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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe XVII (1882 / 197)

Weise des Plafonds (selbst der besten Renaissance) auf den Fußboden und 
seine farbige Bedeckung zu übertragen. 
Was die deutschen Teppiche von den englischen unterschied , das 
war nicht sowohl der andere Charakter in der Zeichnung als im Colorit. 
Die Zeichnung erwies sich durchgängig Hach und stilvoll, aber die Farbe 
entbehrte jeglichen Reizes. Die Farben traten wie Flecke heraus, nicht 
wie Theile einer Harmonie. Ein großer Teppich von Paatz in Berlin 
war in dieser Beziehung sehr lehrreich; er war matt und gedämpft ge- 
halten und doch unruhig; die weißen Contouren verwirrten das Auge. 
So auch die anderen Teppiche desselben Fabrikanten und die der übrigen. 
Nicht einer, der wirklichen Reiz darbot. 
Und wie die Teppiche, so dasjenige was die deutschen Fabrikanten 
sonst an Möbel- und Decorationsstoffen oder an anderen Wollgeweben, 
wie Bett- und Reisedecken gesendet hatten. Die Möbelstolfe von dem- 
selben Paatz in Berlin waren stilvoll in der Zeichnung und enthielten 
zum Theil hübsche Farben, aber diese waren so vertheilt und durchein- 
andergebracht, dass die Wirkung für das Auge durchaus unruhig und i 
flimmernd erschien. Blankets und sonstige Decken von Greve 8a Uhl in 
Oesterode am Harz oder von Paul Förster in Glauchau waren wiederum 
sehr farbig, blitzend in Blau, Roth und Weiß, aber auch eben bunt und 
grell, wie es sonst und überall deutscher Farbengeschmack gewesen. Die- 
selbe Wahrnehmung, die wir in Stuttgart bei den reich ausgestatteten 
Gemächern gemacht haben, erwies sich hier in London in Allem, was 
Deutschland gesendet hatte, vollauf bestätigt. 
Ganz von anderer Art waren wiederum die englischen Wand- und 
Möbelstotfe, deren Maple in einem seiner bereits erwähnten Gemächer 
eine gute Collection ausgestellt hatte. Sie waren bei weitem blumiger in 
Zeichnung und Farbe als die deutschen, folgend etwa den blumigen Stollen 
des siebzehnten Jahrhunderts, daher auch farbiger, und dennoch waren 
sie ruhiger, und weil ruhiger, auch edler und vornehmer. 
Zwar nicht alle die reichen, zum Theil ausserordentlich kostbaren 
Gemächer, welche das große Fabriks- und DecorationsEtablissement von 
Maple 8t Co. zur Ausstellung gebracht hatte, trugen diesen Charakter 
edler Vornehmheit. Widersprüche und Bizarrerien ließen den englischen 
Geschmack. der sich sonst in eigenen Wegen bewegt, doch Irrthümern 
und Unklarheiten verfallen erscheinen. So eines der beiden Schlafzimmer, 
dessen Wände mit breitgestreiften Stoffen bedeckt waren. Obwohl nun 
die Farben dieser Streifen stark gebrochen waren, konnte ein ästhetisch 
emptindendes Auge doch über die allgemeine Unschönheit solcher Streifen- 
decoration nicht hinwegsehen. Ein zweites Schlafzimmer, in welchem 
man von lichtblauer Seide umleuchtet war, legte ebenfalls kein gutes 
Zeugniss für den Farbensinn der englischen Decorateure ab. 
Weniger konnte man diesen Vorwurf dem eigentlichen Salon machen, 
der selbst viel Schönes und auch coloristisch Feines enthielt, trotzdem er
	        

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