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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe XVI (1881 / 189)

lnstituts, dem die heutige Generation der Wiener Textil-Industriellen ihre 
Ausbildung verdankt und dem somit ein wesentlicher Antheil an dem 
heute noch so maßgebenden Bestande unserer Textilindustrie zuzuschreiben 
ist. Aus dieser Schule entstand die Gumpendorfer Zeichen- und Webe- 
schule, zu welcher der Staat nun einen Jahreszuschuss von 1500 fl. 
leistet. Es ist kein Wunder, wenn unter diesen Umständen die Schule 
zu keiner sonderlichen Entwicklung gelangen konnte; es ist vielmehr ein 
Wunder, dass sich dieselbe überhaupt fortfristete, und dass letzteres der 
Fall war, ist nur der Aufopferung Einzelner, namentlich der thätigen 
Fürsorge der Gewerbeschul-Commission in Wien zu danken, welche die 
Schule nicht sinken ließ. 
Die Gemeinde Wien hat das Möglichste gethan, ja selbst mehr, als 
weitgehende Forderungen beanspruchen konnten. Sie hat ein Gebäude 
hergestellt, welches nahezu 70.000 fi. kostete; sie widmete für Einrich- 
tungen r3.ooo f1., worunter die Kosten für einen Motor von sechs Pferde- 
kräften zum Betriebe der mechanischen Stühle inbegriffen sind, indem 
sie von der richtigen Ansicht ausging, dass, wenn die Schule in das neue 
Haus einziehen werde, dieselbe den Bedürfnissen der Jetztzeit entsprechend 
dotirt werden müsste. 
Obschon nun seit Jahren die Voranschläge erörtert wurden, so ist 
doch von maßgebender Seite für die Bedeckung keine Vorsorge getroffen 
werden; es wird somit, wenn nicht durch eine energische Action des 
hohen Hauses Hilfe gebracht wird, der kaum für möglich zu haltende 
Fall eintreten, dass die Schule mit alten, theilweise unbrauchbaren Hilfs- 
mitteln in's neue Haus übersiedelt, dass die Opfer der Gemeinde Wien 
umsonst gebracht, dass der Motor umsonst angeschafft sein wird, weil 
die Stühle nicht da sind, die er in Bewegung setzen soll. 
Aber nicht die Einrichtung der Schule allein weist so tief einschnei- 
dende Mängel auf - ihr Bestandist es, der zu den ernstesten Besorg- 
nissen Anlass gibt. Die 1500 H. Staatsbeitrag befinden sich im Extra- 
ordinarium; die Lehrkräfte sind nicht dauernd angestellt. So lange hierin 
keine Aenderung eintritt, wird sich kein Lehrer so ausschließend der 
Schule widmen, wie dies geboten erscheint; den Umstand vor Augen, 
dass die Existenz der Schule nur eine temporäre ist, können die Lehrer 
ihre Thätigkeit an derselben nicht als Hauptaufgabe betrachten. Einem 
tüchtigen Webelehrer steht jederzeit lohnendere Carriere im Dienste der 
lndustrie in Aussicht; die Liebe zur Sache hat ihre materiellen Grenzen. 
Wenn nun die Unsicherheit seiner Stellung bei geringerer Entlohnung 
eine größere ist, als dies je bei einer Privatanstellung der Fall wäre, so 
ist kaum zu helfen, dass tüchtige Lehrkräfte dauernd gefesselt und dass 
sie sich der ihnen zugemutheten Aufgabe ausschließend zu widmen ge- 
sonnen sein werden.
	        

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