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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe XVII (1882 / 199)

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geführt, verschieden auch die Motive, sie wieder an's Licht zu ziehen, zuerst gemeine 
Habgier, dann die Freude an den Werken selbst, zuletzt mehr und mehr durchgedrungen 
der oberste Gesichtspunkt, bei welchem nicht Geschmack und Belieben wählerisch vor- 
geht, sondern Alles nach Gebühr Beachtung findet, die wissenschaftliche Erkenntniss. 
ln der Mitte des vorigen Jahrhunderts durch die Entdeckung Pompejis, durch Winckel- 
mann in ltalien, durch Stuart und Revett in Griechenland gewaltiger angeregt, wandte 
solches Streben sich der classischen Architektur und Sculptur zu. Lord Elgin's Kunstraub 
reformirte das voreilig (ixirte Kunsturtheil. Bei den Entdeckungen von Aigina und Phigalia, 
wo auch Deutschland an Forschung wie an Erwerb nicht unbetheiligt war, begann man 
die Aufgaben schon höher zu fassen. Mehr und mehr in der einzelnen Arbeit wie auf dem 
ganzen Gebiet zum Ganzen dringend ist man z. B. in Athen von der Burg wie von der 
Unterstadt ein Gesamtntbild zu erlangen bemüht gewesen, hat man nach Entdeckung der 
alten Kunst des Orients in Aegypten und Assyrien auch die Uebcrgänge zur griechischen 
in Kleinasien, in Troja, Mykene, in Attika und Büotien, auf Rhodus und Kypros aufzu- 
spüren gesucht. Und wieder der jüngeren griechischen und dann der schon zum Römischen 
sich wendenden Kunst ist man nachgegangen in Halikarnass, Ephesus, Knidos. Nicht mehr 
blos einzelne Bauten und Denkmäler, sondern ganze Bezirke aufzudecken und forschend 
zu reconstruiren, war die Aufgabe der österreichischen Expedition in Satnothralte, der 
deutschen in Olympia. Auch die überraschend ergiebigen Ausgrabungen in Pergamon 
haben, systematisch fortgesetzt, sowohl den großen Altarbau als auch das Gesammtbild 
der Königsburg von Pergarnon wesentlich zu ergänzen geholfen. Möchten auch weitere 
Expeditionen dieser hohen Aufgabe dienen, die Geschichte der Menschheit aufzuhellen, 
insbesondere die Erkenntniss und das Verständniss ihrer Kunst und durch diese Erkennt- 
niss auch Freude und Genuss an den Werken der Kunst. 
Mit diesem Vortrage von Prof. Petersen, dem die Zuhörer reichen Beifall zollten, 
schloss der heurige Cyclus der Donnerstag-Vorlesungen. 
Der Cyclus von Vorlesungen über physikalische Optik, welche der Professor der 
Physiologie an der hiesigen Universität, Dr. v. Fleisch], in; abgelaufenen Wintersemester 
an zehn Freitagabenden im Oesterr. Museum gehalten hat, wurde um I7. d. M. geschlossen. 
Es muss dem Vortragenden zum besonderen Verdienste angerechnet werden, dass er in 
klarer, geistreicher und populärer Weise und ohne Anwendung von mathematischen 
Formeln des außerordentlich schwierige Thema behandelt hat. Da von allen Seiten der 
Wunsch ausgesprochen wurde, es möchten diese Vorlesungen im nächsten Wintersemester 
wiederholt werden, so hat Prof. Dr. v. Fleischl sich bereit erklärt, diesem Wunsche 
nechzukornrnen. 
Literaturbericht. 
- KMZQIOS der k. Gemälde-Gallerie. Wir begrüßen den soeben 
erschienenen ersten Band des Kataloges der Gemälde-Gallerie 
der kunsthistorischen Sammlungen des Kaiserhauses, der vom Director der 
Gemälde-Gallerie, Herrn Eduard v. Engerth, verfasst ist, als den ersten 
literarischen Vorboten der Eröffnung der Gemälde-Gallerie in dem Neubau. 
Der Katalog der Gemälde-Gallerie wird drei Bände umfassen und allen 
Kunstforschern ein reiches Material zum Studium bieten. Es ist gegründete 
Hoffnung vorhanden, dass die drei Bände am Tage der Eröffnung fertig 
vorliegen werden. Der erste Band enthält. nebst der Beschreibung der 
italienischen, spanischen und französischen Schule, und außer dem Vorworte, 
einen eingehenden Beitrag zur Geschichte der kaiserlichen Gernälde-Gallerie 
und zwei Register, welche die Künstlernamen, die Anzahl ihrer Werke 
und ein Verzeichniss der historischen Bildnisse enthalten. Der vorliegende 
Band (gr. 8". LXXXIX und 480 Seiten) ist mit Abbildungen von Mono- 
grarnmen etc. reich versehen und gibt den Grundriss des ersten Stockes 
der Gemälde-Gallerie. Der Druck von Adolf Holzhausen ist musterhaft.
	        

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