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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe XV (1880 / 176)

die damalige Zeit unerhörten Geldsummen (249 Millionen Dirhem, also 
ungefähr 87 Mill. Gulden Silber) blos für die Luxusbauten und Anlagen 
geopfert wurden, so wird man begreifen, wie sich einem Zauber gleich 
urplötzlich die menschenleere Wüste mit Prachtgebäuden und reizenden 
Gärten bedecken 1'"), und der von dem Chalifen der Stadt ertheilte officielle 
Name wirklich nur Sürra man raa (erfreut ist wer [sie] sieht) lauten 
konnte '35). 
So mögen wir denn unter gleichen Vorbedingungen auch für die 
neugegriindete "Stadt des Heilsu, deren politisch-ökonomischen Einrich- 
tungen mit Inbegriff der Uebersiedlung der chalifischen Hofhaltung bereits 
im Jahre 146 d. H. : 763 n. Chr. vollzogen waren '35), einen unmittel- 
baren kunstgewerblichen Aufschwung durch zwangsweise Colonisation 
von Arbeitern, Fabrikanten und Künstlern voraussetzen. Auch dürfte 
kaum die Annahme irrig sein, dass die Ableger der damals die Höhe 
ihres Ruhmes behauptenden persischen Seidenindustrie zu Bagdad wirklich 
so frühzeitig in frischem Aufblühen begriffen waren: doch mit voller 
Sicherheit können wir aus den noch erhaltenen biographischen Daten 
über die Origines einzelner Männer, auf eine Bagdä der Colonie 
tusterischer Seidenweber nur bis inis XI., höchstens Mitte 
des X. Jahrhunderts zurückschließen '37). 
In dem westlichen kaufmännischen Viertel dieser Chalifenresidenz, 
dem Mittelpunkte des Handels der Weltstadt, zwischen dem Bassora- 
Thor und Tigris, hatten nach l_bn Nuktha's (T in Bagdad, 19. Dec. 123i) 
Berichte die Seidenweber aus Tuster ihr Quartier aufgeschlagen. Hier 
verfertigten sie, indem sich unter ihren Händen die heimische Gewebe- 
Production unbeeinflusst fortpllanzte, gleichfalls wtusterische Stoffew 
Nach ihnen erhielt das ganze ihrem Bereich angehörige Stadtquartier die 
m) A. v. Kremer, Culturgeseh. ll, p. 59. 
m) Wenn G. Weil, Gesch. d. Chalifen, ll, p. 302 f. von dieser Residenz spricht, 
"welche den Namen Surra man raa erhalten haben sollt und meint, derselbe wäre 
(nach dem Castellum Sumere) erst später von irgend einem Etyrnologen so gedeutet worden, 
oder die Bevölkerung von Bagdad hatte sie vielleicht scherzweise Surra man ran genannt, 
weil sie in Folge]Uebersiedlung des Hofes der lästigen Leibgarde losgeworden sei; so be- 
merke ich, dass wir Gold- und Silbermünzen kennen, welche bis 330 d. H. : 94'], n. Chr. 
in einer fast ununterbrochenen Reihe von 72 Jahren mit dem Namen Sürra man räa 
geprägt worden sind, deren älteste bereits aus dem Jahre 224 d. H. : 839 n. Chr. 
datirt! Sie tragt den Namen des Chalifen el-Mu'tasim billäh und die Umschrift: nlm 
Namen Gottes! wurde dieser Dirhem geprägt in Sürra man räa im Jahre zweihundert 
vier und zwanzig.- Dass dieser Stadtname mit Benutzung der Lautahnlichkeit der alten 
Namensform.in's Arabische umgemodelt wurde, unterliegt keinem Zweifel: nur geschah 
dies im Sinne einer guten Vorbedeutung schon zu Lebzeiten und auf Geheiß des Wieder- 
erbauers. 
"H Auch der Bagdäder M ünzhof äußerte damals schon seine Thätigkeit: ich be- 
sitze ein Silberstück aus demselben mit der Jahreszahl 146 d. H. : 763 n. Chr _ 
m) Einen Beleg dafür s. in Mu'dsehem elvbuldän, I, p. 850.
	        

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