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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe XIV (1879 / 162)

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niscenz entdecken, welche auch den Grund zu all' den genannten etymo- 
logischen Verwechslungen abgegeben haben mochte Es ist selbstver- 
ständlich hier nicht meine Aufgabe in dieser Hinsicht eine erschöpfende 
Darstellung zu geben. Für uns steht jetzt einzig und allein nur die Frage: 
sind siklät und siklätün identisch, und was für eine Stoffgattung ist dar- 
unter zu verstehen? 
Die erste Frage ist bejahend zu beantworten; denn, um nur ein 
Beispiel vergleichsweise anzuführen, der sikldlün bugdädijj, d. i. Bagdäder 
Siklätün, war im Orient ebenso wohlbekannt und geschätzt"), wie im 
Occident won Babilöne ein sigilätu 9'). Und dieser Bagdäder Siklätun hat, 
trotz der Concurrenz, welche die Stoffmanufacturen in Spanien, insbeson- 
dere in Almeria, den persisch-arabischen Webereien durch Imitirung ihrer 
Gewebe und auch des Siklätün machten"), dennoch den besten Ruf sich 
bewahrt. Seine Manufacturen treten aber im Orient bereits um die Mitte 
des IX. Jahrhunderts auf, z. B. in Tebriz (Tibriz), von wo aus derselbe 
in so früher Zeit schon nach dem Osten und Westen verführt wurde M). 
Er fand seinen Weg über Bagdad, Alexandrien und Kairo, wo eigene 
ärarische Fabriken dafür bestanden, nach Spanien. Da begegnen wir ihm 
unter den Arabern bereits um die Mitte des X. Jahrhunderts zugleich mit 
den hochgeschätzten griechischen Brokaten 95). Ob nun damals schon auch 
in diesem Lande Webereien für Siklätün bestanden haben, muss ich un- 
entschieden lassen; aber bereits zu Edrisfs (geb. 109g) Zeiten zählte man 
in Almeria allein achthundert Webstühle, auf welchen sowohl Siklätün, 
als auch andere asiatische Gewebe von lsfahän, Dschordschän u. s. w. er- 
zeugt, d. h. imitirt, wurden; später belief sich die Zahl dieser Webstühle 
auf Tausende 96). _ 
Manche unserer abendländischen Gelehrten nehmen nun an, unter 
Siklät oder Siklätün und allen seinen mannigfachen europäischen Namens- 
formen sei ein kostbares golddurchwirktes Seidengewebe zu ver- 
") Vgl. 35311 Exod. XXV, 4 mit den Asmdndschünw-Geweben, nßnw Exod. 
XXX, 34,- und das persische rachaldt (Jasmin). 
") Tärich-i Baihalti, Ausgabe von Calcutta, 1861, p. 177; Jahr 4:: d. H. 
z m31 n. Chr. 
") Apollonius von Tyrland, V, 225; Gedicht von Heinrich von Neustadt, der 
um x3oo Arzt zu Wien war (s. Lexefs Mhd. Worterb. s. v. sigelät). -- Babilön ist 
sowohl die mittelalterliche Bezeichnung für Bagdad als Kairo. Hier liefe im Grunde die 
eine wie die andere Erklärung auf dasselbe hinaus, wie weiter oben ersichtlich wird. 
") Edrisi, Description de YAfrique et de PEspagne, ed. par Dozy et de Goeje, 
p. 197; lbn Adhari ed. Dozy, lI, p. a4; Dozy: Supplemeut aux Dictionnaires Arabes, 
l, p. 663. 
") Jäküt, Mddschem el-buldan, l, p. 8:2. Für das Xlll. Jahrhundert auch bei 
Kazwini, 'Adschaib el-machlukat, II, p. 227. 
") lbn Adhari, ed. Dozy, ll, p. 319. 
") Edriai, l. c, p. m7; Makkari, l. e. l, p. m2.
	        

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