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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe III (1888 / 8)

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Auch hier hält sich Andrea della Robbia in dem bedeutenden 
Altar: "die Krönung Mariau (in der Klosterkirche der 
Osservanza bei Siena) bezüglich der äußeren Ausstattung noch 
an das Majolika-Herkommen; er verziert die Seitenpilaster mit 
buntem Blattwerk, stellt Blumenvasen in die Abtheilungen des 
Gradino und zeichnet ein farbiges Blätterschema in den Fries. Das 
Altarbild selbst ist sehr würdig und edel, aber mit viel Opulenz 
im Detail, mit spielender Ornamentik in der Gewandung ange- 
ordnet. Die schwebenden Engel zunächst der heiligen Scene spielen 
Clarinette, und einer bläst Trompete; unten stehen vier Heilige, 
wohl charakterisirt, neben ihnen eine ltniende Frau. Schmale 
Wolkenstreifen sind hier und auch anderswo mit Vorliebe ange- 
bracht; sie trennen horizontal sehr erwünscht den blauen Grund. 
Der dreitheilige Gradino enthält in der Mitte eine schön componirte 
Himmelfahrt Mariä, links die Verkündigung, rechts die Krippe. 
Gar bald wird nun die Kleinarchitektnr des Altarwerkes vollständig 
in glasirte Terracotta übertragen. Die Pilaster des Rahmens erhalten reich 
verzierte Basen und Capitäle im Marmorstil, die Architrave unter dem 
Engelfries werden mit detaillirten Gliederungen von Perlenstäben und 
Blätter-Kymatien ausgestattet. Die Schaftornamente der Pilaster sind in 
ihren feineren Motiven völlig rnarmorartig, wenn nicht ein- und das 
andermal Heiligengestalten- wie es sonst bei gemalten Altarwerken vorkam 
-in die Pilasterschäfte eintreten. Der den Kleinbau des Altars bekrönende 
Lunettenbogen bekommt, ebenso wie das Gesims über dem Fries, eine 
durchgeführte architektonische Profilirung. Ein segnender Christus mit 
anbetenden Engeln als Kniestückliguren oder schwebende Engel, die eine 
Krone halten etc., füllen das Bogenfeld. Das Altarbild selbst trägt ge- 
wöhnlich bei großer Zartheit der Einzelnbildungen eine gedrängte Fülle 
der Anordnung zur Schau. Die Mandorla-Glorie bleibt wegen ihrer ge- 
schlossenen Form bei den häufigen Darstellungen der Himmelfahrt Mariä 
oder des Wunders der Gürtelspende in fortgesetztem Gebrauche; sie 
bietet für die Hauptfigur einen auszeichnenden Bildrahmen im Bilde 
selbst dar. Musicirende Engel, symmetrisch gruppirt, umschweben die 
Glorie; zumeist sind es Clarinetten- und Hoboenbläser. Die adorirenden 
Heiligen sind reichlich mit Attributen versehen; in schmückendem Bei- 
werk, in Blumenzierden u. dgl. m. kann man sich nicht leicht genug 
thun; auch die verschwenderisch verwendeten Engelsköpfchen, auf das 
zierlichste vierfach bis sechsfach geflügelt, gehören mit zum ornamentalen 
Apparate. - Dies ist durchschnittlich der Altartypus, wie er sich in dem 
späteren Kunstgebrauche des Meisters Andrea durchgebildet zu haben 
scheint, um sich dann weiter hinaus in der Werkstatt zu vererben. 
Giovanni della Robbia, Fra Ambrogio und die Kunstgenossen der dritten 
Generation werden mit Vorliebe diese architektonische Species des Altar- 
werkes gepflegt haben, um aber dann wieder - bestimmten Anregungen
	        

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