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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe XI (1876 / 135)

Die gegenwärtigen Aufgaben der Verwaltung des anismischen Bildungswesens. XXVII 
wird in allen Classen die Theilnahme am Unterrichte gestattet. Der Andrang zu 
den Vorbereitungsclassen ist so gewachsen, dass in neuerer Zeit die Zahl der aus 
Classe 2. Ornament-Zeichnen und Formenlehre erweitert und vervollständigt 
die zuletzt genannten Übungen der vorhergehenden Classe und hat die Aufgabe mit den Zeichen- 
übungen zugleich den Schülern einen Überblick über das Gesammtgebiet der Ornamentik zu 
gewähren. Dauer des Cnrses ebenfalls l Jahr. 
Zum Eintritt in_Cla.sse 2 ist Versetzung aus Classe 1 oder Nachweis einer entsprechenden 
Befähigung erforderlich. 
Die auf die elementare Stufe folgenden Classen entwickeln sich nicht in einer unterbrochenen 
Reihe weiter, sondern gliedern sich in drei Gruppen derart, dass der Schüler sich immer nur 
einer dieser Gruppen anzuschliessen braucht, jennchdem in seinem gewerblichen Fache die 
Architektur, die Malerei oder die Plastik vorwiegend zur Anwendung kommt. 
Die erste Gruppe besteht ans den Classen 3 und 4. 
Glosse 3. Gebundenes Zeichncnlund Projectionslehre knüpft an die Grund- 
züge der beschreibenden Geometrie, wie sie in Classe l gelehrt werden sind, an und behandelt, 
soviel als möglich nach Quartalen gesondert, die gerade Parallel-Projection, die Perspective- und 
die Schztten-Construction. 
Ulasse 4. Architektonisches Zeichnen hat die Darstellung der architektonischen 
Ordnungen der Griechen und Römer zur Hauptaufgabe. 
An die classischen Vorbilder des Alterthnms schliessen sich später die Bogenstellungen der 
Renaissance und die Anordnung ganzer Faqaden nach Motiven von dm italienischen Palastbauten an. 
Die 2. Gruppe - für solche Schüler bestimme welche sich malerischer Darstellung zu- 
wende: - umfasst sechs Classen deren Reihe von 
Clusse 5„Gyps-Zeichllel1 (Ornamente) eröffnet wird. 
"Die Schüler werden hier in die malerische Darstellungsweise plastischer Objecte eingeführt, 
indem sie die Verkürzungen der Formen, sowie die Licht-, Schatten- und Reflex-Erscheinungen 
der Körper an geeigneten Modellen studieren und darstellen lernen. 
Die Studien gehen alle darauf aus, die volle Licht- und Schattenwirlrung der Modelle 
wiederzugeben und zwar bedienen sich die Zeichner hiebei vier verschiedener Behandlungsweisen: 
l. mit Deckfarben in vier, höchstens tlinf Tönen; 
2. mit Aquarellfarben in den Schatten und Declgfarben in den Lichtern; 
3. mit dem Wischer für den Schatten und weisser Kreide Blr die Lichter; 
4. mit dem Stifte (schwarzer Kreide oder Blei) für die Schatten, mit oder ohne Weiss 
in den Lichtern. 
C-lasse G. Gypszeichnen (figürliche Theile) dehnt dieselben Übungen in den- 
selben Behandlungsweisen auf einzelne menschliche und thierische Körpertheile aus. 
Das Zeichnen von Köpfen und Büsten gilt dabei als das höchste Ziel der Classe. 
Die hierdurch vorbereiteten Schüler gehen entweder in 
Classe 7, Figuren-Zeichnen zum Studium ganzer menschlicher Figuren nach der 
Antike und schliesslich nach dem lebenden Modell (Act-Zeichnen) oder in 
Classe 8 zum Thierzeichnen und Malen über. - Hierbei werden hauptsächlich 
die in (1611 decorativen Künsten zur Verwendung kommenden Formen berücksichtigt. 
Classe 9. Anatomie (der Menschen und der für die decorativen Künste wichtigsten 
i Tllierß) 11'593 lli Ergänzung der Classe 7 und S, sowie der weiter unten zu erwähnenden figür- 
lichen Modellirclussen hinzu und ist nur dir deren Schüler berechnet. 
Mit dem Zeichnen nach Vorlagetafeln, dem Skelett und Gypsabgnssen ist ein erläntonider 
Vortrag verbunden, welcher zugleich auf die Grundzüge der Proportionslehre eingeht. 
Glasse 10, Blumen-Zeichnen und Malen. Die Aufgabe der Classe besteht darin, 
ßillelieiß die defßflfivß Behandlnngsweise in der Darstellung natürlicher Pflanzen, wie sie die 
Verwendung Ihr die gewerblichen Künste (Tapeteu- und Zeug-Druck, Gefossmnlerei u. s. w.) 
erfordert, zu üben, - andererseits die Bildungsgesetxe des PEanzea-Organisus durch Vor- 
trag zu erläutern und die wichtigsten Stich, Blatt-, Blüthen- und Fruchtformen den Schülern 
einzuprägen.
	        

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