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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe XVII (1882 / 200)

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widmen, welche nothwendig ist, um diesen Objecten eine möglichst lange 
Dauer zu sichern. _ I. 
Es ist dies ein Standpunkt, welchen uns die Pflicht gegen unsere 
Nachkommen gebietet, sowie die Pflicht gegen das Kunstwerk, beziehungs- 
weise den schaffenden Künstler selbst, der fortleben soll in seinen Werken 
und dessen Name vergessen werden könnte mit dem Verschwinden der 
greifbaren Resultate seines Wirkens, deren Einfluss auf" die Cultur, weder 
durch die Unsterblichkeit des stets lebendigen Wortes, noch den unver- 
wischbaren Erfolg wissenschaftlicher Leistung gewährleistet ist. 
II. 
Unterwirft man die Veränderungen, welche an Gebäuden, an Denk- 
mälern aus Stein oder Erz oder selbst an Gemälden vor sich gehen, zunächst 
im Allgemeinen der Betrachtung, so wird man leicht zu der Meinung ver- 
leitet, dass hier kleine Ursachen große Wirkungen veranlassen, und doch kann 
nichts unrichtiger sein als diese Ansicht, denn es herrscht auch hier, wie 
überall, das wissenschaftliche Gesetz, dass die Ursache der Wirkung propor- 
tional ist. Was hier so leicht übersehen wird, ist der Umstand, dass man es 
mit ursächlichen Vorgängen zu thun hat, die an und für sich in einem fort- 
gesetzten, sich addirenden Wirken äußerst schwacher Kraftäußerungen 
bestehen und die daher der Beobachtung im Einzelnen leicht entgehen, 
durch Summirung jedoch sehr bemerkenswerthe Resultate zu erzeugen 
vermögen, wie etwa die Bildung großer Felsenrilfe durch stetiges Auf- 
bauen überaus kleiner Organismen verursacht wird. Fassen wir diese 
Vorgänge näher in's Auge, so erkennen wir, dass es vornehmlich das die 
Objecte umgebende Medium, die Atmosphäre ist, welche die Veränderung 
hervorbringt, und zwar sowohl durch chemische, als auch mechanische 
Processe. 
Vor allem muss hier das Wasser genannt werden, welches theils 
an und für sich, theils durch den Gehalt an gewissen Stoffen lösend wirkt 
und durch das Eindringen in Klüfte und Sprünge beim nachherigen 
Gefrieren Zerstörungen veranlasst. i 
Die Kohlensäure (der Luft) wirkt in wässeriger Lösung zerstörend 
auf die Oberfläche des Marmors ein und das durch Fäulniss stickstoff- 
haltiger Körper entstehende, übrigens in der Atmosphäre stetsvorhandene 
Ammoniak kannin ähnlicher Weise auf die kupferhaltigen Metall-Legirungen 
(Bronze) Einliuß nehmen, oder unter anderen Umständen oxydirt werden 
und die Salpeterbildung (Mauerfraß) veranlassen. Das Ozon wirkt stets 
oxydirend, was, sowie auch die gleichzeitige Einwirkung von Wasser und 
Kohlensäure, ein Auflockern der festesten Gesteine herbeiführen kann (Ver- 
Witterung). Die vielen in der Luft in wechselnder Menge enthaltenen 
accessorischen Bestandtheile endlich können Veränderungen der ver- 
schiedensten Art vermitteln, wie dies z.' B. bei der durch Verbrennung 
der Steinkohlen und des Leuchtgases gebildeten Schwefelsäure der Fall
	        

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