MAK

Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe III (1888 / 8)

ß 
würdigen Erzeugnisse durchmustert hat, bieten die vortrefflichen, mit 
richtigem Sinne gewählten Photographien von Brogi eine willkommene 
Erinnerung. 
Olfenbar hatte das Atelier der della Robbia die Hände voll Arbeit, 
um den zahlreichen Bestellungen zu genügen. Diese Künstlerfamilie und 
ihre Gesellen arbeiteten allem Vermuthen nach wohlfeil, sie kargten 
dabei nicht mit dem Besten, und was sie darboten, war dem Preise wie 
der schlichten, reinen Richtung der Empfindung nach eine echte Kunst 
für's Volk. Noch jetzt begegnet man auf Schritt und Tritt einem GruBe 
aus dieser einzigen Werkstatt auf den Straßen von Florenz und in den 
toskanischen Gauen ringsum, in Fiesole, Prato, Pistoja, Empoli, San 
Miniato al Tedesco, Volterra, S. Maria a Ripa, Lamporrechio und 
anderen ganz kleinen Orten Toscana's, wie Fresciano, Gallicano, 
Badia Tebalda, Pescia, Lari u. a. Au Straßenecken, im Klosterhof, 
über halbversteckten Thüren von Capellen, kleinen Kirchlein und 
Oratorien trift man oft auserlesene Werke der Schule an; aus allen 
Winkeln leuchtet uns der Schimmer und Schmelz dieser bescheidenen 
Thonkuust überraschend entgegen, wie ein Lichtstrahl aus einer höheren 
Welt, der in's gewöhnliche Alltagsleben verklärend hineinfällt. Wenn man 
vom alten Rom sagte, sie sei die Stadt der Statuen gewesen, so kann man 
Florenz im Quattrocento ebenso eine Stadt der Maiolikasculpturen nennen. 
Giovanni, der Repräsentant der dritten Generation der Robbia- 
Kunst, fügte zu dem großen Repertoir der väterlichen Erbschaft noch 
einen Typus hinzu: Das Lavatojo oder den Sacristeibrunnen. Der 
später sich regende, ornamentale Bautrieb der Terracottakunst, der schon 
in den Rahmencompositionen der Altäre sich kundgab, fand da sein volles 
Genügen. Das berühmte Hauptwerk dieser Art ist das Lavatojo in 
S. Maria Novella zu Florenz (von 1497); ein anderer Sacristei- 
brunnen, dem oben genannten verwandt, aber weit geringer, beiindet sich 
in S. Niccolo da Tolentino zu Prato. Hier ist die Majolika-Architek- 
tonik mit allem plastischen und decorativen Zugehör völlig auf ein Marmor- 
problem eingegangen, um dasselbe in ihrem eigenen Sinn gefällig zu 
lösen. Gut gesellen sich übrigens der Glanz, die reinlich schimmernde 
Glätte der glasirten Terracotta und auch ihre Farbenhaltung zu dem 
Wasserstrahl. Die Compositionsform der Lavatoio ist eigentlich dieselbe, 
wie jene des florentinischen Wandgrabmales. Zwei ornamentirte Pilaster 
rahmen die Flachnische ein. In derselben nimmt ein fein stilisirtes Muschel- 
becken auf einem caunelirten Ständer die Stelle des Sarkophags ein. 
Geflügelte Engelsköpfe pusteu aus ihren Mäulchen das bischen Wasser 
aus, das man hier zum Händewaschen braucht. Ueber dem Architrav 
und dem Festonfries mit ilatterndem Bandwerk eine lieblicbschöne 
Madonna zwischen anbetenden Engeln in der Lunette. ln der Bogen- 
umrahmung der letzteren ein üppiger Halbkranz mit Blattwerk und 
Früchten. Und damit es weiter an fröhlichen Guirlanden nicht fehle, 
"l
	        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzerin, sehr geehrter Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.