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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe XVII (1882 / 200)

heil. Familie in buntgegliedertem Tabernakelbau, der die Bildeinlage vom 
hellen Teppiche abhebt. 
Abt Rößler bestellte in diesem Jahre die ersten zwei Fenster für die 
Stiftskirche zu Zwettl, wozu Prof. Rieser die Cartons zeichnete; in dem 
einen die Gründung der Abtei durch den heil. Abt Hermann und Hatmar, 
im andern die Gründer, Gesetzgeber und Verbreiter des Cisterzienser Or- 
dens mit der thronenden Madonna als Patronin. 
Mehr als dieses eine Jahr war das Institut an den drei großen Chor- 
fenstern der Franziskanerkirche zu Graz beschäftigt, welche die sieben 
Freuden Mariens zum Inhalte haben. Entworfen wurden diese auf's reichste 
veranlagten Fenster vom Architekten der Anstalt, Herrn Schmid, und vom 
Maler Schatz, die Cartons zeichnete Meister Mader, als letztes Werk aus 
seiner zu früh verwelkten Künstlerhand. 
An Größe des Umfanges und künstlerischem Gehalte blieben hinter 
diesen drei prächtigen Chorfenstern kaum zurück die Arbeiten dieses 
Jahres für die Kathedrale von Savannah: sieben Figuralfenster für die 
Capellen und das Querschiff. Wir heben daraus hervor: Allerseelen; der 
Abt Odilo von Cluny bringt das Messopfer für die Abgeschiedenen dar; 
Jesus der Kinderfreund. Das zweite große Transeptfenster: Anbetung des 
neugebornen Heilands durch die heil. drei Könige als Pendant des Kreu- 
zigungsbildes. Hier sind es Sybillen wie dort Propheten, welche die HotT- 
nung des Heidenthums auf den Erlöser verkünden; hier die Freude des 
Himmels, welche das Maßwerk erfüllt, wie dort dessen Trauer über den 
Opfertod. An Pracht der Ausstattung und coloristischer Kraft überragte 
dieses Fenster naturgemäß schon durch den dafür geschaffenen Inhalt weit 
seinen ernsteren Vorgänger. (sahnig; folgt.) 
Archäologische Forschungsreise nach Kleinasien. 
Vor wenigen Wochen hat sich eine wissenschaftliche Expedition von Wien aus 
nach Kleinasien begeben. 
Die voriährige Reise der Proif. Benndorf und Niemann und des Dr. v. Luschan 
nach Lyltien und Karien - als Fortsetzung der unter dem vorigen Unterrichtsminister, 
Herrn v. Stremayr, mit den Untersuchungen auf Samothrake so erfolgreich begonnenen 
österreichischen archäologischen Expeditionen von dessen Amtsnachfolger, Freih. v. Co nrn d, 
bereitwilligst gewährt und von dem damaligen Minister des Aeußern, Freih. v. Haymerle, 
auf das eifrigste und wahrhaft kunstbegeistert unterstützt - hatte das Vorhandensein 
zweier antiker Bauwerke constatirt, deren genauere Erforschung im Interesse der Wissen- 
schaft und Kunst wünschenswerth erschien. Das auf Veranlassung des Hofraths v. Eitel- 
berger eingeholte Votum eines Kreises von Fachminnern sprach sich auf Grund einer 
Denkschrift des Prof. Benndorf und photographischer Aufnahmen entschieden für die 
Verfolgung und, soweit möglich, Ausbeutung der gemachten Entdeckungen aus, und am 
29. December v. J. trat eine Gesellschaft von Kunstfreunden zusammen, welche sich die 
archäologische Erforschung Kleinasiens zur Aufgabe gemacht und zunächst eine zweite 
Expedition nach den im Vorjahre berührten Gegenden veranstaltet hat. 
Diese Gesellschaft besteht unter dem Präsidium Sr. Exc. des Herrn Grafen Edmund 
Zichy und des Reichsrathsabgeordneten Herrn Nicolaus Dumba, aus den zwei Ehren- 
mitgliedern, Sr. Durchl. dem regierenden Fürsten Johannes Liechtenstein und Herrn 
Baron Marco Morpurgo, Präsidenten der k. k. priv. Dampfsehi(führte-Gesellschaft des
	        

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