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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe XVII (1882 / 197)

deckung geradezu zu einer Fortsetzung dieses soliden Materials auch 
über die Traufe hinaus einladet. Den Umstand, dass während der Blüthe- 
zeit der griechischen Kunst die Verkleidung der Steingeisa mit Terra- 
cotten nicht mehr angewendet wird, sondern ausnahmslos der einfachen 
Verputzung des Steines Platz macht, können wir nicht als schlagenden 
Beweis, dass eine technische Nothwendigkeit für eine solche lncrustation 
beim Steinbau nicht vorlag, erkennen. Der poröse Stein musste geschützt 
werden und vor allem an der am meisten ausgesetzten Stelle, ob mit 
dem einen oder anderen Mittel ist ganz gleichgiltig, wenn nur beide 
der Technik entsprechen; und wenn man später zur Ueberzeugung 
kam, dass eine Verputzung an dieser Stelle dieselben Dienste leiste, dann 
wird hierzu die Einführung der Steinziegeldeckung an Stelle der Thon- 
ziegeldeckung wie die daraus hervorgegangene Bildung auch der Sima 
aus Stein d. i. die volle harmonische Bildung des ganzen Baues aus einem 
Materiale vielleicht das Meiste beigetragen haben. Die Verfasser sagen nun 
weiter: nEine historische Erklärung für dieses Verfahren lässt sich da- 
gegen leicht geben, wenn wir annehmen, dass sich der dorische Styl aus 
dem Holzbau entwickelt hat .  Ist der dorische Bau ursprünglich ein 
Holzbau gewesen, so war für diesen eine Verkleidung des Dachgesimses 
mit Thonplatten nicht nur rathsam, sondern fast unentbehrlich. Die aus 
Holz hergestellten Architrave und die Kopfenden der Deckbalken, die 
Triglyphen, konnten außer durch einen Farbenüberzug durch das von 
den weit ausladenden Sparren gebildete Gesimse gegen die directen Strahlen 
der heißen Mittagssonne und gegen den Schlagregen einigermaßen ge- 
schützt werden. Das Geison selbst aber war der zerstörenden Wechsel- 
wirkung der Witterung preisgegeben. Dieses konnte nun entweder durch 
weit ausladende Traufziegel und bei Anwendung gebogener Dachziegel durch 
besondere mit schräger Unterschneidung versehene Thonplatten oder am 
sichersten durch vollständige Verkleidung seiner verticalen Vorder- 
fläche mit Thonkasten geschützt werden. Die letztere Construction würde 
am einfachsten in der Weise hergestellt, dass man über die Sparrenköpfe 
dreiseitige Kasten aus Terracotta schob und sie an die Sparren vermittelst 
eiserner Nägel festhafteteu. 
Es ist uns nicht klar, ob die Verfasser hier an ein wirkliches hölzernes 
Geison mit weit ausladenden Sparren , die oben abgedeckt sind, denken oder 
ob sie, wenn sie von einem hölzernen Geison sprechen, ein der Form der 
Steingeisa nachgebildetes hölzernes Gesims meinen; fast scheint uns aber 
das letztere der Fall zu sein, denn das Erstere angenommen, müsste 
gerade dieses aus der Holzconstruction hervorgegangene Sparrengesims 
durch dessen Abdeckung dem einfallenden Regen gar nicht ausgesetzt 
sein und viel weniger Schutz bedürfen als das Gebälk. Außerdem darf 
man wohl die Frage aufwerfen, wo denn die verticale Vorderiläche eines 
Sparrengesimses zu suchen ist, sobald dasselbe nicht als Nachbildung 
eines Steingeisons gebildet ist. Die Bekleidung des Sparrenwerkes mit
	        

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