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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe XVI (1881 / 195)

Fachschulen. Nur verabsaume der Lehrer nicht, seine Aufgaben möglichst aus praktischen 
Beispielen herzuleiten und übersehe dabei nie gebotene gute Formen , um das Auge der 
Schüler an dieselben zu gewöhnen. 
lV. 
Was die Darstellungsweise selbst anlnngt, so ist schon im Lehrplane wiederholt, 
ebenso wie auf das Vorhergehende so auch darauf hingewiesen worden, dass dieselbe 
thunlichst mit einfachen Mitteln zu geschehen habe. 
Wo z. B. zur Unterscheidung von Schlag- und Halbschatten Tone anzulegen sind, 
eschehe dies in einfacher Weise entweder durch Strichlagen mit blassem Tusche oder 
durch Ueberlegen der Flache mit Tusch oder mit Sepia. 
Die Darstellungen seien nur ein Mittel zur Erreichung eines Zieles und nie 
Selbstzweck. 
Die Auswahl von reich decorativ ausgestatteten Beispielen aus kunstgewerhlichem 
Gebiete und ebenso die malerische Wiedergabe von Gegenständen soll jedenfalls unter- 
bleiben, da dies zu den Lehrgegenständen der Fachschulen gehört. 
Lehrplan 
für den Unterricht im technischen Zeichnen an der Kunstgewerbeschule 
des k. k. Oesterr. Museums für Kunst und Industrie. 
Lehrziel. 
Als Lehrziel gilt: Technische Sicherheit in der Handhabung sowohl der recht- 
winkligen, als auch der Schatten- und der perspectivischen Proiection zur praktischen, 
möglichst zeitsparenden und gefälligen graphischen Darstellung technisch-kunstgewerb- 
licher Objectu. 
Erster Jahrgang. 
(Wöchentlich zwei Vortrags- und vier Zeichen-Llebungsstunden.) 
Derselbe umfasst zunächst als vurbereitender Theil eine kurze Belehrung über die 
in Betracht kommenden Elemente der geometrischen Cnnstructionslehre, dann als Haupta 
stück die Proiectionslehre mit Ausschluss rein theoretischer Deductionen und unter 
steter Rücksichtnahme auf die technisch-künstlerische Praxis. 
a) Allgemeine geometrische Constructionen, z. B. Theilungen von Linien und Win- 
keln, Kreistheilungcn, Constructionen von Vielecken, Uebertragungen von Winkeln 
und Vielecken, Constructionen von Ellipsen und Spiralen, Gebrauch von Maßstäben. 
b) Allgemeine Grundsätze über die Gewinnung projectivischer Bilder auf einer und 
auf zwei Bilclebenen. 
c) Rechtwinklige Proiecrion des Punktes, der Linie und Ebene auf zwei, höchstens 
drei Proiections-Ebenen (Grundriss, Aufriss, Profil), mit besonderer Rücksicht auf 
praktische Verwendbarkeit der Aufgaben und ebenso mit Hervorhebung jener Fälle, 
die in der Schattenlehre und Perspective maßgebend sind. 
d) Rechtwinklige Projection, mit vorhergehender Erläuterung der Pyramiden, Prismen, 
Kegel und Cylinder in den verschiedensten Lagen zu den Projections-Ebenen neben 
Schnitten und Netzen dieser Kbrper, stets mit Betonung aller jener Momente, welche 
bei der Darstellung architektonischer und kunstgewerblicher Objecte sowie ihrer 
Details später verwerthet werden können 
e) Entstehung und Darstellung der Rotationskörper, namentlich Kugel, Ellipsoid, Wulst 
und Einziehung. Ebene Schnitte an dieselben und soweit möglich annäherungs- 
weise Abwicklung von Theilen der Oberflächen. 
f) Zusammenstellungen und Durchdringungen der obgenannten ebenflächigen und runden 
Körper u. zw. in solchen Combinationen, wie sie die kunstindustrielle Praxis am 
häufigsten aufweist. 
Die Durchführung der Aufgaben hat mit unbedingtem Ausschlusse aller zeitrau- 
benden Methoden und Constructionen zu geschehen; die Darstellung an und für sich 
mit einfachen Mitteln.
	        

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