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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe XVI (1881 / 189)

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Wenn Sie sich heute die Bedürfnisse des gewerblichen Unterrichtes und die Vers 
haltnisse ansehen und systematisch von unten aus aufbauen, kommen Sie, wie bereits der 
Herr Vorredner getban hat, zunächst schon zur Verbindung mit der Volksschule. Schon 
in der Volksschule muss mit dem systematischen Zeichnen begonnen werden, nicht mit 
Künsteleien, nicht mit Dilettantismus, nicht mit Liebhabereien, sondern mit jenem syste- 
matischen Zeichnen, welches die Grundlage für jedes weitere, entsprechende gewerbliche 
Zeichnen bildet. - 
Aber noch in einer anderen Beziehung besteht eine Verbindung. Es ist selbstver- 
ständlich, dass die untersten Classen der gewerblichen Fortbildungaschulen sich stets an 
die Volksschule anlehnen müssen. . .. . . 
Gehen wir nun einen Schritt weiter, so kommen wir auf das Verhlltniss zu den 
Mittelschulen. Wir haben es hier mit einem großen Vorurtheile der Bevölkerung zu thun 
und Diejenigen, die es mit der Suche ernst meinen, sollten alle mit einander daran ar- 
beiten, jene Voreingenommenheit der Bevölkerung für die fortwährende Errichtung von 
Gymnasien und Realschulen zu beseitigen. ln all" den Petitionen, die hier in dieses hohe 
Haus, sowie an die Landtage kommen, horen wir nicht, dass man die so dringend noth- 
wendige Vermehrung zweckmäßiger Gewerbe-i und Handelsschulen wünscht; wir horen 
immer nur die Nothwendigkeit der Erweiterung und Errichtung von Gymnasien und 
Realschulen begründen . . . . 
lch möchte in der Richtung nur bemerken, dass es nach meiner Ansicht anders 
stünde, wenn bei uns das Bedürfniss nach einer größeren Bildung vorhanden wäre, wo 
Jeder, der seinen Sohn dem Gewerbe- oder Handelsstande zuwendet, wünschte, dass er 
die vollständige Mittelschule absolvire. 
Aber die Gewerbeschule steht mit der Mittelschule auch in der Verbindung, dass 
die Lehrkräfte der Mittelschule sehr haulig, namentlich für die Abendschulen, für die 
höheren Kategorien von Gewerbeschulen verwendet werden können und dadurch selb- 
ständige Lehrkräfte erspart werden. Nicht minder ist ia für die entwickelteren Schüler 
auch der Uebertritt und das Aufsteigen und der Besuch von höheren Lehranstalten, - 
mögen sie nun einer technischen oder einer artistischen Richtung angehören - welche 
in der Verwaltung des Unterrichtsministeriums stehen, nur ein Schritt, der nothwendig 
gemacht werden muss. 
Sehe ich aber ganz von diesen verschiedenen Anstalten ab und halte ich mir nur 
die Gewerbeschulen als solche selbst vor Augen, so komme ich auch dahin, dass diese 
Anstalten in einer nothwendi en Gliederung mit einander verbunden sein müssen. Wenn 
die gewerblichen Schulen er olgreich wirken sollen und es nicht bloß heißen soll: es 
sind in der und der kurzen Zeit so und so viele Schulen errichtet worden, sondern, wenn 
hier wirklich etwas Nützliches und ZweckmaLiges geleistet werden soll, dann muss in 
einer (Zentralstelle dafür vorgesorgt sein, dass k nehmen Sie nun die technische oder die 
artistische Richtung - wenn in fachlicher Beziehung Bedeutendes geleistet werden soll, 
Sammlungen der besten Materialien der ganzen Welt vorhanden seien, dass an diesen 
Sammlungen entsprechende Lehrkräfte herangezogen werden, dass von dieser Central- 
stelle wissenschaftlich und fachlich durchgebildete Lehrkräfte an die unterstehenden An- 
smlten venheilt werden, um dieselben mit ihren befruchtenden ldeen nutzbringend zu 
gestalten. So aber, meine Herren, wie die Gliederung auf der Gewerbeschule von oben 
hinuntergeht, ao muss auch die Gliederung von unten hinaufgehen. Der Bursche, der in 
die unterste G-ewerbeschule eintritt und, wie es häufig vorkommt, ein ganz besonderes 
Talent, sei es für ein Zeichnen-, sei es für ein anderes anschauliches Fach, sei es für 
ein Constructionsfach, zeigt, der muss in die Lage gebracht werden, dass er ohne allzu 
große Opfer, ohne allzu große Schwierigkeiten in eine höhere Anstalt aufsteigen kann, 
daher muss auch die höhere Anstalt nicht bloß dem einzelnen Orte, in welchem sie 
errichtet wird, zugute kommen, es muss dieselbe, wie insbesondere auch die höchste 
Anstalt, welche sich am Sitze der besten Sammlung befindet. den Schülern einer jeden 
Schule, auch der untersten, zugänglich sein, insoferne der Schüler das Talent und das 
Geschick hat, eine solche Schule mit entsprechendem Erfolge besuchen zu können. - - 
Nach Besprechung der speciellen Verhältnisse in Niederösterreich führt der 
Redner fort: , V 
Wenn ich nun dafür bin, dass die ganzen Anstalten in eine Hand vereinigt werden 
und wenn die Herren aus meinen und meines Herrn Vorredners Ausführungen entnommen 
haben werden, dass die logische Nothwendigkeit dahin führt, dass man diese Anstalten 
nirgends anders als im Unterrichtsministerium unterbringen könne, so werden Sie es be- 
greitlich tinden, dass ich diesem Antrage zustimme. 
lch glaube aber nicht, dass es gut wäre, wenn auch das Unterrichtsministcrium in 
dieser Beziehung ganz ohne Beirath ware, oder wenn das Unterrichtsministerium etwa 
den Vorgang einhalten wollte, dass bei dieser Gattung von Schulen der instanzenrnlßige 
Zug eingehalten werde: Ministerium, Landesschulrath, Bezirksschulrath und Ortsschulrath; 
einen solchen bureaukratischen Apparat vertragen die Gewerbeschulen nicht.
	        

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