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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe XII (1877 / 136)

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als solches bietet. Für die monumentale Plastik haben sie sich als wenig 
geeignet erwiesen. Ist es an und für sich schon etwas Widersprechendes, 
Terracottafiguren dort anzubringen, wo man ein besseres Material für 
architektonische Glieder verwenden könnte, so haben die Terracottafiguren 
noch das Unangenehme, dass sie, ie höher sie stehen, desto weniger 
deutlich sind; es kommt höchstens die Silhouette, aber fast nirgends die 
bildhauerische Arbeit zur Geltung. Es können daher die Figuralen Terra- 
cotten nur als eine Art von Surrogat betrachtet werden; man wendet sie 
an, weil man eben kein Geld für Figuren in besserem Materiale hat; sie 
sind in der Regel nichts als ein Nothbehelf. Auch muss man die Terra- 
cotta mit Farbe verbinden - von vergoldeten Terracotten bei den 
Griechen sprechen schon die alten Schriftsteller - oder man muss die 
Farbenwirkung mit ihnen in Verbindung bringen, wie bei den Robbia's. 
Die reine Terracotta aber muss, wie gesagt, künstlerisch behandelt sein, 
im eigentlichsten Sinne des Wortes; mit der fabriksrnässigen Erzeugung 
von Figuren in Terracotta degradirte sich die Plastik selbst. 
Wir haben der technischen Seite der Plastik etwas mehr Aufmerk- 
samkeit gezollt als es vielleicht nöthig war, aber es würden die Erschei- 
nungen in unserem Bildhauerleben in der Aera der Stadterweiterung nicht 
mit aller Deutlichkeit hervortreten, wenn wir über die Materialsfrage nur 
fiüchtig hinweggegangen wären. Vereinigen wir die einzelnen Züge der 
Plastik in der Sturmperiode der Stadterweiterungsbauten, so erhalten wir 
das Bild eines überstürzten Baulebens, das der Bildhauerei nachtheilig 
war. Die Zahl der Bildhauer vermehrte sich, ohne das Interesse für das 
plastische Kunstwerk zu vermehren. Je schneller eine Arbeit geleistet 
werden musste, desto weniger Ansprüche konnten erhoben werden, desto 
geringer war die Entlohnung und die Bildhauerkunst war in Gefahr, eine 
Unternehmung zu werden wie Unternehmungen anderer Art, wo den 
Gewinn und die Auszeichnung diejenigen ernten, welche die Unterneh- 
mung leiten, aber nicht der Künstler, welcher das Kunstwerk schafft. 
Wir würden sagen, es sei gut, dass wir diese Periode hinter uns haben, 
würde der Weg, den wir überschauen, nicht mit so viel Trümmern, nicht 
mit so viel socialem und persönlichem Unglück bedeckt sein. Die Er- 
nüchterung musste kommen, und als ein Symptom dieser Ernüchterung 
muss man die Petition bezeichnen, welche die Bildhauer Wiens vor einigen 
Monaten den verschiedenen Ministerien übergeben haben, und es werden 
nun sachliche Erwägungen und die ernsthafteren Fragen ruhig und lei- 
denschaftslos erörtert werden können. 
Die sachlichen Erwägungen berühren die sociale Frage, die künst- 
lerische und die Beziehungen zum Publicum. Die Bildhauer leiden an 
dem Mangel an Ateliers und daran, gutes Material um relativ wohlfeilen 
Preis zu erhalten. Es sind das Schwierigkeiten, die ausserordentlich schwer 
beseitigt werden können. In Städten, wo ein reiches Bildhauerleben sich 
bereits eingebürgert hat, fehlt es nicht an Ateliers, weder in Rom und
	        

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