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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe XIV (1879 / 162)

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Weniger die innere Unwahrscheinlichkeit jener Etymologie, als die 
vollständige Ungewissheit darüber, bat die Perser zu einer noch gewag- 
teren Conjectur verleitet. Weil der orientalische siklätün zumeist tief 
azurblau war, so haben sie olfenbar von dieser Färbung die Herkunft 
des Namens abgeleitet, indem sie sagen, siklät bedeute blau, gün die 
Farbe, und aus dern ursprünglichen siklatgün, d. h. blaue Farbe, sei mit 
Elidirung des g unser siklätün entstanden. 
Aber nicht genug damit, stellen die arabischen Lexikographen unser 
siklät, oder sikillät wie sie schreiben, mit sidschillät und sidschillätus als 
synonym hin, und identificiren mit den Persern die beiden erstern liber- 
dies noch mit Sakirlät, Aschkarlät (r- Scharlach)"; 
Um nun aus der Confusion, welche durch diese Vermengung in den 
Schriften europäischer Gelehrten Platz gegrilien 7), herauszukommen, dlinkt 
rnir nothwendig kurz Folgendes zu bemerken: Die Verwechslung von 
siklät mit sidschillät geht aus Allem, was darüber berichtet wird, klar 
hervor. Das zuerst Genannte, siklät vocalisirt a), scheint deshalb in sikillät 
verwandelt worden zu sein, um es in vSilbenmass und Sinne (zine 
um mfnu), wie der technische Ausdruck lautet 9), dem sidschillät gleich- 
zustellen. Beide sind aber aus dem Lateinischen genommen. 
a) Ersteres, siklät, kann nichts anderes sein als die Arabisirung von 
grclas (sc. vestis), welches ursprünglich auf die unten rund zuge- 
schnittene Form von Frauenkleidern gierig; wurde jedoch gleich dem 
mittellateinischen qyrlatus l") auch auf den Stoff, aus dem man die 
cyclades verfertigte, übertragen"). Die arabisch-persische F orrn sikldtün 
(saklätün) hingegen scheint mir, wie auch einige persische Lexiko- 
graphen annehmen, nach Art der Bildung persischer l-laupt- und Bei- 
wörter, die eine Aehnlichkeit oder Beziehung bezeichnen, aus siklät 
(saklät) mit Hinzufügung! des Sul-Iixes -z'm gebildet zu sein m). Somit 
wäre auch die Entstehung der abendländischen Formen auf -un, -on, 
wie ciclatun, ciclaton u. s. w., auf orientalischen Einfluss zurück- 
zuführen. Thatsache ist, dass das orientalische xisiklätünu in den 
") Schon Abü 'Amr (1- 77!) im Tädsch el-ärüs, tom. V, p. 14.8 begeht eine solche 
Verwechslung, wenn er über sidschilllit sagt: i-sein Ursprung ist aus Rum, man sprach 
es sikldt aus, und es war tiefazurblau und pistazienfiirbig-r. Vgl. ferner, l. c. V, p. 156:; 
Vullers, Lex. s. vv. sakirlät und saklätun. 
') So schreibt Francisque-Michel (Recherches sur le commerce, la fabrication 
et l'usage des ätoffes de soie etc. pendant le Moyen-äge, 1851, l, p. 234): nSicldtoun 
s'ecrit egalement sicla"! et sidjlät. On trouve aussi les formes sekerlat et eskerlat...- etc. 
') Dozy, Supplement aux Dlctionnaires Arabes, 1877, l, p. 15. 
V) Tadsch el-'arüs, V, p. x56. 
"') Du Cange, s. vv. cyclas, cyclatus. 
") Selbst die persischen Lexikographen nennen noch die sakalät i-Kleideru (dschä- 
mehä) aus Lianen, welche in der angeblichen Stadt -Siklätüm sollten gewebt wprdeqsejq. 
") Wie z. B. uskurün aus seoria (dxmqiu), antaliün oder antalisün aus äyqjgtp; etc.
	        

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