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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe XV (1880 / 174)

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gestreut, welchen wir in weiterer Ausführung später in seinem Stil wieder- 
begegnen, wie seine Ideen in dem Kensington-Museum nach der künst- 
lerischen und kunsttechnischen, in dem Krystallpalast nach der cultur- 
historischen Seite hin verkörpert worden sind. 
Wenn wir jetzt auf Sempers schöpferisches Wirken in jenen Jahren 
zurückblicken, fragen wir wohl erstaunt, wie es möglich gewesen sei, dass 
diesem Manne von keiner Seite die praktische Durchführung seiner Pläne 
übertragen wurde. Aber auch wenn dies die Verhältnisse gestattet hätten, 
würde er_wohl kaum als Director eines kunstgewerblichen Museums Be- 
friedigung gefunden haben. Seine Lebensaufgabe blieb doch das Baueu, 
und zur Architektur kehrte er zurück, nachdem er Anderen gezeigt hatte, 
was zu geschehen habe, um das Kunstgefühl wieder lebendig zu machen. 
Als Architekt aber blieb er in natürlicher Verbindung mit Handwerk 
und Industrie. Wie er schon bei dem Theaterbau in Dresden Plastik und 
Malerei in einem Umfange zur Mitwirkung herangezogen hatte, welcher 
damals etwas ganz Ungewöhnliches war, so sorgte er selbstverständlich 
auch, so weit ihm das verstattet wurde, für die wahrhaft künstlerische 
innere Ausstattung seiner Monumentalbauten. Während seines Aufenthaltes 
in England hat er auch mancherlei Entwürfe für die Industrie gemacht. 
Leider scheint sich von solchen Arbeiten so viel wie nichts erhalten zu 
haben, wahrscheinlich hat er die Zeichnungen den Bestellern abgeliefert, 
ohne Copien zurückzubehalten; es könnte sogar nicht überraschen, wenn 
die britischen Besteller dies zur Bedingung gemacht hätten. Ebenso geben 
die Archive des Hofbauamtes in Dresden keine Auskunft über das, was 
Semper an Einrichtungsstücken für das Theater entworfen hat; nur den 
Spiegel im Foyer kannten wir aus der früher erwähnten Publication. 
Indessen ist bei der Sichtung des höchst umfangreichen künstlerischen 
Nachlasses durch die Hinterbliebenen (namentlich Herrn Manfred Semper, 
den Erbauer des neuen Theaters in Dresden nach den Plänen seines Vaters) 
mancherlei von kunstgewerblichen Entwürfen aus der Dresdener, der Lon- 
doner und der Züricher Zeit zum Vorschein gekommen und anderes steht 
wohl noch zu erwarten. Vieles mag in fremden Händen sein, da Semper 
seine Mappen liberal öffnete, und es ist nur zu wünschen, dass etwaige 
Besitzer sich im Interesse der geplanten Veröffentlichung seiner Arbeiten 
melden möchten. So dürfen wir auch die Hoffnung auf Wiederentdeckung 
der noch in Zürich gearbeiteten Entwürfe für den Hofmuseenbau, welche 
augenblicklich nicht aufzufinden sind, nicht aufgeben. Publicirt sind ein 
für die Königin Victoria gezeichnetes Schränkchen in Ebenholz mit Ein- 
lagen von Porcellan und oxydirtem Silber (Gewerbehalle 1863), und der 
gegenwärtig in der Paulskirche zu London aufbewahrte Prachtleichen- 
wagen für den Herzog von Wellington (lll. Lond. News 1852). 
Zwei Ereignisse, welche bestimmend in Sempers Leben eingegriffen 
haben, sind auch für die Beziehungen, welche hier erörtert wurden, von der 
höchsten Bedeutung geworden; nur erscheinen sie uns auf unserem ganz
	        

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