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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe XV (1880 / 180)

Brutstätte. Aber auffallender Weise ist es durchaus nicht Leipzig, welches 
unserer Ausstellung solche Einbände gesetlfdet hat, sondern die Wiener 
Buchbinder sind es, denen wir eine erlesene Auswahl Vßfdlllkellu Bei 
Beringer, bei Scheibe, bei Kri-tz sind sie gleicher Weise in" liebensw-üw 
digeni Exemplaren vertreten: man sehe z. B: Waldeinsamkeit, Rosegger; 
Defregger, das Buch von den Schwimmkunst, die Alpenblumen und so 
vieles andere. Auch das modernste England: hat in Little Folks, in Every 
Girls Annual„ in- St-enlefs Dank- Continent seinen Beitrag gestellt. Was 
die genannten Wiener Arbeiten betrifft. so mögen Ideen, Zeichnungen, 
Stanzen zum größten Theile in Wirklichkeit aus Leipzig stammen, aber 
die Flagge deckt die Waare; wer den Namen gegeben hat, übernimmt 
die Verantwortung, und er ist es, den der Vorwurf der Geschmacklosige 
keit trifft. 
Die Leipziger Buchbinder, die bereitwillig unserem Rufe gefolgt 
sind ,. haben sich wohl gehütet, solche populär-vulgäre, fast hätte ich 
gesagt, gemeinschädliche Waare. nach} Wien zu senden, das ja heute in 
Dingen des Geschmackes nicht gerade im schlechtesten Rufe steht. Sie 
haben uns auch populäre, auf den Massenverkauf berechnete Calicoein- 
bände gesendet, aber in- der Ornantentation derselben herrscht ein voll- 
ständig anderer Geist, eine vollständig andere Richtung, mit welcher wir 
uns schon einverstanden erklären können. Man sehe die große Collection 
von Fritzsche durch, welche mehr denn hundert verschiedene Einbände 
zählt, und man wird nicht Einen finden, der jener verkehrten Art angehört. 
Dem Charakter nach schließt sich diese neue Richtung an die Buch- 
arabesken des 16. Jahrhunderts an, aber in diesem eben so reizvollen wie 
wahlberechtigten Genre sind sie frei erfunden, keine Copien. Es ist nicht 
Alles gleich gelungen, Manches verfehlt, aber Manches auch ganz vorzüg- 
lich. Was aber am auffallendsten bei der Sache ist, das ist der Umstand, 
dass, die meisten dieser Zeichnungen in Wien gemacht sind und zwar am 
Oesterreichischen Museum. Es sind vorzugsweise Entwürfe des Docenten 
Architekten Theyer. Auch Professor Herdtle von unserer Kunstgewerbe- 
schule hat einige feine und reizvolle Beiträge geliefert. Die Sache steht 
demnach so: die Leipziger Buchbinder holen sich ihre guten Zeichnungen 
von Wien, die Wiener Buchbinder ihre schlechten von Leipzig. 
Damit soll aber nicht gesagt sein, als ob alle guten Leipziger Zeich- 
nungen in. Wien entstanden wären. Gratf in Dresden, Zur Straßen in 
Leipzig, Fischbach in Hanau liefern Entwürfe in der gleichen Richtung. 
Eben so wenig, ist dieses neue Genre der Calicoeinbände, dessen Wesen 
auf der Verzierung der Hachen Decke beruht, das Einzige, worin sich die 
heutige Leipziger Buchbinderei auszeichnet. Sie verfolgt eine andere Art 
des Bucheinbandes mit dem gleichen Verständnisse und Geschmacks, und 
dieses ist der Franzband oder Halbfranzband, der eigentliche Bibliothekband. 
(Schluss folgt.)
	        

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