MAK

Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe XV (1880 / 176)

 
Text von Vosmaer voll zutreffender und interessanter Bemerkungen über 
das gemalte oder gezeichnete Original, den dargestellten Gegenstand oder 
die Persönlichkeit, über den Maler selbst und über die geätzte Ueber- 
setzung durch Unger. Der Druck, auf starkem Holländerpapier, macht 
dem Hause Sijthoff alle Ehre, und die Abzüge der Platten selbst, unter 
Ungefs eigener Leitung besorgt, sind von der höchsten Schönheit. Wir 
verstehen und würdigen die Sorgfalt, welche man dieser Arbeit des Druckes 
von geätzten Platten widmen muss, einer Arbeit, die viel schwieriger und 
viel misslicher ist, als man es im Allgemeinen glaubt. Dazu gehört eine 
gute Ueberlieferung, die bei uns, erdrückt von einer außerordentlichen, 
uuaufhörlichen und leider oft werthlosen Production, zu schwinden droht. 
Die Menge kleiner Marktarbeiten schädigt ernste Leistungen. Diese mit 
voller Dampfkraft betriebene Concurrenz, dieses Productionslieber, welches 
sich selbst des Pariser Buchhandels bemächtigt hat, ist sorgfältigen Ar- 
b'eiten äußerst gefährlich. Wir wollen nicht sagen, dass man nicht mehr 
fähig sei, dass es nicht noch Viele gebe, die im Stande sind, sehr gut zu 
arbeiten; aber man fängt an, es nur mehr selten zu wollen; das Publicum, 
die Künstler, Verleger und Drucker stimmen allmälig ihre Anforderungen 
gar zu sehr herab. Dies ist das unheilvolle Ergebniss einer zu üppigen 
Production. Man bekümmert sich nicht mehr genug -- und wir kennen 
aus eigener Erfahrung die Kämpfe, die man betreffs dieses Punktes zu be- 
stehen hat - um die Verschiedenheit und die Anpassung des Papiers an 
die Beschaffenheit der Platte, um die Verschiedenheit der Töne in der 
Druckerschwärze, um deren Flüssigkeit, und um die Farbe, welche eine 
gut gewählte Mischung einem Abdrucke verleihen kann. Wir sind in 
Frankreich sehr raflinirt gewesen, wir fangen an, es nicht mehr genug zu 
sein. Wir waren die einzigen und wir sind noch immer die geschicktesten 
in der Handhabung des Gritfels und des Aetzwassers, Dank der alten 
Ueberlegenheit unserer Graveurschule; aber es ist durchaus nicht über- 
flüssig, die Allarmglocke zu schlagen, da sich die Gelegenheit hiezu bietet. 
Wir müssen die Engländer im Auge behalten, die unsere guten Arbeits- 
kräfte an sich ziehen, die Belgier, welche unsere Verfahren mit Sorgfalt 
studiren, die Deutschen und die Oesterreicher, welche sich unablässig 
bemühen, an Boden zu gewinnen. 
Besonders in Oesterreich wurden ausgezeichnete, wir wollen sogar 
sagen, bewundernswerthe Erfolge auf dem Gebiete der Gravure errungen, 
die sich einer glücklichen Mittelstellung erfreut, einerseits begünstigt durch 
die Begabung W. Unger's, anderseits durch die oflicielle Förderung, die 
sich in gewissem Bezug in dem verehrten und verständnissvollen Oberst- 
Kärnmerer des Kaisers, dem Grafen Crenneville, verkörpert; gezogen mehr 
als gehemmt durch die herrliche Ausdehnung des militär-geographischen 
Institutes, dessen heliographische Arbeiten unstreitig alles übertreffen, was 
anderwärts gemacht wird, sogar bei uns, die wir uns doch sehr tüchtiger 
Leute rühmen dürfen. Die von Sijthoff herausgegebene Sammlung von
	        

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