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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe XI (1876 / 135)

Die gegenwärtigen Aufgaben der Verwaltung des artistischen Bildungswesens. XI 
So scheint seit einigen Jahren an hundert Puncten vorgearbeitet für eine 
Action in grossem Style. Dieser ersten vorbereitenden Entwicklnngsperiode ward in 
der Münch e ner Ausstellung ein Markstein gesetzt. Mit ihren mächtigen Anregungen 
eröffnete diese Ausstellung wol zugleich eine neue Epoche; unter ihrem Eindrucke 
wird, wenn nicht alle Zeichen trügen, schon demnachst Durchgreifendes 
in Deutchland geschehen. 
Fragt man nun, welche Erfahrungen des Auslandes die deutschen Bestrebungen 
bisher hauptsächlich gefördert, welche Leitsterne sie bis zu dem heute erreichten 
Marksteine geführt haben, so wird die Antwort zu Österreichs hohem Ruhrne lauten 
müssen. Denn - in England durch Prinz Albert in's lieben eingeführt-hat auf 
dem Continent die grosse Culturidee erst Körper angenommen durch eine hoch- 
herzige Entschliessung Sr. Majestät des Kaisers: durch die mit Allerhüchstem Hand- 
schreiben vom 7. März 1863 angeordnete Gründung des österreichischen 
Museums für Kunst und Industrie in Wien. 
Wie immer auch die Entwicklung der schönen Industrie sich von nun an in 
Mitteleuropa zu Österreichs Gunst oder Üngunst gestalte - ein stolzes Denkmal 
bleibt ihm in der Culturgeschichte des Jahrhunderts aufgerichtet durch diese 
vor zwölf Jahren ergriffene Initiative. Doch darf die Unterrichtsverwaltung die 
Hoffnung aussprechen, dass nicht bloss dieser geschichtliche Name, sondern auch 
die gegenwärtige Führerstgllung dauern wird, wenn heute gleich starke Thatkraft 
und gleich klare Einsicht das damals Begunnene fortführt und vollendet. 
Denn den neuen organisatorischen Arbeiten kommt es zu Statten, dass Sie 
mit Selbstvertrauen unternommen werden dürfen. Ein Rückblick auf die 
Entwicklung der letzten zwölf Jahre lehrt, dass die österreichischen Organisatoren 
von Anfang an von den richtigen Gesiehtspunrten ausgegangen sind. lrrungen in 
den Grundsätzen haben sie zu vermeiden gewusst. Wie viel diess sagen will 
in einer so grossen, culturgeschichtlichen, von mannigfaltigen nationalüconomischen. 
kunstwissenschaftlichen und pädagogischen Gesichtspuncten beherrschten Frage, 
dessen wird man sich Angesichts glücklicher Ergebnisse erst voll bewusst durch 
vergleichende Reflexion. Man erinnere sich nur der testenden Unsicherheit. mit 
welcher in Deutschland seit zehn Jahren nach dem rechten Pfade gesucht wurde, 
und beobachte, wie dort neuestens die Schritte um so fester werden, je mehr sie 
den Fusstapfen der vorausgegangenen österreichischen Organisatoren folgen. 
So ist denn diesen Organisatoren nicht bloss Selbstvertrauen gestattet; sie. 
die sich damals selbst als die ersten jenen hYeg geführt haben, sie besitzen heute 
auch ein gutes Recht auf das öffentliche Vertrauen für ihre neu bevorstehen- 
den Arbeiten; für Arbeiten, die unter geklärteren Verhältnissen zu unternehmen 
sind und für die bestiinmtere Bürgschaft des Erfolges geleistet werden kann, als 
seinerzeit bei jenen ersten Schritten. Denn damals fehlten Erfahrungen und ltlass- 
stahe zur Beurtheilung der beginnenden Organisation. So richtig viele Gebildet:- 
den Niedergang aller Kunst im Gewerbe und die allgemeine Verderbniss des 
Geschmacks empfanden, so sehr sich das von launische-in Modewechsel ermtidete 
und an Schönheit verarmte Zeitalter über sich selber hinaussehnte, so regte sich 
doch nur in Wenigen jenes edelste Unbehagen, das der erneuernden That.
	        

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