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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe XV (1880 / 176)

Kunstgewerbeschule. Wenn für die österreichische Druck- und Webe- 
waarenindustrie ein Nutzen von dem Oesterreichischen Museum und der 
damit in Verbindung stehenden Kunstgewerbeschule erzielt werden solle, 
sei es nothwendig, dass in dieser Schule tüchtige Manufacturzeichner für 
Druck und Weberei ausgebildet werden, da man sonst genöthigt wäre, 
diese aus dem Auslande zu importiren, was thatsächlich in der letzten 
Zeit schon der Fall sei. Redner stellt demnach folgende Resolution: wDie 
k. k. Regierung wird aufgefordert, eingehende Erhebungen zu pflegen, 
um zu veranlassen, dass in dem k. k. Oesterreichischen Museum für Kunst 
und Industrie und der damit in Verbindung stehenden Kunstgewerbeschule 
tüchtige Manufacturzeichner für Textilindustrie nicht nur in künstlerischer 
Beziehung, sondern unter besonderer Berücksichtigung der für dieses 
specielle Fach nothwendigen speciellen Kenntnisse mit thun- 
lichster Beschleunigung ausgebildet werdennl Die Resolution wird unter- 
stützt und dem Budget-Ausschusse zugewiesen. 
Zu  2, vChemisch-technische Versuchsanstaltm, ergreift das Wort 
Abgeordneter Lenz und bemerkt, dieselbe sei augenfällig zu dem Zwecke 
gegründet worden, damit an derselben Versuche angestellt werden, die 
man der Industrie zugänglich mache, und damit weiters jüngere technische 
Kräfte ausgebildet werden. In der That aber werden die Resultate, die 
rnan;an dieser Versuchsanstalt mache, als tiefes Geheimniss behandelt und 
müssen beim Ministerium wohl versiegelt aufbewahrt bleiben. Sie seien 
ausschließlich Eigenthum des Leiters dieser Anstalt. Der Staat bezahle 
den Leiter dieser Anstalt, gebe das betreffende Local her, bestreite alle 
Hilfsmittel, die zu den Experimenten nothwendig seien, aus Staatsgeldern, 
und dennoch könne man nicht erreichen, dass die Resultate jener Experi- 
mente der lndustrie zugänglich gemacht werden. Redner wolle sich darauf 
beschränken, auf diesen Uebelstand aufmerksam gemacht zu haben, und 
hoEe, dass der gegenwärtige Minister für Cultus und Unterricht in dieser 
Beziehung Abhilfe} schalfen werde. Hierauf wird Titel 4 nach dem; An- 
trage des Ausschusses genehmigt. 
(Besuch des Museums.) Die Sammlungen des Museums wurden im Monate 
April von 10.655, die Bibliothek von 1438 Personen besucht. 
(Neu ausgestellt.) Tasse von Silber, getriebene Arbeit, um circa 1700; Armschiene 
mit geatztem Ornament und Vergoldung, 1 . 1ahrh.; - eine Uhr in einem Bisquit- 
gebause, aus dem Ende des 18. Jahrh. und eine Uhr im Empirestyl, eine Emnilschalc, 
Limoges, 17. Jahrh., ferner ein Relief in Holz, darstellend General Kleber, Eigenthum des 
Herrn Prof. Herrmann; - Teller in der Art des Altwiener Porzellans, Geschenk der 
Herren Radler 6: Pilz an das Museum; - bosnische Arbeiten in Holz mit Silber cin- 
gelegt, Eigenthum des Museums; -Aquarell auf Seide, von B. Zilala in Prag; - Haus- 
glockenstuhl und Kamingeräth in gesehmiedctem Eisen von Herrn H. Bohrn in Wien; - 
Cassette mit reicher Ornamentilt in geschmiedeten Eisen vom Kunstschlosser V. Gillar 
in Wien; - Diamanten-Imitationen in Gold- und Silberfassung von Scharff in Wien; - 
große Decke von Seide mit zahlreichen Figuren in applicirter Stickerei, polnische Arbeit 
um das Jahr 1730. -lm Saal X kommen bis aufWeiteres moderne Möbel zur Ausstellung. 
(Ausstellung von Buoheinbünden im Oesterr. Museum.) Entsprechend dem 
Programm fand die Eröffnung Sonntag den 18. April statt. Die Ausstellung, uns praktischen 
Gesichtspunkten veranstaltet, zerfallt in zwei Abtheilungen, in altere Einbände, vorzugse 
weise die Zeit vom 16. bis zum 18. Jahrhundert umfassend, und in moderne Einbände. 
Zu der ersteren Abtheilung. in welcher so ziemlich alle Arten vertreten sind, haben außer 
dem Museum beigetragen: die fürstlich Liechtensteinsche Bibliothek, die Ambraser Samm- 
lung, Fürst Richard Metternich, Graf Edmund v. Zichy u. a. Die zweite Abtheilung um- 
fasst sowohl heimische Arbeiten wie ausländische. Oesterreich ist vertreten durch eine 
Auswahl der vorzüglichsten Adressenjzur silbernen Hochzeit des Allethöchsten Kaiserpaares, 
durch Collectionen von Einbanden von Scheibe, Beringer, Spott, Rollinger u. a. Die 
Buchhandlungen von Gerold St Comp., sowie von Lechner haben ie eine große Collection 
moderner französischer und englischer, sowie auch deutscher Einbände ausgestellt. Leipzig
	        

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