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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe XVII (1882 / 196)

 
zahlreiche Arbeiten hinterlassen. Ersterer war Doctor der Theologie und 
Philosophie und bezeichnete seine Arbeiten in der Regel auch mit diesem 
Titel "vor seinem Namen. Er malte vorzugsweise Landschaften, und zwar 
in einer äußerst delicaten, an Porzellanmalerei erinnernden Manier. Wir 
finden im Museum mehrere Arbeiten von seiner Hand, acht Bilder auf 
runden Platten. Sechs davon sind bezeichnet: wDr. F. A. Grue f.- oder 
vpJl, eines: wDr. F. A. X. Grue Pm und eines: "Dr. F. A. G. f.c Das 
erste (Schr. 32, 3. Reihe von oben) zeigt eine Landschaft mit ruhendem 
Ziegenhirten im Vordergrunde, das zweite stellt den Tod des Adonis, das 
dritte Venus und Adonis dar. In der untersten Reihe befinden sich fünf 
Arbeiten: Zwei reizende Städteansichten mit Staffage, zwei kleinere Rund- 
bilder, ländliche Scenen dgrstellend, und ein größeres mit Landschaft und 
amphitheatralischern Bau in der Mitte. 
Francescantonids jüngerer Bruder Liborio pflegte namentlich die 
ligurale Richtung. Eine interessante Arbeit von ihm ist eine Fayenceplatte 
unserer Sammlung (Schr. 3x, Nr. 9) mit einer Copie nach Tizian's soge- 
nannter nKirschenmadonnaß). Sie ist bezeichnet in der linken Ecke des 
Bildes: LT}?! (Titianns fecit. Liborius Grue imitatus est.) Daneben sehen 
wir ein kleines gekröntes Wappen, wie es als Fabrikszeichen von Castelli 
in verschiedenen Variationen vorkommt a). - Ein Vergleich mit dem Bilde 
Tizian's zeigt, dass auf unserer Fayence neben mehreren anderen Abände- 
rungen namentlich jener durch die Palette bedingten, von den Gestalten des 
heil. Josef, Zacharias und Johannes mehr zu sehen ist, als auf dem Original, 
dass der Hintergrund der Madonna durch eine Mauer gebildet wird an Stelle 
des Vorhanges, und dass endlich rechts noch die Figur der heil. Elisabeth 
hinzugekommen ist. Die Ansicht llg's '), dass diese Veränderungen eine freie 
Erfindung Liborio's sind, können wir nur bestätigen. Die Vermulhung 
dagegen, dass dieselben mit dem ursprünglichen Zustande des Bildes, wie 
er gelegentlich der Restaurirung desselben zu Tage trat, etwas gemein 
haben, widerlegt der Vergleich mit der Copie der Untermalungä). 
Eine kleine längliche Fayenceplatte mit Landschaft (Schr. 3x, Nr. 8) 
rührt ebenfalls von einem Maler aus dieser Familie her. Auf der Rückseite 
linden wir aber vor dem Namen Grue ein Monogramm, das eine Com- 
bination von I und L zu sein scheint, wie sich in keinem Markenverzeich- 
nisse eine ähnliche findet. -- Von allen übrigen Fayencen Castelli's ist nur 
eine noch näher bezeichnet, und zwar ebenfalls eine Platte mit Landschaft. 
(Sehr. 32, 2. Reihe, 7. Tafel.) Sie trägt auf der Rückseite die lnschrift: 
i-Fecit anno Domini MDCCXVlI Candeloro Cappeletti terra castellovam 
') Geschenk der Fruu von Schwarz in "Vliyen. . _ 
') Vergl. Chalfers Marcs and Monograms on pouery. 4 edit. 1874 p. 166. 
') 'Tiziun's Kirschenmadonna auf einer Majolikaw Beibl. zur Zeitschrift für bild. 
Kunst, Xll. Jahrg. Nr. 38. 
s) Siehe: uDie graphischen Künäteu, llI. Jahrg S. '79 1T.
	        

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