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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe XII (1877 / 136)

Nach längerer Pause, während welcher eine ganz unregelmassige Ausbeutung - 
mehr eine Art Raubbau - in Uebung gewesen zu sein (scheint, hat vor beiläufig tz 
Jahren Herr Steinhauser einen Tneil der Brüche in Betrieb genommen und Einrichtungen 
gemacht, welche allerdings eine grossere Ausbeutung zulassen, und einem rationellen Be- 
triebe der dortigen Marmorindustrie zu Gute kommen. 
Um dieselben aber schwuoghaft zu betreiben und um sie auf jene Hohe zu bringen, 
dass sie mit den so vorzüglich eingerichteten Carrara-Werken concurriren können, dazu 
reichen die Mittel, über welche Herr Steinhauser verfügt, nicht aus. Zu einem ratio- 
nellen Betriebe gehört erstens ein unter Umständen grosses Capital. um die Brüche in 
ertragsfahigen Zustand zu bringen, zweitens die Herstellung guter Communicationen zum 
Transport der rohen Steine und endlich sind eine Reihe von Herstellungen zum Bear- 
beiten des Materials, Sagen, Bohr- und Schleifmaschinen und Hebevorrichtungen erfor- 
derlich. Herr Steinhauser scheint sein Augenmerk vorzüglich auf die zuletzt genannten 
Herstellungen gerichtet zu haben, wobei allerdings der Betrieb der Brüche und die Be- 
schaffung guter Communicationen einigermassen vernachlässigt blieb. Am Ausgang der 
Schlucht, in welcher die Laaser Brüche liegen, hat Herr Steinhauser ganz nahe an dem 
Orte Laas ein ansehnliches Etablissement, welches für eine weit grossere Erzeugung als 
die gegenwärtige genügen würde, und zwar mit allen zum maschinellen Betriebe erfor- 
derlichen Herstellungen und unterstützt von einer hinreichenden Wasserkraft, errichtet. 
Die Summen, welche auf diese Fabriksgebaude und deren Einrichtung verwendet wurden, 
mussten sehr bedeutend sein und es erweist sich diese Anlage auch als ganz zweckmassig. 
Herr Steinhauser erkennt nun sehr wohl die Nothwendigkeit, dass zur Verbesserung der 
Brüche und der Cemmunicationswege gleichfalls grössere Summen aufgewendet werden 
sollten, als dies bisher geschehen ist, und er hat auch in dieser Hinsicht Namhaftes ge- 
leistet, aber für das, was geschehen müsste, um Hand in Hand mit der Leistungsfähigkeit 
seiner Fabrik zu gehen, dafür scheinen die Kräfte Steinhäusefs zu geringe. 
Es dürfte hier wohl der geeignete Ort sein, darauf hinzuweisen, welche grosse 
Vortheile der ganzen Gegend durch einen lebhaften Betrieb der Marmorindustrie erwachsen 
würden, Vortheile, die sich ausser der Erweiterung ergiebiger Erwerbsquellen für eine 
wenig wohlhabende Bevölkerung auch ganz direct - wie beispielsweise durch die Ge- 
winnung eines ganz ausgezeichneten Schottermaterials, an welchem gegenwärtig ein em- 
pfindlicher Mangel bemerkbar ist - geltend machen würden. Der letztere Umstand ist 
hier besonders als ein Motiv angeführt worden, welches die hohe Landesregierung zur 
Leistung eines Beitrages für Verbesserung der Verkehrswege zu den Brüchen bestimmen 
könnte, wahrend andere vitale Interessen, ob solche nun den engen hiervon betroffenen 
Bezirk eines Landes, oder eine für den Gesammtstaat wichtige Industrie betreffen, der 
Erwägung des hohen k. k. Handelsministeriums nicht entgehen dürhen. 
Zur besseren Würdigung des in letzterer Beziehung Erforderlichen scheint eine 
nühere Beschreibung der Brüche, ihrer Lage, Zugangigkeit und Ergiebigkeit unerlässlich. 
Gegenwärtig sind von Herrn Steinhauser vier Brüche in Betrieb gesetzt; drei der- 
selben liegen in dem engen, schluchtartigen Thale, welches sich vom Orte Laas nach den 
Laaser Gletschern hinaufzieht, der vierte Bruch liegt eine Stunde südlich von Schlanders. 
Von dem beiläufig 2ooo' über'm Meer liegenden Orte Laas steigt der Weg nach den erst- 
genannten drei Brüchen anfänglich, beiläufig eine Stunde lang, sehr steil hinan, so dass 
er mit vierräderigen Karren nicht beßhren werden kann, sondern nur mit: schlittenartigen 
Fuhrwerken, welche an manchen Stellen mit Seilen befördert werden müssen. Nachdem 
die grosste Steigung erreicht ist, geht beiläufig eine halbe Stunde lang der Weg in einer 
massigen, für Wagen zulässigen Steigung fort. Die genannten drei Brüche liegen nun an 
dem rechten, dem Wege gegenüberliegenden Ufer des von den Gletschern herabstürzenden 
Baches und zwar an durchaus steilen Bergwanden. An vielen Stellen sieht man diese 
Glimmerschieferwande durchzogen von Kalkstein, und dürfte die Ausbeute von Marmor- 
materiale in diesem Thale wohl unerschöpflich genannt werden können. 
Der erste Bruch, zu dem man von der Thalsohle aus gelangt, liegt beiläufig 5oo' 
über dieser, im Ganzen sicher über 5ooo' üb. Meer, und an einer steilen Wand, dass das 
gewonnene Materiale in's Thal nur herabgeworfen oder geseilt werden kann. Er ist Ter- 
nellabrücklbruch genannt und liefert sehr gutes und sehr reichhaltiges Materiale, wel- 
ches, da es schicbtenartig bricht, für Stufen, Platten und andere architektonische Arbeiten 
besonders verwendbar erscheint. lm Thale, eine halbe Stunde weiter aufwärts schreitend, 
aber mit sehr geringer Steigung, gelangt man an den Fuss des zweiten sogenannten Jen-
	        

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