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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe XVI (1881 / 186)

Fra Bartolomrneo allein, theils in Veghiaüalyg-jnit Mariotto ausgeführt, aus der Werkstatt 
des Klosters hervorgehen. Dem Vortragenden kam es nicht so sehr darauf an, eine 
chronologische Uebersicht dieser Gemgldqäzu geben,;als neben ihrer künstlerischen Be- 
deutung den geistigen lnhalt dieser Werke verständlich zu machen, die im Gegensatz: 
zu den iahulirenden Bldern des-_Quatrocento tiefsinnige Mythen von Verheißung und-Er- 
füllung, von Erlösung und Beseligung durch den Glauben in wenigen beziehungsreichen 
Figuren darstellen, und uns nicht nur Blicke in den religiösen Gehalt der Zeit, sondern 
auch, in das bewegte Ä-Ierz ihres Schopfers estatten. Dyie Beziehungen zu Raphael, die 
Nachahmung Michel ngelifs, die Reise nac Venedi wurden nicht außer Betracht ge- 
lassen. Noch in jung-endlichen Alter beginnt der Mbnegh zu krankeln, und muss viele Zeit 
auf dem Lande zubringen, in jener stillen Einsamkeit zu Pian de Megnone (ließt sein 
Leben zwischen Malerei, Musik und dem Angodenken an Savonarola, das nuninuchrvor 
der Welt gereinigt war, sanft dahin, bis ihn der Tod bald nach seinem Freun e Manotto 
seinen Mitbrüdern enLriss. In seiner Zelle wir eine Klage um den Leichnam- risti un- 
vollendet, zuruckgebl , en, ein Leidenshild als Symbol des Schmerzes über den Tod des 
farbenfrischen Kunst ers. ' ' " " ' ' ' 
Mit einer zusammenfassenden Schilderungder Stellung des Künstlers am Beginn! 
der Hochrenaissance, in dem er ihn mit der frischen Luft des anbrechenden Morgens 
verglich, schloss Dr. Wickhoif seinen von dem zahlreichen Publicum.sehr_ bßlüvlllqvjlf- 
genommenen Vortrag, der auch durch die Gegenwart Sr. kais. Hoheit Erzherzog arl 
Ludwig ausgezeichnet war. 
s 
Am 16. December besprach Professor Petersen aus Prag die Giganteiriareüon 
Pergsmon, also die. so überreichen Schütze antiker Sculpturwerke, welche seit 187 durch 
die Ausgrabungen unter K. Humann's trefflicher Leitung zu Tage gefordert wur en und 
hinfort eine der Hauptzierden der königl. Museen in Berlin bilden.- Zuerst wurde-Ivan: 
VortragendenvPergarnon und dessen Um ebung geschildert und die Geschichte dieses 
Gebietes bis zur Einverleibung in Roms äleltherrschaft sltizzirt, sodann auf die Verbin- 
dung athenischer und pergamenischer ldeen in den Weihegeschenken hingewiesen, welche 
von den Attaliden nach ihrem großen Siege über die Gallier in der zweiten Hälfte des 
3. Jahrhunderts vor Chr. Geb. zu Athen und zu Pergamon gestiftet wurden. In Athen 
bildeten den Gegenstand der Darstellun en die Gigantomachie, Amazonenkampfeß der Sieg 
von Marathon und jener über dieNMli lbeilljlhos-filliü ähnlich waren an] dem großen 
Altnrbau in Pergamon die Gigantornachie, der. Telephosrnythos und die Keltenschlacht. 
Auf die architekt "sche Beschreibung des Altarbaues, der schon in den ältesten Nach- 
richten unter dieizairacula mundi gerechnet wurde, folgte die Besprechung des Haupt- 
sculptinenschmuckes, jenes 2-3 Meter hohen Gotterfrieses, mit seinen fast in voller Run- 
dung herausgearbeiteten iiberlebensgroßen Figurengin einer Ausdehnung von etwa 300 Qua- 
dratmen, von denen noch beiläufig x30 M. erhalten sind- erhalten wohl, aber in tausend 
Stücke gebrochen, so dass vonveiner Sicherheit in der Zusammenfdgung zu einem klaren 
Gesammtbilde vorerst noch keine Rede sein kann. Nur etwa die Hauptgruppen der beiden 
Vorkämpfer in.der Gignntornachie, jene des Zeus und, der Athene, ferner des Helios und 
der Hekate konnten festgestellt werden, daneben noch eine große Menge vonvErd- und 
Meergottlzeitem- Gegenüber fijuheren Darstellungen der Gigantomachie zeigt sich hier 
eine großartige Bereicherung der Composition, so viele Götterdort, so viele Götterreiche 
und Kreise H". ein- rechter Ausdruck für -den auf Massenwirkung ausgehenden Sinn 
jener Zeit. Durchaus ohne Gleichförmigkeit sind die Gottheiten des Himmels, der Erde 
und des Meenes wie in wirklicher-Schlacht bewegt dargestellt und noch mannigfaltiger 
sind die Giganten aus den Gestalten von Mensch, Vogel, Schlange, WasserthierhLüwe 
und Rind wmbinirt und das mit einer Schärfe und Gründlichkeit in Ausführung des 
Details, als ob an der Wirklickeit des Unwirklichen kein Zweifel bleiben sollte, in Zu- 
sammenhang mit den Naturelementen und als Grundlage psychologischer Verschiedenheit. 
Nachdemnoch die Oomposition. als solche und deren technische Ausmhrung gewnrdigt 
worden„_folgte die kurze Schilderung des kleineren, aber darutnvkunstgeschichllieh nicht 
minder wichtigen Telephosfrieses, als chronikenartiger Geschichte des Helden in einer 
Reihe kleinerer Scenen, die ein treülichcs Licht werfen auf die bei den Römern "so beliebt 
gewordene erzahlend vorruckcnde Darstellung, besonders der Sarkopha compositionen. 
Mlißlf-lli Wunsche, dass Oesterreich, wo die Clißäsischen Studien in so ühlichem Auf- 
Schwunge begriffen sind, nun nach den Fundeniin Saniothrakeauch ein Pergamon be- 
Sclllßdln werde, schloss Proffetersen seinen [sehr heifälligaufgennmmenenVortrag. Wir 
erlauben uns beizufügen, dass" letzterer in dei- literarischen, Beilage zur,_Montags-Revue, ' 
Nr. a, s, 4 Clß L 1. vollinhnlitlich ZvrILAbdruck gelangte, 
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Mumm" "Ff der 
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