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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe XV (1880 / 180)

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dorf, wo die Textilindustrie eine so große Bedeutung erlangt hat, wichtig, dass daselbst 
ein Lehrer fungirt, der praktische Erfahrungen mit ausgebreiteten Kenntnissen vereinigt. 
Die Schule recrutirt sich meist aus Söhnen von Webern, die nach beendigter Schule in 
das Geschaft des Vaters zurückkehren. Das ist gewiss für die Schule von großem Nutzen. 
- Mit der Fachschule für Weberei, welche dem Handelsministerium untersteht, ist auch 
eine Sonntagsschule verbunden, welche Herr Weigner leitet. Aus den Schülerarbeiten der 
Fach- und der Sonntagsschule geht hervor, dass der Zeichenunterricht in ganz rationeller, 
den allgemeinen Vorschriften über Zeichenunterricht entsprechender Weise ertheilt wird. 
(Quotas-Stelle am llahriaohen Gewerbemusenm in Brünn.) Die Stelle eines 
Custos des Mührischen Gewerbernuseums in Brünn gelangt im Februar l88l zur Wieder- 
besetzung. Der Custos hat die Sammlungen einschließlieh der Bibliothek für das Publicum 
lehrreich und möglichst nutzbar zu machen, öffentliche Vorlesungen über Geschichte der 
Künste und Gewerbe, Styllehre und solche gewerblichen Inhalts zu halten, Reisen zu 
unternehmen, Ausstellungen im Lande Mahren zu veranstalten und Gewerbtreihcnde beim 
Zeichnen etc. von Entwürfen zum Stylvollen und Geschmackvollen anzuleiten und den- 
selben bei der Ausführung nach Thunlichkeit zu rathen. Mit dieser Stelle ist ein Jahres- 
gehalt von aooo ü. o. W. verbunden; es kann beiderseitig einhalbjahrig gekündigt werden. 
Bewerber haben die Gesuche an das wCuratorium des Mähr. Gewerbemuseums in Brunn- 
bis zum 15. Octoher 1880 einzubringen. Den Eingaben sind nebst einem ClllTlCUilllTl vitae 
alle Documente zum Nachweise der Befähigung und der Leistungen in betreiTender wissen- 
schaftlicher, ltunstgewerblicher und praktischer Beziehung bcizulegen. 
_ (Faohsolmle für Spitzeninduatrle.) Die Pilsener Handelskammer beabsichtigt 
in Hostau eine Fachschüle für Spitzenindustrie zu errichten. Bei der zunehmenden 
Erwerbslosigkeit erscheint es dringend geboten, der verarmten Bevölkerung bessere Ein- 
nahmsquellen zu eröffnen. Der Unterricht soll sich nicht auf gekloppelte, sondern auf 
genähte Spitzen modernster Art erstrecken, so dass sich diese Fachschule nach und nach 
zu einer Spitzenindustrie-Anstalt gestalten könnte, wo der jüngeren weiblichen Bevölke- 
rung Gelegenheit geboten wäre, unter entsprechender Beaufsichtigung einen anständigen 
Erwerb zu finden. 
(Wiener Frauen-Erwerbverein.) im Schuljahre i879[8o wurden die Schulen 
des Vereines von 1328 Schülerinnen besucht und zwar zahlte die Handelsschule nebst 
Uebungscomptoir B5 Schülerinnen. die französische Sprachschule mit Einschluss der Con- 
versationsclasse x97 Schülerinnen, die englische Sprachschule 93 Sch., die stenographischen 
Lehrcurse I9 Sch., die Zeichenschule 44 Sch., die höhere Arbeitsschulc 69 Sch., die 
Nähstubcn 367 Sch., die Schneidereischule 33 Sch., der Lehrcurs für Spitzen- und ein- 
schlagige Nndelarbeiten at Sch., die Maschinstrickschule I7 Sch., die Feinwaschereischule 
99 Sch., die höhere Bildungsschule 230 Sch. und die Wintercurse 54 Besucherinnen. 
Außerdem waren 6 Zeichnerinnen im Atelier für Musterzeichnen beschäftigt. 
(K. Kunstgewerbeaohule in Nürnberg.) Der Jahresbericht für das Schuljahr 
t87gf8o gibt einige Daten, welche die Leser unseres Organes interessiren dürften. Vor- 
erst ist zu bemerken, dass in diese Schule Schülerinnen gar nicht aufgenommen werden. 
ln diesem Schuljahre besuchten die Schule 56 ordentliche Schüler, 80 Abendschüler, 
19 Hospitanten. ln die Schule für Zeichenlehrer waren nur 8 Schüler aufgenommen. 
Die Vorbereitungsschule, der sogenannte Vorcurs, wurde von 16 Schülern besucht. Er 
dauert nur ein Jahr, im Sommersemester wird Bauzeichnen gelehrt. Bemerkenswerth für 
eine Stadt wie Nümberg ist. dass sich für Holzschnitzerei nur 3 und für das Ciseliren 
nur a Schüler fanden. Eine Eigenthümlichkeit der Schule ist die sogenannte Decorations- 
schule, welche drei Classen hat. Dass in der Kunstgewerbeschule den architektonischen 
Abtheilungen viele Aufmerksamkeit gewidmet wird, mag sich daraus erklären, dass in 
Nürnberg keine Baugewerbeschule existirt. An der Kunstgewerbeschule hingegen heiinden 
sich zwei technische Werkstätten , Modellschreinerei und Gypsformerei. Von theo- 
retischen Fächern werden Kunstgeschichte, Geschichte der technischen Künste und Ana- 
tomie gelehrt. Der Lehrkörper besteht aus 8 Lehrern und 5 sogen. Hilislehrern. Als 
Director fnngirt der Architekt Gnauth. in die Abendschule werden ausschließlich 
Lehrlinge aufgenommen, welche sich den reproducirenden Künsten: Lithographie, Xylo- 
graphie, Kupferstich etc. widmen wollen. Dass in der Nürnberger Schule der Abendcurs 
ausschließlich den graphischen Künsten gewidmet wird, dürfte sich aus den specicllen 
Bedürfnissen der Nürnberger Industrie leicht erklären lassen. Es ist begreiflich, dass der 
jedesmalige Charakter der Localindustrie auf die verschiedenen Kunstgewerbeschulen Ein- 
Huss nimmt. 
Die Reform der Staatabanverwaltung Prenssens hat mit der Einsetzung 
einer Akademie des Bauwesens einen entschiedenen Schritt nach vorwans gemacht. 
Die alte technische Baudeputation ist aufgehoben; an die Stelle derselben tritt die Aka- 
demie des Bauweaens, deren Wirksamkeit in folgender Weise pracisirt wird: IDieselbe
	        

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