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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe XVII (1882 / 199)

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Hatten durch Jahre hindurch nur einzelne Männer, wie der Holz- 
bildhauer Untersberger, der Buchbinder und Ledergalanteriearbeiter Wolf, 
der Hafner und jetzige Bürgermeister Schleiß, sich um die Hebung der 
Kunstindustrie bedeutende Verdienste erworben, so haben sich nun die 
hervorragenderen Industriellen Gmundens zusammengethan, und durch 
Gründung eines Gewerbevereines (mit dem Maler K. Taitl als Vorstand 
und Bürgerschuldirector Laher als Schriftführer) zunächst ein Centrum der 
gewerblichen Bestrebungen der Stadt geschaffen. Dass ein solcher Gedanke 
im Schoße der Bevölkerung selbst entsprungen und durch eigene Kraft 
verwirklicht worden ist, lässt hoffen, dass er in Kürze tiefe Wurzeln 
fassen und allgemeine Sympathie erwecken wird. Die Mittel, welche zu- 
nächst zur Förderung der Kunstindustrie ergriffen wurden, sind vollkommen 
zweckentsprechend. In den Monatsversammlungen des Gewerbevereines 
gelangen Modelle, Vorlagenwerke und fertige Gegenstände zur Ansicht, 
gewerbliche Fragen werden eingehend erörtert und endlich ist für den 
Monat August eines jeden Jahres eine Ausstellung der gewerblichen Er- 
zeugnisse Gmundens projectirt. Auf diese Weise ist eine stets wachsende 
Theilnahme von Seite der Gewerbetreibenden zu erwarten und mit Sicher- 
heit darauf zu rechnen, dass zahlreiche in der dortigen Bevölkerung 
schlummernde Talente geweckt und zu erfolgreichem SchaiTen heran- 
gebildet werden. 
Indem wir hoffen, dass das ersprießliche Wirken des Gewerbevereines 
recht bald zu anerkennenswerthen Leistungen in der Kunstindustrie führen 
wird, wünschen wir demselben frisches, kraftvolles Gedeihen. 
Vorlesungen im Museum. 
Am z. Nlarz hielt Dr. F. Linke eine Vorlesung über das Porzellan, deren Inhalt 
wir in Folgendem skizziren: 
im ersten Jahrhundert vor Christa wurde in China die Kunst erfunden, aus Kaolin 
(Porzellanerde) und Petuntse (Feldspath) Porzellan zu erzeugen. Unter dem Schutze 
kaiserlicher Privilegien gewann die chinesische Porzellanindustrie in der Folge eine mach- 
tige Entwicklung und eigenartige Gestaltung. Europa wurde erst sehr spät bekannt mit 
dem chinesischen Fabricate, zunächst durch spärliche Nachrichten von Reisenden, ver- 
einzelte herübergelangte Proben, die in den fürstlichen Schatzkammern Juwelen gleich 
geschätzt und in Ehren gehalten wurden. Erst im 16. und I7. Jahrhundert kamen durch 
die Handelsbeziehungen der Portugiesen und Holländer große Mengen chinesischen Por- 
zellans, immer noch zu enormen Preisen, auf den europäischen Markt. Alle Bemühungen 
in Europa, das chinesische Fabricat nachzubilden, scheiterten bis 170g, wo es dem Alchi- 
rnisten Böttger in Dresden gelang, das richtige Material, die Kaolinerde (bei Aue in 
Sachsen) ausfindig zu machen und damit Porzellan zu erzeugen. Die Fabrik zu Meißen, 
die darauihin errichtet wurde, bildete das Verfahren B6ttger's (zunächst unter seiner 
eigenen Leitung) aus, so dass das wdeutscheu Porzellan bald das chinesische Product aus 
dern Felde schlagen konnte. - 
Der Vortragende schilderte dann kurz die Entwicklung und Ausbreitung der Por- 
zellanfabrication in Europa. 
Das Geheimnies der Bereitung drang von Meißen zunächst nach Wien, wo 17:8 
eine Fabrik entstand, die später Staatseigenthum wurde und deren Schicksale der Vor- 
tragende bis zur Auflassung 1767 kurz schilderte.
	        

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