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Objekt: Ausstellung französischer Wandteppichkunst von heute

D as Wort „Gobelin“ wird irrtümlicherweise außerhalb von Frankreich 
und namentlich in deutschsprechenden Ländern gebraucht, um jeden 
gewirkten Wandteppich, gleichwie aus welcher Werkstätte, zu bezeichnen. 
Ein Beweis, wie die von Ludwig XIV. im Jahre 1667 gegründete Gobelin 
manufaktur berühmt geworden ist und wie die Welt ihre Arbeiten von jeher 
geliebt und geschätzt hat. 
Die Gobelinmanufaktur ist eine sehr späte Einrichtung. Vor ihr waren 
andere sowohl in Paris als in den vielen anderen Städten Frankreichs ebenso 
berühmt, so daß das klassische Land der Fresken, das an Kunst so reiche 
Italien, das weniger als Frankreich oder andere „nordische“ Länder auf 
Wandteppiche angewiesen war, bis Ende des ij. Jahrhunderts seine Wand- 
teppidie aus Arras bezog und daher heute noch mit „arazzo“ jede Tapisserie 
bezeichnet. 
Diese Kunst ist also eng mit der Entwicklung der französischen Kultur ver 
bunden. Was heute und schon im 17. Jahrhundert lediglich zum Schmuck 
und zur Dekoration diente, war in früheren Zeiten sowohl für Bischöfe und 
Äbte als für Ritter und Herren, für Fürsten und Könige eine Notwendigkeit. 
Die durch_ die Gotik erbauten Riesenkirchen hatten keinerlei Dekoration 
außer den bunten Fenstern, und die großen und kahlen Steinflächen mußten 
eben mit den warmen und farbenfreudigen Wandteppichen verkleidet 
werden. Ohne diese kostbaren Teppiche wären auch die kalten Schlösser der 
Könige nicht zu bewohnen gewesen. Wandbehänge wurden an die Mauern 
gehängt, Zwischenwände wurden gezogen, um die Räume einigermaßen 
heizbar und anheimelnd zu gestalten, wozu Tapisserien verwendet wurden; 
und da es nicht möglich war, verschiedene Schlösser auf einmal einzurichten, 
wurden die Tapisserien von einem Sitz auf den anderen gebracht. 
Wenn also das Wort Tapisserie an Ritterzeit erinnert, an Schlösser und 
Burgen, an Schlachten und Jagden, an alte Rüstungen und an alte Möbel, 
so kann man darin die Erklärung sehen, daß diese Kunst nicht nur im 
14. und ij. Jahrhundert ihre volle Berechtigung fand, sondern vielleicht 
auch den Gipfel ihrer Entfaltung und ihrer Schönheit erreichte. 
Daß uns aus dieser Zeit wenig Tapisserien geblieben sind, hängt mit dem 
Charakter des vergänglichen und ohne sorgfältige und geeignete Pflege 
schwer zu erhaltenden Materials zusammen. Daß uns die berühmte Reihe 
aus Bayeux (die sogenannte Tapisserie der Königin Mathilde) aus dem 
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