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Full text: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe XV (1880 / 175)

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förderer, Besteller und Käufer von Kunstwerken erweist, blieb nicht ohne 
Nachwirkung auf die städtischen Municipien. ln der That verwenden einige 
der großen Comrnunen Frankreichs für künstlerische Aufträge mehr in 
Einem Jahre als der österreichische Staat, und die kleinen Gemeinden 
streben hierin den größeren eifrig nach, weil, Dank dem hundertjährigen 
Beispiele des Staates, die Ueberzeugung von der Productivität solcher Aus- 
gaben zu einer ganz allgemeinen '_des französischen Volkes geworden ist. 
Die Anziehungskraft der zahlreichen Erscheinungen des Kunstlebens in 
Frankreich auf zahllose Schaaren von Fremden, die Werthverrnehrung 
der Rohproducte durch ein wohlgeschultes Kunstgewerbe, welches den 
französischen Erzeugnissen den Weltmarkt sichert, wie Paris selbst der 
erste Kunstmarkt der Welt ist, so dass die Ausfuhr künstlerischer und 
kunstindustrieller Waaren fast den fünften Theil der Gesammtausfuhr 
dieses auch sonst so exportfähigen Landes bildet - all dies zusammen 
ergibt eine solche Steigerung des Nationaleinkommens, dass es wahrlich 
"keine Täuschung ist mit jener Ueberzeugung von der capitalzeugenden 
Kraft des Geldaufwandes zur Pflege der Kunst und Kunstindustrieund 
zur schulmäßigen Erziehung des Gewerbes. 
Wenn im Ganzen und Grnssen gesagt werden kann, dass die Kunst- 
pflege in Frankreich so alt ist wie Frankreich selbst, so sind speciell auch 
alle wichtigeren Einrichtungen für die artistische Erziehung der Franzosen 
schon vor der Periode entstanden, welche Baron Dumreicher eigentlich 
mit seinen Vorträgen umspannen wollte. Die Akademien zu Paris und Rom, 
die Manufacture royale des Meubles de la Couronne zu Paris und die 
Teppichfabrik zu Beauvais stammen bereits von dem Minister Colbert 
aus dem 17. Jahrhunderte her, und sie haben im Allgemeinen ihre ursprüng- 
lichen Grundlagen beibehalten. Die Staatstnanufactur zu Sevres, die Ecole 
nationale des Arts decoratifs und die zahlreichen Zeichenschulen in den 
Municipien schlossen sich an. Schon zu Ende des vorigen Jahrhunderts 
war Frankreich der artistisch bestorganisirte Staat Europas, so gut, dass 
nach einer kurzen Unterbrechung durch die Schreckensherrschaft bis heute 
eigentlich gar keine wesentliche und schöpferische Entwickelung des artia 
stischen Unterrichtswesens mehr stattfinden konnte. Somit ist die bedeu- 
tende Ueberlegenheit der kunstgewerblichen Production Frankreichs nicht 
aus einer lnitiative der neuen Regierungen auf dem Gebiete der Schule 
zu erklären, sie erscheint vielmehr als eine Spätlingsfrucht der weitsich- 
tigen Unterrichtspolitik des ancien regime. 
Dagegen hat auf dem Gebiete des technischen Bildungswesens das 
moderne Frankreich thatsächlich eine wahrhaft schöpferische Kraft ent- 
faltet. Wir müssen davon abstehen, dem Vortragenden in seiner trefflichen 
Skizze der Entwickelungsgeschichte der technischen Studien und der ein- 
zelnen Anstalten wie der Ecole des Ponts et des Chaussees, der Ecole des 
Mines, der Ecole polytechnique und einer Reihe technischer Specialschulen 
zu folgen. Seine Auseinandersetzungen über die industrielle Sorbonne,
	        
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