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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe XI (1876 / 135)

Entwicklung des gewerblichen und mercnntilen Unterrichts. LXIII 
bestimmt charaltterisirt werden soll, als diese der Executive selbst zu thun möglich 
ist. Eine mehrilhrige Verwaltungspraxis setzt die Executive nunmehr in die Lage, 
den muthinasslichen Gesammtbedarf für mercsntile [lnterrichtszwecke zu beziffern 
und auf einen bisher gebotenen Spielraum zu verzichten. 
Die Zusammenfassung aller aus dem Stuatsschatze auf diese Zwecke 
commerciellen [Tnterrichts verwendeten Mittel erscheint andererseits geeignet. in 
leicht fasslicher Weise von dem Umfange der betreffenden Leistungen des Staates 
einen Begriff zu gehen und es möchte diess gerade hier um so mehr erwünscht 
sein, als wiederholt in den Verhandlungen des hohen Abgeordnetenhauses _ ins- 
besondere in der 9l. und 163. Sitzung der S. Session - von sehr wohlwollender 
und beachtenswerther Seite Äusserungen gefallen sind, welche auf eine Unter- 
schätzung der aus Staatsmitteln für Zwecke mercantilen Unterrichts gebrachten 
Opfer sehliessen lassen. Eine entsprechende Zusammenfassung lässt erkennen, 
dass diese Opfer sich auf jährlich etwa 60.000 H. belaufen. 
Ergibt sich schon hieraus, dass die Unterrichtsinteresseu des llandelsstandes 
in Österreich nicht in dem Masse der Pflege entbehren, wie diess von jener Seite 
angenommen worden ist, so zeigt sich diess um so deutlicher. wenn man berück- 
sichtigt, dass ausser den mit jenen 50.000 fl. ganz oder theilweise vom Staate 
erhaltenen eomrnerciellen Lehranstalten noch eine nicht unbedeutende Zahl von 
Handelssehulen in Österreich besteht. Der erwähnten Äusseruug in der 1453. Sitzung 
der S. Session "dass in der diesseitigen Reiehshalfte für den mercantilen Unterricht 
Alles in Allem nicht weniger, aber auch nicht mehr als fünf, höchstens sechs Special- 
lehranstnlten, sogenannte Handelsschulen, bestehen," liegt nämlich ein lrrthurn zu 
Grunde- Die Zahl der Handelsschulcn in Österreich beträgt Weder 
fünf noch sechnsondern fünfmal sechs und darüber; und zwar-bestehen 
10 Handelsschulen mit dem Ötfentlichlleitsrechte und 23 private Tagesschulen für 
Handelsbellissene. Öffentliche Handelsschulen besitzt Niederösterreich 3, Böhmen 2 
und Tirol, Steiermark, Krain, Triest und Mähren je eine. Ausser den 23 Tages- 
schulen bestehen nach 43 commercielle Fortbildungscurse in Österreich. Die im 
Anschlusse mitgetheilte Tabelle B enthält genauere Nachweisungen hierüber. 
Diese Daten dürften darthun, dass die österreichische Unterrichtsverwaltung 
es nicht in dem vermutheten Grade unterlassen hat, Bestrebungen zur Förderung 
des cornrnerciellen Unterrichtes theils finanziell, theils moralisch zu unterstützen. 
Wenn nun die Regierung auf Antrag des obcitirten Herrn Redner-s vom hohen 
Abgeordnetenhause in Form einer Resolution aufgefordert worden ist, fhre 
moralische Unterstützung den öffentlichen, wie den Privaten Handelslehmnstalten 
künftig" in höherem Masse zuzuwenden, so lässt sich ein Zweifel darüber lmurn 
unterdrücken, 0b eine in Aussicht gestellte moralische Unterstützung derRe-gierung 
auf Oorporationen und Private den gewünschten Eindruck in einer Zeit machen 
wird, wo in Folge der wirthschaftlichen Verhältnisse die Frequenz an den mercantilen 
Lehranstalten auffallend abgenommen hat, wo von den bestehenden manche nur 
durch Staatssubventionen über dem Wasser erhalten werden und selbst die best- 
dotirten sich schwer zu behaupten vermögen.
	        

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