruck 
empfing. Schon um mehrere Jahrzehnte früher hatte auch England einen 
kaum minder starken Eindruck ähnlicher Art gewonnen, und unter Freus- 
sens Nachbarländern hatte sich Oesterreich in dieser Hinsicht als der em- 
pfänglichste Boden gezeigt. Diese Umstände sind zu berücksichtigen, 
wenn man sich über die gegenwärtig in Preussen so mächtig wachsende 
Bewegung klar werden will. ' 
Eine solche Bewegung entsteht überhaupt nicht plötzlich, und sie 
wird stets aus dem Zusammenwirken verschiedener EinHüsse geboren. 
Im vorliegenden Falle ist sie zum grossen Theile der Betrachtung sowohl 
englischer und österreichischer, als auch französischer Verhältnisse ent- 
sprungen. Dabei gereicht es ihr zu nicht geringem Vortheile gegenüber 
den nationalen Neigungen der tonangebenden Kreise Preussens, dass einer- 
seits Frankreich mehr als lehrreiches Beispiel denn als Vorbild hingestellt 
werden kann, und dass anderseits die Bewegung als eine innerhalb der 
germanischen Culturwelt, ja als eine in gewissem Gegensatz zu franzö- 
sischer Art entstandene bezeichnet werden darf. Zwei deutsche Männer, 
Prinz Albert und Gottfried Semper, haben vor bald drei Decennien den 
massgebendsten Einfluss auf die künstlerisch-industrielle Reform in Eng- 
land genommen, und in Oesterreich ist durch die Bestrebungen einer 
Gruppe deutscher Gelehrter und Künstler, die am Wiener Museum ge- 
meinsam wirken, die Belebung der Kunst im Gewerbe unternommen wor- 
den. Um in Preussen zu einer umfassenden Action anzuregen, musste 
aber noch ein Drittes hinzukommen: die Erkenntniss der ausserordent- 
lichen volkswirthschaftlichen Erfolge, welche Frankreich dem Um- 
stande verdankt, dass dort schon viel länger als in England und Oester- 
reich diesen Aufgaben der Kunst- und Gewerbepolitik die Aufmerksamkeit 
des Staates zugewandt ist. 
Solche Erkenntniss der mächtigsten Ursachen des bewunderten fran- 
zösischen Volkswohlstandes ist nun in den letzten Jahren in Preussen zum 
Durchbruch gekommen. Im Anfange der Bewegung hat es zwar nicht an 
zweifelnden Stimmen gefehlt , ob mit einer energischeren Kunstpolitik und 
mit der Pflege des gewerblichen Bildungswesens etwas ausgerichtet wer- 
den könne. Man sagte, die Franzosen sind von Hause aus ein kunstindu- 
strielles Volk; sie sind durch natürlichen Geschmack vor den übrigen Na- 
tionen- bevorzugt, und keine künstliche Anlernung kann angeborne Gaben 
ersetzen. Nähere Betrachtung der Verhältnisse und der Entwicklung fran- 
zösischen Kunst- und Gewerbewesens führte jedoch bald zu anderen Auf- 
fassungen.
	        

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