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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe XVI (1881 / 186)

(Besuch des 11159111115.) Die Sammlungen des Museums wurden im Monate 
Februar von 16.574, die Bibliothek von 34.86, die Vorlesungen von 867 Per- 
sonen besucht. 
(Gosohehke an das" Oesterr. Museum.) Seine Durchlaucht der 
Fürst Johann Liechtenstein hat die Sammlung moderner Möbel im Oesterr. 
Museum durch das Geschenk von werthvollen englischen Arbeiten berei- 
chert: Ein Wandkastcn im Style englischer Spätgothik zeigt in Claire- 
obscure bemalte Einlagen auf Goldgrund, mythologische Frauen, wie 
Ariadne, Medea ulslviln, einen Triumph der Venus über Dichter und Philo- 
sophen in der Manier früher italienischer Bilder des Qitatrocento, die nun 
schon seit lange den englischen Geschmack beherrschen. -_ Ein anderer 
Kasten aus Ebenholz in englischer Renaissance ist durch Mosaikeinlagen 
und Reliefs mit den Figuren der Poesie und Musik verziert. Eine andere 
Richtung der englischen Möbelfabrication vertritt ein' Stuhl im Empire- 
stile, auf das zierlichste mit hellen Lackfarben bemalt, undh Wieder muster- 
giltig in seiner Art, ein bequemer, leicht beweglicher Lederstuhl, der im 
besten Sinne modern ist. Eine Standuhr, Holzkasten mit Fayence-Einlagen, 
und Armleuchter aus Bronze vertreten andere Zweige dcrenglischen ln- 
dustrie. - Von älteren Gegenständen schenkte Seine Durchlaucht ein Paar 
italienische Ledersessel des 18. Jahrhunderts und ein Glasgcmälde mit 
Wappen aus dem v6. Jahrhundert. 
(Kunstgewerbesohule des Museums.) Der Semesterschluss fand 
am 28. Februar statt; die Aufnahme neuer Schüler konnte wegen der 
Raumverhältnisse nur in sehr beschränktem Maße erfolgen. Die Schul- 
ausstellung ist für die Zeit vom 5.-t3. April festgesetzt. 
(Internationale photographische Ausstellung.) Die von der hiesigen photo- 
graphischen Gesellschnft veranstaltete internationale photographische Ausstellung wurde 
Samstag den u. Februar um i Uhr eröffnet. Dieselbe nimmt nahezu das ganze erste 
St kwerk des Oesterr. Museums ein und gibt, ein anschauliches Bild aller Errungen- 
sc iiften, welche auf dem Gebiete der Photographie, des Lichtdruckes und der verwandten 
Facher in den Culturstsaten Europas erzielt wurden. 
Um l Uhr erschien Sie. k. Hoheit der Herr Erzherzog Rainer, Protector der Aus- 
stellung, in Begleitung seines Obersthofmeisters, Grafen Messe y, und wurde im Vesti- 
bule vom Ausstellungscomite, dem Director des k. k. militär- geographischen Institutes, 
Generalmajor Wtin ka, dem Hofrathe v. Ei telbe r ger, Grafen Edmund Zic hy, Regie- 
rungsrhthe Falke empfangen. 
Nach einer kurzen Begrüßung seitens des Präsidenten der photographischen Ge- 
sellschaft, Regierungsrathes Dr. E; Hornig, in welcher derselbe den Zweck der Aus- 
stellung, die hohe Bedeutun der Photographie für Wissenschaft und Kunst nachzuweisen, 
auseinandersetzte und dem unsche Ausdruck gab, die Regierung möge ehethunlichst 
einen Lehrstuhl und eine Versuchsanstalt ftlr Photographie errichten, verfügte sich der 
Herr Erzherzog in den ersten Stock, wo er die ausgestellten Gegenstände mit großtem 
Interesse besichtigte. Regierungsrath Dr. Hornig hatte die Ehre, den hohen Protector 
durch die Ausstelluugsräume zu geleiten. Der Herr Erzherzog verweilte längere Zeit bei 
den unerreichten Heliogravuren des k. k. militär-geogrsphischen Institutes, bei den meister- 
haft ausgeführten Mikro-Photographien von Da gron in Paris, welche mehrere während 
der Belagerung von Paris durch Brieftauben beförderte Depeschen darstellen, den mikro- 
skopischen Diaphanien des Amateurs Ritter v. Reisinger in Hernals, den vielfach ver- 
größerten Darstellungen von Körper- und Ptlanzcntheilen, die sich in den Schulen Deutsch- 
lands und Englands als bewahrte Unterrichtsmittel erwiesen haben. 
Das Hauptgewicht der Ausstellung beruht eben darauf, nachzuweisen, wie weit die 
Photographie es in der minuliösen Treue der Reproduction gebracht, und welche Dienste 
sie dadurch der Kunst, namentlich dem Kunststudium nach alten Vorbildern und Mustern, 
und der Wissenschaft, besonders der Naturforschung zu leisten vermag. ln historischer 
Beziehung interessant sind die beiden ältesten Objecte der Ausstellung, zwei im Jahre 
184i in Wien mit einem Doppelobjectiv aufgenommene Porträts auf einer versilberten 
Kupferplatte, welche so recht deutlich zeigen, welche gewaltigen Fortschritte in einer kurzen 
Spann: Zeit auf dem Gebiete der Photographie gemacht wurden. Den neuesten Apparaten 
zur Herstellung photographischer Aufnahmen wurde ein besonderer Saal eingeräumt.
	        

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