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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe XVI (1881 / 189)

BEILAGE 
zu 
Nr. 18g der „Mittheilungen des k. k. Oesterr. Museums". 
Meisterhafte derartige Leistungen weisen Minton's in England auf, 
aber auch unsere bekannte Fayencefabrik Schütz in Cilli steht, was das 
technische Moment dieser Producte betrifft, als Minton ebenbürtig da. 
Aber auch unter der farblosen, durchsichtigen Fayenceglasur lassen 
sich Farben appliciren, ja eine ganze Malpalette schaffen, und das ist dann 
so die rechte und echte Fayencetechnik der Fabrik, von den in diesen 
sogenannten Unterglasurfarben ausgeführten Rändern und Bändern 
an unseren Gebrauchs-Servicen bis zu den Unterglasur-Gemälden, den 
Meisterwerken der Fabriken von Minton in England und in höchster 
Vollendung von Th. Deck in Paris. 
Wenn sich die Fayence in England, ihrem Vaterlande - und sie 
macht dort den Kern der gesammten Keramik aus und hat heute kolos- 
sale Ausdehnung - vornehmlich nach der praktischen Seite entwickelt 
hat, auf technische Vervollkommnungen, harte, feste Massen ausgegangen 
ist, bei ihren Producten immer das Hauptgewicht auf deren praktische 
Verwendung fällt und bei aller Meisterschaft in allen Methoden und vielen 
hochkünstlerischen Leistungen denn doch im großen Ganzen die eigent- 
lrche Fabrication, der geschäftsmäßige Großbetrieb in den Vordergrund 
tritt, so ist in förmlichem Gegensatze dazu bei der heutigen französischen 
Fayence vorzugsweise das Kunstmoment accentuirt. 
Das moderne Babel an der Seine, der große Markt für die Luxus- 
bedürfnisse der gesammten Welt, das zur Befriedigung derselben an 
ro.ooo malende, zeichnende und modellirende Künstler beschäftigt, hat 
auch der Fayence den Charakter seiner Gesammtindustrie aufgedrückt. 
Bei allen Bestrebungen der französischen Fayence tritt die künstlerische 
Tendenz in den Vordergrund; sie gipfelt bei Theodor Deck. Deck macht 
Kunstwerke. Er hat einen Kreis von Künstlern um sich versammelt, 
die seine wunderbar entwickelte Fayencetechnik zur Schalfung von Pracht- 
werken nützen, Werken, wie sie in der Keramik einzig dastehen, Ge- 
mälden, mit denen kein bisheriges keramisches Product einen Vergleich 
aushält. Deck hat, seinern Ziele entsprechend, einen ganz eigenartigen 
Weg eingeschlagen. Eine alkalische, ganz bleifreie Glasur lässt die meisten 
Farbnuancen zu, verschönt und durchleuchtet die Farben am besten. 
Zu dieser Glasur wurden nun die Farben hergestellt und das Thon- 
materiale zugerichtet: eine stark mit Kies durchsetzte Masse, die im 
Formen große Schwierigkeiten machen muss, denn die Schüsseln und 
Gefäße Beck's sind alle massig, schwer, also eigentlich plump. Aber ihm 
kommt es ja nur auf die decorative Wirkung an, was man von Außen 
sieht und prüfen kann, muss vollendet sein. 
VIII. Bd. 1881. ll
	        

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