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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe XVI (1881 / 189)

gerichtete Modellirungs- und Zeichenschule in einer Weise prosperirt, dass die gesammte 
industrielle Bevolkerung ihre Freude daran hat. 
Der Freude an den Erfolgen dieser Schule ist es auch zu danken, dass die Stadt 
Gablonz freiwillig für die unter dem Unterrichtsminisrerium stehende Zeichen- und 
Modellirungsschule ein eigenes Haus mit bedeutenden Kosten -- wenn ich nicht irre, für 
40.001: fl. -- zu bauen sich entschlossen hat. 
. Gehen Sie nach Reichenberg! In Reichenberg wurde das Statut für eine seit Jahren 
dort bestehende, von der dortigen Tuchmachergenossenscbaft eingerichtete, mit schweren 
Opfern erhaltene Webeschule, sowie auch das Statut für die mit dem Gewerbemuseum 
verbundene und gut besuchte Fachzeichenschule durch das Handelsministerium vollständig 
aufgehoben. Seit zwei Jahren wartet man in Reichenberg auf das Herablangen des in 
Aussicht gestellten neuen Statutes. Es ist möglich, dass dasselbe vielleicht in diesen Tagen, 
das heißt innerhalb der letzten vier oder fünf Tage, herabgelangt ist, aber vor acht Tagen 
wusste man in Reichenberg von einem neuen Statute noch nichts. 
Sehen Sie sich in Eger um. Die Handels- und Gewerbelrammer von Eger, also 
eine Institution, welche dem Handelsamte untersteht, hat durch ihren Abgeordneten, den 
verehrten Herrn Dr. v. Plener, dieser Tage eine Petition im Abgeordnetenhause ein- 
bringen lassen, in welcher die Kammer sagt (liest): 
v-Die ergebenst Gefertigte braucht nicht erst besonders darlegen zu sollen, dass die 
von den beiden Ministerien bisher verfolgten verschiedenen Richtungen der gewerblichen 
Aus- und Fortbildung, soweit sie begründet, bei der Vereinigung des gewerblichen 
Unterrichtswesens in einem Departement zur Geltung kommen können, dass dann ersr 
die Möglichkeit gegeben ist, nach Bedarf der Gewerbe einer Stadt oder eines Bezirkes 
eine staatliche Gewerbeschule entsprechend zu gestalten und zu entwickeln, die grund- 
legenden allgemeinen Facher gemeinsam zu behandeln und der technischen Ausbildung 
Unterabtheilungen für einzelne Gewerbe berechnet, zu widmen, die Lehranstalt im Ganzen 
aber einer Direction zu unterstellen und damit nicht blos an Kosten zu ersparen, sondern 
auch die Frequenz und die Erfolge der Schule zu sichern.- 
So weit die Petition. Glauben Sie aber etwa, meine Herren dass die Egerer Handels- 
kammer die Vereinigung des gesammten gewerblichen Unterrichtes im Ressort des 
Handelsrninisteriums wünscht? 
Ganz besondere Verhältnisse walten in Bielitz ob. Dort bildete sich im Jahre 1865 
eine Webeschule, und zwar dadurch, dass einige tüchtige, strebsame Meister sich ver- 
einigten und von einem tüchtigen Webelehrer, den sie selbst aus ihren schwachen Mitteln 
bezahlten, sich in der höheren Weberei Unterricht ertheilen ließen. Das waren die An- 
fange. Die Schule fand bald Anklang und Unterstützung, sie prosperirte, und im Jahre 
t874[75 wurde sie vom Handelsministerium übernommen. Nichtsdestoweniger wird sie 
von einer ganzen Reihe von Corporationen, so vom schlesischen Landtage, von der 
schlesischen I-Iandels- und Gewerbeltammer, von der Commune Bielitz, von der Commune 
Biah, von der Bielitzer und der Bisher Tucbmachergenossenschaft mit im Ganzen 1450 H. 
subventionirt. 
Es besteht ein Schulausschuss, welchem die Anstalt unmittelbar untersteht, welcher 
aus dem Vorsitzenden des Bielitz-Bialaer Gewerbevereines, zwei Delegirten der Bielitzer, 
einem Delegirten der Bialaer Gemeindevertretung und den Vorstehern der Bielitzer und 
der Bialaer Tuchmachergenossenschaft besteht. 
Man sollte bei dem lebendigen Interesse, welches für die Anstalt dort vorhanden 
ist, glauben. dass das Handelsamt die Wünsche und Bedürfnisse der gewerbetreibenden 
Bevülkerung berücksichtigen würde. Aber wie geschieht dies? In der Art, dass beispiels- 
weise ein sehr tüchtiger Webelehrer, welchen sich die Industriellen seinerzeit selbst 
gesucht haben, für dessen Anstellung sie auch bei der Uebernahme der Schule in die 
Staatsobsorge einstanden, gegen den Willen, gegen die Bitten, trotz der Proteste der 
Gewerbetreibenden einfach von dort weggenommen und anderswohin versetzt wurde. 
Als Ersatz erhielten sie einen jungen, zwar wackeren und strebsamen Mann, der zwar 
zu schonen Holfnungen berechtigt, aber seinem Vorgänger lange nicht gleichkommt. So 
geschah es denn, dass sßmmtliche Corporationen, welche die Webeschule bisher unter- 
stützten, heute feierlich erklären, dass sie die Subvention, welche sie derAnstalt gewidmet 
haben, derselben ferner nur unter der Bedingung zuwenden wollen, dass die Webe- 
schule aus dem Ressort des Handelsministeriums in das des Unterrichts- 
ministeriums übertragen und insbesondere, dass sie mit der in Bielitz bestehenden 
Staatsgewerbescbule vereinigt wird. 
Die Grunde für diese Vereinigung liegen auf der Hand. Es unterrichtet an der 
Webeschule ein und derselbe Lehrer in der Maschinenkunde, im Zeichnen und in der 
Weberei. Nun steht aber die Textilindustrie heute auf einer so hohen Stufe, dass ein 
Lehrer, welcher dem Unterrichte in diesem einen Fache tüchtig vorsteht_ unmöglich auch 
noch ein ausgezeichneter Lehrer im Zeichnen und in der Maschinenkunde sein kann; 
hingegen gibt es Lehrer für das Zeichnen und die technologischen Facher an der Gewerbe-
	        

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