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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe XVI (1881 / 189)

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Die einzige Einrichtung, welche ich mir vorstellen kann - und sie hat sich theil- 
weise schon bewahrt - mit der ähnliche Anstalten verbunden werden können, ist fol- 
gende: lm Ministerium muss ein aus Fachmannern gebildeter Beirath sein; dieser muss 
seine fachmännische Meinung abgeben können. Geben Sie Manner aus Fachkreisen dem 
Minister zur Seite, Männer, die die Angelegenheit veratehen,.und ich bin überzeugt, es 
wird von der obersten Stelle aus richtig geleitet werden. Es ist nicht möglich, dass von 
oben aus alles im Detail geleitet werde. Meines Erachtens ist da noch eine zweite Orga- 
nisation nothig, nämlich eine Organisation von Localcomitea und Localcommissionen; da 
ergibt es sich wie von selbst, wie solche Commissionen zu bilden sind. Auf der einen 
Seite werden wir große Orte haben. wo eine größere Anzahl von Gewerbetreibenden 
existirt, wo man also Gruppen einzelner Schulen wird bilden können, dies ist die eine 
Gattung der Comrnissionen; Sie werden aber auch eine Anzahl von lndustrieorten, ins- 
besondere Städten haben, wo fast ausschließlich eine Industrie getrieben wird, welche 
ebenfalls naturgemäß einen Punkt für eine solche Commission bilden; es gibt endlich 
Orte der Hausindustrie, wo ebenfalls solche Commissionen zu bilden sind. Dabei ist so 
viel fachliches und gewerbliches Verstandniss, so verschiedenartige Auffassung der Be- 
dürfnisse und Verhältnisse erforderlich, dass es mir nicht thunlich erscheint, in die Ver- 
bindung der Commissionen der Gewerbetreibenden und der Schulen, welche unmittelbar 
etwas brauchen, noch einen Mittelapparat einzuschalten, welcher erst das, was von unten 
für zweckmäßig befunden wird, im umständlichen Wege an das Ministerium leitet. Aller- 
dings wird es nicht genügen, dass man ähnliche Organisationen einführt; es wird auch 
nothig sein, dass die Schulen in fachmännischer, entsprechender Weise inspicirt werden 
und dann ist gerade wieder die Einrichtung, wie ich sie mir früher zu skizziren erlaubte, 
das Heranziehen von für diesen Unterricht geeigneten Männern, die natürlichste lnsti- 
tution, um die erforderlichen Inspectoren zu Enden. Nun glaube ich, dass jene Herren, 
welche die Güte hatten, mir aufmerksam zu folgen, wofür ich ihnen sehr dankbar bin, 
gesehen haben, dass es genug rein sachlicher Schwierigkeiten gibt, um diesen Unterricht 
in ein System zu bringen und erfolgreich zu gestalten. - 
Das Folgende und den Schluss der Rede bildet ein Excurs auf das Gebiet der 
Sprachen- und Nationalitltenfrage. 
Hierauf ergreift Abgeordneter Friedrich Sueß das Wort und beklagt die unzu- 
reichende Anzahl von Staatsgewerbeschulen, besonders den Mangel einer solchen im 
Bezirke Sechshaus; er befürwortet die Errichtung einer solchen und sagt zum Schluss: 
Es wurde heute hervorgehoben, dass die Vereinigung der Leitung der gewerb- 
lichen Fachschulen in einer Hand sehr zweckmäßig wäre. Auch ich habe mich in diesem 
Sinne bereits in früheren Jahren ausgesprochen, und zwar für die Unterstellung unter 
das Unterrichtsministerium. lch glaube aber den Wunsch aussprechen zu sollen, dass 
man, so zweckmäßig und wünschenswerth es ware, alle Fachschulen dem Unterrichts- 
ministerium zu obertragen, doch heute sich mit dieser Frage nicht zu beschäftigen hatte. 
Auf ihn folgt Abgeordneter Wiesen burg: Der Rede des Herrn Abgeordneten 
Dr. Haase bin ich mit reger Aufmerksamkeit gefolgt, weil man daraus ersehen konnte, 
welche großen Anstrengungen in verschiedenen vorgeschrittenen Ländern gemacht werden, 
um den fachlichen Unterricht zu pflegen. lch hätte aus vollem Herzen seinem Antrage 
zugestimmt, wenn er nicht beigefügt hatte, er könne sich eine einheitliche Leitung nur 
unter dem Unterrichtsministerium denken. Meine Herren! Das Unterrichtsministerium 
hatte langst Gelegenheit gehabt, eine große Anzahl von Fachschulen zu errichten, es hat 
aber so lange keine größere Initiative ergriffen, bis nicht die Concurrenz des Handels- 
ministeriums entstanden ist. 
lch weiß nicht, ob der Unterricbtsminister in der Lage ist, die Verhältnisse des 
Handels, der Industrie und Gewerbe genügend zu kennen, ich glaube auch, dass der 
jetzige Handelsminister nicht in der Lage ist, das alles vollständig zu kennen, und so 
kommt es, dass diese Institutionen, welche rasch durchgeführt werden sollen, unter der 
Eifersüchtelei zwischen dem Handels- und dem Unterrichtsministerium leiden und darunter, 
dass die obersten Spitzen, welche berufen waren, die Grundideen anzugeben, nicht in 
der Lage sind, die Bedürfnisse ordentlich zu kennen. 
lch kann mir daher eine einheitliche Leitung des ganzen Fachschulwescns nur 
denken -- und ich werde mir erlauben, dies beim Budget des Handelsministeriums genauer 
auszuführen - wenn fachlich gebildeten Leuten der nothige Einüuss gesichert wird. Ich 
mochte daher den Budgetausschuss, dem der Antrag des Herrn Abgeordneten Dr. Haase 
überwiesen wurde, nicht unter dem Eindruck: lassen, dass das Haus schon heute für ein 
bestimmtes Ministerium sich ausspreche, sondern dass es erst der genauen Erwägung und 
Prüfung der Verhältnisse überlassen bleibe, für welche Leitung dieses hohe Haus sich 
später auszusprechen gedenke.
	        

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