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Full text: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe XVI (1881 / 189)

Kunst und Industrie und der damit in Verbindung stehenden Kunst- 
gewerbeschule tüchtige Manufacturzeichner für die Textilindustrie nicht 
nur in künstlerischer Beziehung, sondern auch unter besonderer Berück- 
sichtigung der für dieses specielle Fach nothwendigen technischen Kennt- 
nisse mit thunlichster Beschleunigung ausgebildet werdenm 
Da aber bis heutigen Tages Nichts geschehen ist, diesen Beschluss 
des h. Hauses zur Ausführung zu bringen, erlaubt sich" das Curatorium 
in Nachstehendem nochmals mit einer Petition vor das h. Abgeordneten- 
haus zu treten, und hofft, dasselbe werde auf Grund des schon einmal 
gefassten Beschlusses der vorliegenden Petition seine Zustimmung ertheilen 
und die h. Regierung auffordern, sofort die nöthigen Schritte einzuleiten, 
damit noch im Laufe dieses Jahres die erweiterte Organisation der Gumpen- 
dorfer Manufacturzeichen- und Webeschule durchgeführt und auch Vor- 
kehrungen getrolfen werden, dass zur Ausbildung von Manufacturzeich- 
nern an der Kunstgewerbeschule des k. k. Oesterr. Museums durch Ver- 
leihung von Stipendien für den künstlerischen Nachwuchs an artistisch 
gebildeten Kräften für die Textilindustrie vorgesorgt werde. 
Die Manufacturzeichen- und Webeschule in Wien, welche von mannig- 
fachen Schicksalen heimgesucht, seit dem Jahre 185g im Gemeindehause 
des VI. Bezirkes als Fachschule untergebracht ist, steht nun - Dank 
der Munificenz der Gemeinde Wien - auf dem Punkte, in Räumlich- 
keiten übersiedeln zu können, die nicht wie die bisherigen als die Ent- 
wicklung der Schule hemmende, sondern deren Umgestaltung zu einer 
Musterlehranstalt im hohen Grade begünstigende bezeichnet werden können. 
Die Commune Wien hat dieser Schule gelegentlich des von ihr 
durchgeführten Neubaues der Oberrealschule in der Marchettigasse Nr. 3 
ein an dieselbe anschließendes Gebäude gewidmet, welches speciell in den 
für die Zwecke der Manufacturzeichen- und Webeschule gehaltenen Di- 
mensionen den weitgehendsten Anforderungen entspricht. 
Es handelt sich nun darum, die Einrichtung der Schule mit dem 
ihr zugewiesenen Raume und mit dem Zwecke, zu welchem sie überhaupt 
besteht, in richtigen Einklang zu bringen. 
Man darf nicht außer Acht lassen, dass Wien den Knotenpunkt des 
Verkehres in jenem Erwerbszweige bildet, dass Wien die Centralstelle ist, 
von welcher aus die Dispositionen an die Fabriken in den übrigen Län- 
dern Oesterreichs ergehen, dass es der Sitz einer alle Zweige der Kunst- 
weberei umfassenden Industrie ist, so dass der in Wien ausgebildete 
Schüler Gelegenheit zum innigsten Contacte mit der mannigfaltigsten 
Praxis genießt und somit eine mehrseitigere Ausbildung erlangen kann, 
als dies anderwärts der Fall ist, die großen speciell entwickelten Fabriks- 
centralpunkte des Auslandes nicht ausgenommen; dass sich somit in Folge 
jener Ausbildung das Fortkommen der hier ausgebildeten, sich der ln- 
dustrie widmenden Kräfte nicht an einzelne specielle Branchen knüpft, 
sondern dass denselben vielmehr gestattet ist, ein größeres Feld zu durch-
	        

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