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Full text: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe XII (1877 / 136)

dass sich der Künstler an gute Vorbilder und an bewährte Traditionen 
gehalten hat. Das Erfinden im grossen Style ist eben nicht Jedermanns 
Sache; nur wenigen Bildhauern der christlichen Aera ist ein grosses 
Mass der Erfindung zugefallen; hingegen gibt es viele sehr achtbare 
Künstler, welche es verstanden haben, die Regeln der Kunst mit Ver- 
ständniss aufzufassen und mit Tüchtigkeit durchzuführen. Das ist beidem 
Josefs-Monumente geschehen und das sichert auch demselben für alle Zeit 
eine beachtenswerthe Stellung, abgesehen davon, dass es im Detail sorg- 
fältig durchgeführt, sich auch als Erzguss in seiner schönen Patinirung 
bewährt hat. Das Werk ist in Wien gegossen und in dem akademischen 
Atelier modellirtiworden, welches lange Zeit unter dem Namen des Zau- 
nerischen Ateliers bekannt war, später als Depot und als Gypsgiesserei 
benutzt und schliesslich dem Maler Professor Karl Blaas übergeben wurde. 
In der nächsten Zeit dürfte es für die Zwecke der Lehrerbildungsanstalt 
hei St. Anna verwendet werden. Mehr als es Worte aussprechen können, 
wirft diese Thatsache Licht auf die künstlerischen Zustände der ersten 
Jahrzehnte dieses Jahrhunderts. Der Meister des Josefs-Monumentes hatte 
eben nicht Aufträge genug für künstlerische Beschäftigung, zu wenig für 
eine Erzgiesserei, nicht hinreichend. um in seinem Atelier Schüler heran- 
zubilden_ Er war eben ein Glied jener Beamtenhierarchie geworden, welche 
die Aufgabe eines akademischen Professors für abgeschlossen betrachtete, 
wenn der schulmässige Unterricht regelmässig ertheilt wird; auf die künst- 
lerische Production und die Anregung zu derselben wurde nicht der Schwer- 
punkt gelegt. Zauner hat auch Porträtbüsten entworfen, akademisch kühl, 
richtig in der äusseren Form, aber ohne inneres Leben. 
Gleichzeitig mit Zauner und nach ihm wirkten als Bildhauer an der 
Akademie: Martin Fischer, ein Schwabe von Geburt, trefflicher Anatom, 
Leop. Kiesling, J. Klieber, Schaller, Josef Kaessmann und Bongiovanni, 
alle sechs ausschliesslich in der Richtung der Antike, unberührt vom 
Hauche der Romantik und des Realismus, Richtungen, welche sehr spät 
erst auf das akademische Bildhauerleben in Wien einwirkten. Später machte 
sich im akademischen Künstlerleben Bauer bemerkbar, leise berührt von den 
Strömungen der deutschen Romantik. Nicht wenige von diesen Lehrern 
lebten lange Zeit; M. Fischer erreichte das 80. Lebensjahr, Klieber wurde 
77, Kaessmann 72 Jahre alt. 
Mehrere von diesen Bildhauern erfreuten sich auch einer Förderung 
durch die vornehme Welt, die damals noch einen persönlichen Antheil an 
Künstlern nahm. Klieber speciell wurde durch Erzherzog Karl und den 
Fürsten Liechtenstein, Leopold Kiesling durch den Grafen Kobenzl pro- 
tegirt. Niemand wird den genannten Künstlern Tüchtigkeit und Schulung 
absprechen; besonders Klieber war ein eminenter Techniker, der es ver- 
stand, Figuren frei aus dem Steine, ohne auf das Punktiren angewiesen zu 
sein, herauszuarbeiten. Keiner von ihnen aber hatte eine höhere schöpferische 
Begabung, keiner die Kraft eine Schule zu bilden. Ihre Werke gingen
	        

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