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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe XIV (1879 / 162)

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Rheins, sowie eine Reihe von Büsten und Statuetten und endlich den 
Entwurf für das Jellaöiö-Monument und das Prinz Engen-Denkmal auf 
dem äusseren Burgplatze. 
Die Bedeutung Fernkorn's liegt in dem Umstande, dass er die Fähig- 
keiten eines Erzgiessers mit denen eines Bildhauers in sich vereinigte. Er 
gehörte nicht zu den Bildhauern ersten Ranges und kann sich weder mit 
Rauch, Schwanthaler, Rietschel, noch mit R. Donner oder Zauner messen. 
Als Erzgiesser waren ihm vielleicht Stiglmayer und der ältere Miller über- 
legen; aber weder war Rauch Erzgiesser, noch Stiglmayer Bildhauer wie 
dies bei Fernkorn der Fall war, und deshalb nimmt er in der deutsch- 
österreichischen Kunst eine ganz aparte Stellung ein. Als Bildhauer fehlte 
ihm der geniale Zug und die tiefere Einsicht in die Stylgesetze in der 
grossen Plastik. Gerade bei dem am meisten besprochenen Denkmal des 
Erzherzog Carl kommen die Licht- und Schattenseiten seines Talentes auf 
eine merkwürdige Weise zur Erscheinung. Das erste Gesetz in der grossen 
Plastik, Bewegung und Ruhe im geistigen Gleichgewichte zu halten, wurde 
von ihm hintangesetzt. Das Erzherzog Carl-Monument ist, um es mit wenig 
Worten zu sagen, eine in's Colossale vergrösserte Statuette. Er hat die 
eingehendsten Versuche gemacht, um das Monument auf seinem Piedestal 
zu sichern, um es möglich zu machen, dass der colossale Erzguss nur 
auf zwei Stützen, nämlich den Hinterfüssen des Pferdes, ruht und dadurch 
der dritte Stützpunkt entbehrlich wird. Er hat auf eine höchst sinnreiche 
Weise einen schmiedeeisernen Rost construirt, der ganz unten zu liegen 
kommt und mit seinen Theilen in den Körper des Rosses durch die Hinter- 
füsse hineingeht. Der Vordertheil ist im Gusse leichter gehalten als der 
hintere Theil; durch alle diese Vorkehrungen wurde es möglich, das Mo- 
nument vollständig zu sichern. Ich war wiederholt Zeuge, wie Fernkorn 
bei seinen Versuchen mit der sehr kleinen Statuette des Erzherzog Carl 
in Bronze, sich auf den Rücken des Pferdes stellte, um zu beweisen, 
was für eine bedeutende Widerstandskraft das Erz besitzt. Trotzdem 
ist das Monument mehr ein Kunstwerk des Erzgiessers als das Werk 
eines Bildhauers, der das Stylgesetz beherrscht; wie wohlthuend wirkt 
das Monument des Kaiser Josef von Zauner und wie unruhig ist das 
Monument des Erzherzog Carl in seinen Linien. Es ist nur für Eine 
Ansicht berechnet. Zauner hielt sich bei seinem Entwurf an die grossen 
Vorbilder der antiken Reiterstatuen, insbesondere an das Monument des 
Marc-Aurel am Capitol; Fernkorn hingegen, moderner denkend, als 
es gut war, wollte vor Allem als Erzgiesser glänzen und die hervore 
ragende Technik, welche sich bei Falconefs Denkmal Peter des Grossen 
zeigte, an Kühnheit übertreffen - und das ist ihm allerdings auch ge- 
lungen. ln ruhigeren und massvolleren Linien bewegt sich das etwas 
schwerfällige Prinz Engen-Monument. Eine besondere Sorgfalt verwendete 
Fernkorn auf das Studium des Pferdes, so dass an den beiden sich gegen- 
überstehenden Monumenten des Prinz Eugen und Erzherzog Carl die
	        

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