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Full text: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe XIII (1878 / 149)

humanistischen"Wissenschaften die Vorbereitungsperiode einer neuen Zeit gewesen sei, 
in der Tracht jedoch die Richtung des vorhergegangenen Jahrhunderß nur fortgesetzt 
habe und nur die Fülle und der Wechsel der Formen eine Gahrung und Bewegung 
zeigte, so dass wohl für damals das Sprichwort vollberechtigt ist: So viel Köpfe, so viel 
Hote.'_"Dies'sei'um so anfälliger, als doch eine Art von Regulator in dem burgundischen, 
durch den Besitz der Niederlande immens reichen Hofe erstanden war, nachdem die 
Blüthe der französischen Jugend mit all' ihrem slutzerhaften Glanz und Prunlriu den 
englischen Kriegen vernichtet worden. Die Schilderung dieses burgundischen Reichthums 
in seinen glänzenden, aber wenig geschmackvollen Trachtenformen barockesten Charakters 
bei den strengsten Etiquetteregeln, bildete den grösseren Theil der Vorlesung, deren an- 
derentAbschnitt der Versuch in Anspruch nahm, einigermassen das Chaos der Trachten 
anschaulich zu machen, welches sich nach dem Falle Burgunds bis zu Carricaturen ver- 
stieg, dass man den Abbildungen kaum glauben will. Glücklicherweise begann sich aber 
bereits die Reaction zu regen: gegenüber der übertriebenen Enge fing man an, die Aermel 
aufzuschlitzen und gegen die Schnabel der Schuhe, welche zur Zeit Jacobs l. durch Kett- 
chen an die Kuiee hinaufgezogen werden mussten, machten sich die kurzen, breiten 
Schuhe, die sogenannten Kuhmauler oder Entenschnäbel geltend. Es war die höchste 
Zeit, dass die Reformation, wie anderwarts, so auch in die Trachtenfonnen gleich einem 
Sturmwind hineinfuhr und um t52o waren bereits alle Köpfe unter einen Hut, resp. das 
Barett, gebracht. Aber die menschliche Eitelkeit stand nicht stille und mit dem unbe- 
streitbaren Ausspruche, dass die Neuzeit an costümlichem Interesse dem Mittelalter nicht 
nachstche, schloss Reg-Rath Falke seinen Vortrag. 
Alle vier Vorlesungen waren sehr zahlreich besucht und wurden von den Zuhörern 
mit grosstem Beifall aufgenommen, denn sie boten in der That genug, sowohl an Beleh- 
rung verbunden mit heiterer Anregung durch die vielen Citate aus der geschichtlichen 
und poetischen Literatur des besprochenen Zeitalters, als in Anschauung durch eine reich- 
haltige Ausstellung von Costümbildern aus der Museumsbibliothek. 
Lltaraturhoricht. 
Monographie des kaiserlichen Lustschlosses L axe n b urg. 
Auf Allerhöchsten Befehl Sr. Majestät des Kaisers unter Leitung des 
k. k. Oberstkämmerers Franz Grafen F o ll i o t d e C r en n e vill e her- 
ausgegeben von Quirin Ritter v. L ei tn er. Wien 1 878. gr. F01. 
A Von den Monographien, welche im Auftrage Sr. Majestät des Kaisers über kaiser- 
llßlle Lustschlösser der Reihe nach erscheinen, ist nun als zweite jene über Laxenburg 
verölTentlicht worden , und dieselbe schliesst sich , fast möchte man sagen selbst- 
verständlich, dem vorangegangenen Prachtwerke über Schönbrunn durchaus würdig an. 
Wir haben hier natürlich zumeist blos die äussere Ausstattung im Auge, obgleich auch 
der historische und beschreibende Theil mit seinen zahlreichen Belegstellen aus den an- 
erkannt besten Quellenwerken und noch mehr aus deu Acten der kaiserlichen Hotkarnmer 
und des k. k. Haus-, Hof- und Staatsarchivs auf den ersten Blick die Ueberzeugung von 
der Gründlichkeit der Arbeit wachzurufen vermag. Dem Texte, welcher mit reizenden 
Vignetten, Culs de lampe und Initialen von E. Koieluch geziert ist, sind zur grüsseren 
Verdeutlichung der Entwicklungsgeschichte des wahrhaft kaiserlichen Sommersitzes zahl- 
reiche Pline und Ansichten aus älterer Zeit eingefügt, und müssen in dieser Richtung 
besonders die Radirungen H. l. Fischer's nach Kleiner, Brand und Janseha hervor- 
gehoben werden. Das Hauptgewicht der äusseren Zier liegt aber in den zwölf grossen 
Original-Radirungen von Aug. Schäffer mit der Darstellung der schönsten Parhen des 
von Kaiser Josef ll. angelegten Parkes. Den Schluss der Monographie bilden als Beilagen 
der paläographisch getreue Abdruck mehrerer Urkunden summt Abbildung der angehängten 
Siegel, mehrerer älterer lnventare und Erlasse bezüglich der Einrichtung des l-lofstaates 
während der Sommermonate und zuletzt als interessantestes Stück die Uebersicht der in 
der Franzensburg verwahrten kunsthistorischen Gegenstände. Gemde diese Uebersicht 
liefert dem Kunstliistoriker ausserordentlich schatzbare Daten über die Provenienz der 
einzelnen Kunstwerke. 
 
Fortsetzung auf der Beilage.
	        

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