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Full text: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe XVI (1881 / 189)

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der zinnemailirten Majolika, Palissywaare, der englischen Majolika und 
dem Päte-Email mit dem Namen der Fayence eine Reihe von Producten 
mit durchsichtiger, bleiiger Glasur belegt, farblos und färbig, Avon dem 
veredelten Töpfergeschirr, der Schweizer Majolika, bis zu dem edlen hart- 
glasurigen englischen Steingut, ja noch weiter; eine bleifreie, leicht- 
fllissige Feldspath-, also Porzellanglasur kann ia auch den porösen, trockenen 
Thonscherben decken und die Natur des Scherbens, der Mangel an Durch- 
schein, der leichtere Brand wird das Product noch immer vom Porzellan 
unterscheiden, zur Fayence stempeln. Ein derartiges Product nennen die 
Franzosen derni-porcelaine; solches Gebrauchsgeschirr macht unsere Stein- 
gutfabrik von De Cente in Wiener Neustadt, solches Erzeugniss, zur 
schönen Kanstfayence geadelt, verfertigt Zsolnay in Fünfkirchen. 
Die Zsolnay'sche Fayence hält die Mitte zwischen Porzellan und 
Steingut. Sie ist ein Product der neuesten Zeit. Nirgends so, wie in der 
Keramik kann sich eine Neuheit, wenn sie schön und gediegen ist, so 
rasch Bahn brechen, so reichen Erfolg haben. 1878 trat Zsolnay zum 
ersten Male damit vor das große Publicum, bis heute hat sich seine 
Fabrik auf das Zehnfachevvergrößert, seine Fabricate haben reißenden 
Absatz. 
Eine ganz eigenartig neue Erscheinung, nach technischer Seite be- 
trachtet Vielen ein Räthsel und, wie wir sehen, factisch wieder einmal 
unsere Classiiication über den Haufen werfend, die Scheide zwischen 
Steingut und Porzellan überbrückend. 
Die Masse ist aus mährischem Thone und Fünfkirchner eisenschüssigem 
Sande gemengt und dadurch von schwach gelblicher Färbung, wie altes 
Elfenbein, ein Farbton, der durch die mild glänzende, leichte Feldspath- 
Kalk-, also Porzellanglasur noch sehr gehoben und verschönt wird. Dazu 
der eigenartige Decor. In wenigen Farben stylvoll gehalten, wie es der 
Kunstsinn des Erzeugers und seiner tüchtigen Mithelferinnen, der beiden 
künstlerisch gebildeten Töchter, ermöglicht. Die Farben präsentiren sich 
als wahre Päte-Emaile, erhaben bleibend, aber im Scharffeuer, und zwar 
unter Glasur aufgebrannt. 
Es ist die zähe Feldspathglasur selbst, mit Oxyden versetzt. Nur 
wenige Farben sind da möglich. Es zeigt sich das Grün aus Chromoxyd, 
Cobaltblau, ein Roth aus Eisenoxyd, die sogenannte Pinkfarbe, ein Braun 
aus Eisen und Mangan, ein sehr variirendes Gelb, wohl aus Titansäure und 
die aus Chrom und Cobalt gemischten Blaugrüne. Die Farben haben eine 
gewisse Trübheit, welche ihnen aber gerade eine recht stimmungsvolle 
Tönung gibt, erhöht durch den sichtlich gleichen Charakter von Farbe 
und Glasur, den gleichartigen Schmelz, der das Ganze überzieht. - Es ist 
eine Errungenschaft, auf die die Vaterländische Industrie stolz sein darf. 
Die mannigfachsten Producte haben wir bisnun Revue passiren lassen 
und als Fayence angesprochen; Manches musste unerwähnt bleiben in 
' Berücksichtigung der gegebenen Grenzen. So die berühmte Oiron-Fayence, 
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