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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe XI (1876 / 135)

Die gegenwärtigen Aufgaben der Verwaltung des artistischen Bildungswesens. XVII 
Unter den von dieser Schule nach München gesendeten Arbeiten verdienen 
namentlich die trefflichen Leistungen der Fachschule für _Kupferstecher-, Gravir-, 
Lithographir- und Holzschneidekunst auszeichnende Hervorhebung. ' 
Zu bedeutenden Erwartungen berechtigt die königlich sächsiche Kunstgewerhe- 
schule in Dresden. ') Hervorgegangen aus der 1865 gegründeten Schule für 
Mpdelliren, Ürnament- und Musterzeiclinen, in seiner jetzigen Gestalt erst seit 
Ostern 1876 in Wirksamkeit, verfügt dieses Institut bereits gegenwärtig über neun 
Lehrkräfte. Ein Kunstgewerbemuseum. welches der Sehuldirection unterstellt ist, 
bietet dem Ünterrichte mustergiltige Lehrmittel. Der Director der Anstalt, Architekt 
Q- Graff, welcher in mehrjährig-cm Aufenthalte in Wien sich über die dsselbst 
bestehenden Einrichtungen zu orientireu in der Lage war und die so gesammelten 
Erfahrungen bei der Organisation des Dresdener Institutes in der Tlmt W 
verwerthen scheint, dürfte die Entwicklung der Schule in gesicherte Bahnen leiten. 
Es kann kaum bezweifelt werden, dass Sachsen, welches den hohen Stand 
seiner Industrie nicht zum geringen Theile einem ausgezeichneten technischen 
Schulwesen dankt, auch seinem Kunstgewerbe durch tüchtige Unterrichtseinrichtungen 
eine der ersten Stellen in der Production Deutschlands sichern wird. 
Seit längerer Zeit als in Sachsen sind in Baiern die kunstgewerblichen 
Bestrebungen lebendig. Für ihre natürliche Kraft spricht die Thgtggchp, dass die 
bairische Bevölkerung selbst die Initiative muthig ergriffen hat für das bedeutendste, 
in diesem Jahrhundert erlebte knnstindustrielle Unternehmen Deutschlands, für die 
M ünc he ner Ausstellung. Baiern hatte den geschichtlichen Beruf zu solcher Initiative. 
Sein heutiger Staatsverband umfasst jene grossen Reichsstädte, die Sitze deutschen 
Knnstdeisses früherer Blüthezeiten. unter seinen Bürgern leben Nachkommen jener 
alten Meister und auf seinem Boden hatten sich auch im I9. Jahrhundert die 
Wiedererwecker deutscher Kunst zusammengefunden. 
Dieses höhere Kunstleben hat aber seine aussetzenden Pulse. Die Epoche, wo 
in der bairischen Hauptstadt Architektur, Plastik und Malerei sich zu gross 
gedachten Werken zusammenschlossen, ist abgelöst worden von einer Periode, 
deren künstlerische Strebungen sich in der Kleinmalerei cnncentriren. Die Akademie, 
die für Schwind, Kaulbach und Ramberg noch keinen Ersatz gewonnen, findet 
ihre Kraft nicht im Zusammenwirken der drei grossen Künste, sie ist fast nur mehr 
Malerschule und auch diese mit einseitig coloristischer Richtung. So hat die heutige 
Münchener Kunst vorwiegend den Bedarf von Kunsthnndel und Knnstvervinen im 
Auge, und der tiefere Grund solchen Rückganges der grnssen Kunst muss 
m- Für M ßlefßi, B) Üfllßmvnb, Blumen- und Tliiernrsler (Fschschule für Mnsterzeichner etc.)- 
b) Zeichnen und Malen figursler Gegenstände (Fmnhschnle fur graphische Künste). -- A k ad e m i s c he 
Ateliers zur Ausführung selbständiger Kunstwerke in Malerei und Plastik. - Hilfswissen- 
sch nft en: Ornamente, Formen- und Styllehre, Perspective, Gefxsslehre der Antike und Renaissance, 
Archäologie , Kunstgeschichte nnd Anatomie. - Lehrer und Professoren: 11 ; Schüler: 180. 
') Die Organisation der königl. Kunstgewerbeschule in Dresden bezweckt: 
a) Aushildnng selbständiger Dessingteure, b) künstlerische Bildung von Industriellen und 
Kunsthandwerkern , n) Heranbildnng von Zeichnen: und Fachlehrern. Die Schule verfällt in 
Vorschule und 4 Fachschulen: Architektur, Bildhauerei, decoranive Malerei und Lehrerahtheilung. 
Lehrer und Professoren: 9; Schüler: 52. 
9.
	        

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