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Full text: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe III (1888 / 10)

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insoweit berücksichtigt werden, als dies zum Verständnis des Ganzen unbe- 
dingt nothwendig erscheint. 
ä. 73. Alle Erörterungen der technisch wichtigen Stoffe werden dem- 
nach unmittelbar dem Ziele zuzustreben haben, eine anschließende Erläu- 
terung technischer Verfahren, eine Charakteristik kunstgewerblicher Producte 
zu ermöglichen. 
So wird bei den Metall-Legierungen das Löthen; im Zusarnmenhange mit 
dem Wasserglase die Stereochromie; beim Kalke die Mörtel, Cemente, die 
Frescomalerei und Sgrafittotechnik ihre Erläuterung zu tinden haben. Beim 
Gyps die Gypsgießerei und die Gypsmassen; beim Thone die Thonwaren, 
ihre Charakteristik und die Grundprincipien der Herstellung; anschließend 
das Glas und die Ernaillage; beim Chrom die Chrorngelatine und der Licht- 
druck; beim Eisen, Kupfer und dessen Legierungen die Decorationstechniken 
und Obertlächenverzierung; beim Kupfer die Principien des Galvanismus, 
der Galvanoplastik und Galvanostegie; bei den Edelmetallen die Methoden 
der Versilberung und Vergoldung, die Principien der Photographie. 
Von den Metallverbindungen werden besonders zu betonen sein die als 
Farbstoff geltenden; von den organischen Stoffen Cellulose, Holz, die pflanz- 
lichen und thierischen Gespinstfasern, Fette, Öle, Harze, Firnisse, organische 
Farbstoffe; die Principien der Färberei, die Verwendung der Farbkörper in 
der Malerei, die Bindemittel und im Anhange daran die Principien der 
Farbenlehre. 
IV. Unterricht in der Anatomie. 
g. 74. Der Unterricht in der Anatomie an der Kunstgewerbeschule 
beginnt mit der Osteologie und der Erklärung des Aufbaues des Skelets aus 
den einzelnen Knochen und der Formen derselben. Dann wird zu den Be- 
wegungen der Knochen gegen einander und zu den Gelenken übergegangen. 
Hiebei wird auf diejenigen Punkte aufmerksam gemacht, die für das Durch- 
messen des Körpers von Wichtigkeit sind, und daran eine kurze Darstellung 
der Veränderungen der Verhältnisse in den verschiedenen Lebensaltern ge- 
schlossen. 
ä. 75. Den zweiten Theil des Unterrichtes bildet die Myologie. Es 
werden dabei vorzugsweise die großen und oberßächlich liegenden Muskeln 
berücksichtigt, durch deren Action die Oberfläche wesentlich verändert wird. 
Dieser Unterricht wird, soferne keine anderen Lehrmittel zu Gebote 
stehen, am Skelet, am Münchner Ecorche und an einer zerlegbaren anato- 
mischen Figur von Ausoux ertheilt; dann wieder fortgesetzt am lebenden 
Modell, welches von Seite der Schule zu beschaffen ist. Die Schüler werden 
geleitet, sich in allen Bewegungen und Stellungen des Körpers über die 
unter der Haut liegenden Theile zu orientieren und sich mit den Verände-
	        
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