MAK

Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe XIV (1879 / 162)

Z7Z__ 
Quellen früher auftritt, als seine abendländischen Schwesterformen 
des romanischen Sprachgebietes. 
b) Letzteres, sidschillät, ist eben auch wieder die arabisirte Form aus 
sidschillätufß), gieng aber ursprünglich auf den Dessin und ist un- 
zweifelhaft das lateinische sigillatus" (sc. pannus)"). Betrachten wir 
also die Synonymik des arab. sidchillät mit lat. sigillatus als fest- 
stehend, so wird dies aus dem Tädsch el-'arüs nur noch bestätigt, da 
dort gesagt wird, die sidschillät seien buntgemusterte Linnenstoiie") 
in der Art, als wären die Musterungen Siegelabdriicken gleich. Es 
liegt also hier die frappirende Erklärung des lat. sigillatus vor, das 
auch auf Gewebe gehend, die Bedeutung "sigillis seu üguris 
ornatusu hat. Wir stellen uns darunter etwa getüpfelte, zartgeblümte, 
mit Rosetten oder anderen kleinen, auch geometrischen Figuren 
dessinirte Gewebe vor m). Ferner findet diese Synonymik unseres 
sidschillät mit sigillatus auch schon durch den berühmten arabischen 
Gelehrten el-Asma'i (1- 830 n. Chr.) ihre Andeutung, indem derselbe 
mit Bezug auf sidschillät, das auch als eine zum Verhlillen von Kameel- 
sänften dienende Decke erklärt wird, erzählt: "ich frug ein altes, bei 
uns befindliches griechisches Weib wegen einer (zum Verhüllen der 
Kameelsänfte gebrauchten) Decke und sagte: wie nennt ihr diese? 
worauf sie antwortete: sidschillätusulß. Ihn el-'Arabi (1- 846) macht 
endlich noch die willkommene Erklärung: der Stoff Chagr w) wurde 
Chaqq sidschilätijj genannt, "weil er tief azurblau war:- und, so sagt 
ein Anderer, weil dies auf die Farbe des Jasmin gehe 19). 
Aus der vorstehenden Erörterung a) und b) ist ersichtlich, dass 
siklät und sidschillät etymologisch durchaus nichts mit einander gemein 
haben. Höchstens könnte man in der Hervorhebung der Gleichheit eines 
ursprünglichen Farbtones beider Gewebearten eine uralte semitische Remi- 
") Dschawäliki, el-Mifsrrab, p. 82 f. 
") Wie arnb. sidschill : lut. sigillum. Auch hier ist die Endung der Arabisirung 
zum Opfer gefallen. Ueber die Bedeutung dass. s. Ghazali, ad-Dourra al-Fäkhira, ed. 
L. Gnutier, 1878, p. 102, Text 84. 
ß) Aber auch Seidengewebe. - 
") -. . . . vestem albam, sigillatam cum rosulis, habentem in medio crucem de 
blatthinuun, Anastesius Bihliothecarius, De Vit. Roman. Pontif. nß C, Paschalis, 
a. C. 8x7 (Rer. Italic. SeripL, tom. III, p. 216) und an vielen anderen Stellen. Ich be- 
merke, dass die alten muhammedanischen Quellen auch ein echt arabisches Aequivalent 
für das lat. sigillatus bieten: muchnittam (gesiegelt) für buntscheckige, klein dessinirte 
bgetäfelm) Steife. 
") Tädsch el-Hrüs, IV, p. 4166; V, p. x48. 
") Ein Seidengewebe, dessen Kette ausßeide besteht, mit wollenem Einschlag. 
") Tldsch el-Wzrüs, V, 148. Uebrigens ist zu erwähnen, dass nach der Ver- 
sicherung cles Abi! 'Amr, l. c., sidschildtijj, welches als nom. relat. von sidschilla"! in 
gleicher Weise wie dieses gebraucht wird, überhaupt auf jedes azurhlaue Kleid sich be- 
ziehen kbnne. 1
	        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzerin, sehr geehrter Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.